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Corona-Pandemie macht auch bayerischen Spielbanken zu schaffen

Der Ertrag in der Region ist gewaltig eingebrochen - 09.02.2021 06:00 Uhr

Nichts geht mehr an den Roulettetischen der bayerischen Spielbanken. Von dem Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind natürlich auch diese Einrichtungen betroffen.

08.02.2021 © Foto: Yuri Smityuk/imago images


Was den Liebhabern von Poker, Black Jack und Roulette im Moment noch bleibt, ist der virtuelle Rundgang: Das Internetvideo der Spielbank Feuchtwangen führt den Zuschauer durch das Gebäude mit seiner futuristischen Fassade, zeigt den blauen Teppich mit goldfarbenen Mustern darin, auf dem die bunt leuchtenden Automaten stehen.

Niemand sitzt daran, ebenso leer sind im "mittelfränkischen Las Vegas" die Stühle an den grün bezogenen Tischen für das Kartenspiel, die Hocker an der Bar.

Das in dem Imagefilm keine Besucher zu sehen sind, hat mit der Wahrung der Persönlichkeitsrechte zu tun. Doch seit vielen Wochen entspricht der im Video gezeigte Zustand der Realität.

In Zeiten der Corona-Pandemie sind Gäste, die sich dicht an dicht um das Roulette drängen ebenso wenig vorstellbar wie Jetons, die von Hand zu Hand weitergereicht werden.

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Nachts in der Spielhalle: Geld, Gier und Gegner

Abends haben Spielhallen Hochbetrieb. Die Menschen zieht es vor die kunterbunt blinkenden Automaten. Der große Gewinn lockt, die Mitarbeiter schenken Kaffee und Cola aus. Doch auch Suchtkranke und Überfälle gehören zum täglichen Geschäft. Das passiert nachts in einem Spielhalle.


So ist das nicht nur in Feuchtwangen, sondern auch in den weiteren acht Häusern, die der Freistaat Bayern, vertreten durch die Staatliche Lotterieverwaltung, in Bad Wiessee, Garmisch-Partenkirchen, Lindau, Bad Kissingen, Bad Füssing, Bad Reichenhall, Bad Kötzting und Bad Steben betreibt.

836 Millionen Euro für den Staat

Die Spielbanken dienen nicht nur der Unterhaltung und Entspannung der Gäste. Sie sind ein Wirtschaftsfaktor. Von jedem Euro, der in einer bayerischen Spielbank umgesetzt wird, profitieren das Finanzministerium ebenso wie die jeweilige Region.

Zwischen 2000 und 2018 wurden rund 836 Millionen Euro Spielbankabgabe an den Freistaat Bayern abgeführt, von denen etwa 250 Millionen Euro an die jeweiligen Standortkommunen flossen.

Allein die Spielbank Feuchtwangen hat in diesem Zeitraum mehr als 47 Millionen Euro an die Kommune weitergereicht. Hier stieg im Jahr 2019 der Bruttospielertrag, also die Spieleinsätze abzüglich der ausbezahlten Gewinne, um fast ein Viertel gegenüber dem Vorjahr auf über 16 Millionen Euro.

Auch die Besucherzahlen gingen 2019 nach oben: von knapp 100.000 im Jahr 2018 auf über 113.000. Feuchtwangen ist damit nach Bad Wiessee die erfolgreichste Spielbank des Freistaats.

Doch 2020 war alles anders. Wie alle bayerischen Spielbanken musste das Haus vom 14. März bis 10. Mai vollständig schließen.


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"Das abgelaufene Geschäftsjahr war vor allem durch die Corona-Pandemie geprägt, die auf den Spielbetrieb der Bayerischen Spielbanken erhebliche Auswirkungen hatte", erklärt die Staatliche Lotterieverwaltung auf Anfrage.

"Um die Sicherheit der Gäste sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich sicher zu stellen, wurde ein umfassendes Hygienekonzept für das Automatenspiel sowie für das Große Spiel erarbeitet."

Begrenztes Angebot

Vom 11. Mai 2020 an wurde das Automatenspiel mit einem begrenzten Angebot wieder geöffnet, die Öffnung des Großen Spiels folgte am 15. Juni 2020, "ebenfalls unter Auflagen und mit eingeschränktem Spielbetrieb. Seit 1. November 2020 sind die Bayerischen Spielbanken erneut komplett geschlossen."

Bis zu der coronabedingten Schließung im März 2020 entwickelte sich der Bruttospielertrag in sämtlichen Häusern nach Angaben der Lotterieverwaltung mit einem Plus von 28 Prozent deutlich besser als im bereits guten Vorjahr 2019.

Doch vor dem Hintergrund der Schließungen lag 2020 am Jahresende der Bruttospielertrag aller Banken bei rund 57 Millionen Euro, ein Minus von 34 Prozent. Die Gästezahlen brachen um 50 Prozent ein und lagen bei rund 366.000.

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Das trifft auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hart, denen ihr Anteil an der Trinkgeldkasse und damit ein nicht unerheblicher Teil des Gehalts fehlt.

Insgesamt zählen die neun bayerischen Spielbanken 632 feste Beschäftigte. Laut Lotterieverwaltung kommen in "normalen Zeiten 56 Unterstützungskräfte" hinzu.

Personal sei im Krisenjahr 2020 nicht abgebaut worden, so die Lotterieverwaltung. Rund 80 Prozent des fest angestellten Personals, überwiegend aus dem spieltechnischen Bereich, befinden sich allerdings in Kurzarbeit.


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Dennoch blickt man optimistisch in die Zukunft nach der Pandemie und sieht nach eigenen Angaben auch die Konkurrenz durch das Online-Glücksspiel gelassen.

"Aufgrund der positiven Entwicklung vor der Schließung der Spielbanken rechnen die Spielbanken nicht mit einem dauerhaften Einbruch der Zahlen."

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