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Bürgerinitiative gegen Bauvorhaben: "Center Parcs ist ein Fremdkörper"

Sprecher glaubt nicht an Errichtung des Ferienparks - 25.08.2020 05:48 Uhr

Am Brombachsee soll eine neue Ferienanlage von Center Parcs entstehen. Eine Bürgerinitiative wehrt sich nun aber dagegen.

14.08.2020 © Jan Stephan


270 Unterstützer hat die BI laut Maier schon, täglich kommen nun zehn bis 15 neue Ferienpark-Gegner hinzu. "Center Parcs ist ein Fremdkörper in einer Region, die auf sanften Tourismus setzt", betont Maier. Viele private Zimmervermieter im Seenland seien stocksauer ob der plötzlich drohenden Konkurrenz.

Pfofelds Bürgermeister Reinhold Huber (Unabhängige Wählergemeinschaft Pfofeld), in dessen Gemeinde das Gelände liegt, sieht die Sache mit den Zimmervermietern etwas weniger brisant. "Durch Feriengäste ist man als Privatvermieter schon sehr gebunden. Dazu sind immer weniger bereit. Wir hatten hier mal mehr als 100 Anbieter. Jetzt sind es weniger als 50", erläutert er. Das hochpreisige Center-Parcs-Angebot sei zudem überhaupt nicht mit Urlaub auf dem Bauernhof vergleichbar.

Ansonsten will Huber erst Fakten und Argumente für alle Seiten sammeln und alles genau eruieren, bevor er sich eine Meinung über die Pläne bildet. Erst einmal hat er kurz einen Center-Parcs-Vertreter gesprochen.

"Ein Tourismus-Projekt fällt aber auch nicht vom Himmel, da muss keiner so tun, als ob das so wäre", sagt er. Im Regionalplan sei das Gelände schon lange als Gebiet mit besonderer Bedeutung für die Erholung ausgewiesen. "Es ist aber auch nicht so, dass am nächsten Dienstag die Bagger anrollen", betont er. Stattdessen wird am kommenden Dienstag Center Parcs den Zweckverband Brombachsee und den Kreistag über die Pläne informieren, bevor abends eine Bürger-Informationsveranstaltung stattfindet.

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Hohe Umweltauflagen

Dass Center Parcs tatsächlich einen Ferienpark errichten wird, glaubt BI-Sprecher Maier zwar nicht, zu groß seien die Umweltauflagen, zu gewaltig der Aufwand der Geländesanierung. "Wir müssen uns aber trotzdem konzertiert zur Wehr setzen", verdeutlicht er. "Die Zustände sind für die Bürger schon jetzt kaum mehr tragbar", sagt ein weiterer BI-Sprecher und weist auf verstopfte Straßen vor allem um Ramsberg und Absberg sowie die großen Mengen an Müll hin.

"Wir sind keine radikalen Bürger. Aber wir wollen mit eingebunden werden. Man muss auch unangenehme Fragen stellen dürfen", sagt der BI-Sprecher. Deshalb wolle man bei der Info-Veranstaltung auch seine Argumente äußern dürfen. "Einem solchen Wunsch stehe ich positiv gegenüber", sagt Pfofelds Bürgermeister Huber dazu.

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Nach allem, was bisher bekannt ist, will Center Parcs auf dem 155 Hektar großen Gelände einer ehemaligen Munitionsanstalt bei Langlau einen Ferienpark mit Hunderten von Ferienhäusern errichten. "Neben Wach- und Verwaltungsgebäuden, Sozialgebäuden für das Personal, offenen und geschlossenen Hallen zur Lagerung von Material, einer Umschlaghalle mit Reinigungsvorrichtung für Treibstoffkanister und Abfülleinrichtung für Treibstoffe sowie einer Mannschaftsunterkunft ist auf dem Gelände eine Vielzahl von größtenteils erdgedeckten Munitionsbunkern vorhanden", steht im Exposé zum Gelände.

23 Munitionsbunker müssen weg

Allein 23 solcher Bunker sind das, dazu besteht flächenhafter Kampfmittelverdacht. Der Säuberungsaufwand ist also enorm. Der Kaufpreis für das Gelände ist nicht bekannt. Laut der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hat Center Parcs den Zuschlag erhalten. Der Mindestpreis betrug 11,1 Millionen Euro. Dazu kam eine Kompensationszahlung von 755 000 Euro an die Staatsforsten. "Mit Lärmemissionen ist bei einem Betrieb der Übungsanlage zu rechnen", stand allerdings vielsagend in der BImA-Objektbeschreibung. Auf dem Muna-Gelände soll nämlich auch ein Übungsgelände des Technischen Hilfswerks (THW) untergebracht werden.

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Momentan hat das THW noch ein Übungsgelände ein Stück westlich des Areals. Doch ein Umzug auf das Muna-Areal soll bevorstehen. Dafür gibt es eine bis zu zehn Hektar große Vorbehaltsfläche direkt westlich des geplanten Ferienparks. Center Parcs musste sich bereit erklären, dieses zu erwerben, falls das THW wie angedacht dorthin umziehen sollte.

Sein bisheriges Gelände nutzt der THW-Ortsverband Gunzenhausen für Rettungs- und Bergungsübungen, im Sommer profitieren auch benachbarte Ortsverbände von dem Areal. Lautstark zu hören sind dann Motorsägen und Stromaggregate.


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