E-Scooter: Was passiert mit den Rollern im Winter?

14.12.2019, 06:00 Uhr
Ein E-Scooter fährt bei Regenwetter durch die Stadt. Bei schlechter Witterung müssen Fahrer einige Dinge beachten.

Ein E-Scooter fährt bei Regenwetter durch die Stadt. Bei schlechter Witterung müssen Fahrer einige Dinge beachten. © Henning Kaiser, dpa

Im Winter werden E-Scooter in den bayerischen Großstädten seltener – er wird sie aber nicht ganz aus den Straßen vertreiben. Die Verleiher wollen ihr Geschäft in der kalten Jahreszeit fortsetzen, wenn auch meist mit einer reduzierten Anzahl an Fahrzeugen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei mehreren in Bayern tätigen Verleihern ergab.

Nur wenn die Straßenbedingungen zu gefährlich werden, sollen die Tretroller vorübergehend ganz gesperrt oder zeitweise eingesammelt werden. "Grundsätzlich sehen wir auch einen Bedarf an kalten Tagen", sagte Oliver Klug von Uber. Der Fahrdienstleister bietet unter dem Namen Jump Elektrotretroller in München an.

E-Scooter in Nürnberg: Anbieter Voi ist eine Ausnahme

Das soll sich auch im Winter nicht ändern, das Angebot aber angepasst werden. Sowohl der Bereich, in dem die Roller ausgeliehen und zurückgegeben werden können, als auch die Zahl der Fahrzeuge wird reduziert.

Die flexible Anpassung der Rollerzahl ist eine Strategie, die auch andere in Bayern tätige Anbieter wie Bird, Tier, Lime und Circ nutzen. Die meisten von ihnen sind nur in München tätig, Tier zudem noch in Ingolstadt.

Voi, einer von zwei Anbietern in Nürnberg - will hingegen sein Angebot über die Wintermonate konstant halten, wie General Manager Claus Unterkircher gegenüber chip.de erklärte. Die Modelle in Deutschland seien extra robust und mit Allwetterreifen ausgestattet, die auch bei stärkerer Witterung gut auf der Straße haften sollen. Nur bei sehr schlechten Bedingungen sollen die Scooter abgeschaltet werden. Schon jetzt sorgen die E-Scooter teilweise für chaotische Zustände in Nürnberg, bei der Stadt gingen bereits zahlreiche Beschwerden ein. Kein Wunder, dass die Stadtverwaltung im August eine erste kritische Bilanz zog.

E-Scooter: Macht der Akku im Winter schlapp?

Bleibt noch die Frage mit dem Akku. Handynutzer kennen das Phänomen: Kaum zückt man das Gerät in der Kälte, schwächelt die Batterie. Ob bei den E-Scootern im Winter das gleiche Problem droht, weiß Dirk Moser-Delarami, Pressesprecher beim Tüv Süd.
„Es ist bekannt, dass sich Leistungs- und Ladefähigkeit von Akkus bei kalten und heißen Temperaturen anders verhalten. Im Falle der E-Scooter wäre es Sache der Anbieter, ihre Geräte im Winter bei Bedarf öfter aufzuladen."

Moser-Delarami weiter: "Die bisherigen Statistiken zeigen, dass die Roller in den Städten bisher vor allem für kurze Strecken bis zwei Kilometer genutzt werden. Auf solchen Distanzen dürfte der Nutzer kaum Probleme mit der Akkuleistung bekommen. Wer bei Kälte eine längere Fahrt machen will, sollte vor Fahrtantritt auf einen ausreichend hohen Akkustand achten."

E-Scooter-Anbieter können Verleih einfach stoppen

Wird das Wetter problematisch, können die Verleiher schnell reagieren, da der Ausleihprozess über eine App funktioniert. "Bei riskanten Wetterlagen schalten wir die Roller inaktiv, so dass sie nicht ausgeliehen werden können", sagte Bodo von Braunmühl von Tier. "Das geht mit einem Knopfdruck." Und Christian Geßner, Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Bird, erklärte: "Wenn für eine längere Zeit schlechtes Wetter angesagt ist, werden wir die Flotte einsammeln."

Die schnelle Reaktion und Sperrung bei gefährlichen Straßenverhältnissen fordert auch der Dachverband der Technischen Überwachungsvereine (Tüv). Grundsätzlich könnten E-Scooter aber auch im Winter gefahren werden. Neben Eis und Schnee warnt der Verband aber auch vor nassem Laub und Kopfsteinpflaster. Dann steigt nämlich die Unfalgefahr. Doch wer haftet eigentlich bei einem Unfall mit dem E-Scooter?

Verleiher setzen auf Erfahrung aus anderen Ländern

Die Entscheidung darüber, ob gefahren werden kann, wird für die einzelnen Städte aktuell und individuell getroffen. "Wenn Sie nicht mehr mit dem Fahrrad fahren würden, dann kann man auch nicht mehr mit dem E-Scooter fahren", erklärte eine Sprecherin von Lime. Sie ist allerdings zuversichtlich, dass dies nicht zu häufig passieren wird. Man habe Erfahrungen aus skandinavischen Ländern und das eingesetzte Modell habe sich bewährt. Bleibt die Frage, wie wintertauglich die Nutzer sind.

In Nürnberg sorgte kürzlich ein Plakat über ein geplantes E-Scooter-Parkhaus für Wirbel. wir erklären, was es damit auf sich hat. Bevor es in Fürth erste E-Scooter geben wird, fordert der Stadtrat erst ein geordnetes System, um "Wildwest-Gehabe" zu verhindern.

Video: Mit dem E-Scooter durch Nürnberg - so funktioniert's

5 Kommentare