Meterologen klären auf

Die Eisheiligen 2023: Wann sind sie - und stimmen die Bauernregeln?

Simone Madre
Simone Madre

E-Mail zur Autorenseite

25.5.2022, 18:22 Uhr
Manche Blumen und Pflanzen sollten wegen potentiell frostiger Nächte im Mai noch nicht nach draußen. 

© Zacharie Scheurer, dpa-tmn Manche Blumen und Pflanzen sollten wegen potentiell frostiger Nächte im Mai noch nicht nach draußen. 

Landwirte und Gärtner blicken jeden Jahr mit Sorge auf die Wetterprognosen für die Eisheiligen. Denn sie gelten als potenzieller Pflanzen-Killer. Sät man zu früh aus, kann der Bodenfrost bei den kleinen Pflänzchen erheblichen Schaden anrichten.

Sind die Eisheiligen ein Mythos?

Viele Bauernregeln drehen sich um die niedrigen Temperaturen und die Frostgefahr an den fünf Tagen der Eisheiligen. Stimmt das so oder ist das nur ein Mythos? Vermutlich stammt diese Regel aus einer mittelalterlichen Kälteperiode, aktuelle Statistiken können diese Regelhaftigkeit für den Zeitraum 11. bis 15. Mai nicht bestätigen.

Gründe für kalte Tage im Mai gibt es aber schon. "Zwischen dem noch kalten Nordeuropa und den Landflächen Südeuropas, die sich durch den zunehmenden Sonnenstand bereits rasch erwärmen, stellen sich enormen Temperaturgegensätze ein", erklärt die Meteorologin Corinna Borau. "Durch diese großen Temperaturkontraste innerhalb Europas können kräftige Tiefs entstehen, die auch das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen." Und diese können den Pflanzen schaden.

Die Bauernregel, dass die Eisheiligen immer Mitte Mai zuschlagen, sei aber längst überholt, so Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Wegen des Klimawandels müsse man sie etwa zehn Tage nach vorne schieben: "Inzwischen haben wir immer öfter Heißheilige, also schon Mitte Mai Frühlingstage mit über 30 Grad." Wie hoch die Temperatur während den Eisheiligen 2023 sein wird, ist noch unklar.

Grundsätzlich bestehe selbst bis in den Juni hinein ein Restrisiko auf nächtlichen Frost. Hobbygärtner sollten daher nicht nur während der Eisheiligen den Wetterbericht im Auge behalten und ihre Pflanzen gegebenenfalls nachts mit einem Vlies abdecken.

Die Eisheiligen: Woher kommt der Name?

Die Bezeichnung der Eisheiligen geht auf den Heiligenkalender der Kirche zurück. Namensgeber der Eisheiligen sind Märtyrer und Bischöfe aus dem 4. und 5. Jahrhundert. Mit dem Wetter haben diese aber reichlich wenig zu tun. Das sind die Namenstage der Eisheiligen im Überblick:

• Mittwoch, 11. Mai 2023: Mamertus

• Donnerstag, 12. Mai 2023: Pankratius

• Freitag, 13. Mai 2023: Servatius

• Samstag, 14. Mai 2023: Bonifatius

• Sonntag, 15. Mai 2023: Kalte Sophie

Vier Männer und eine Frau tragen die Namen der Eisheiligen

- In Norddeutschland gilt Mamertus als erster Eisheiliger. Er war ein um 400 nach Christus geborener Bischof in Lyon. Mamertus wird bei Dürren und bestimmten Erkrankungen angerufen.

- Pankratius, der mit dem 12. Mai verbunden ist, stammte aus der heutigen Türkei. Er starb um 304, noch keine 20 Jahre alt. Pankratius gilt als einer der ersten christlichen Märtyrer.

- Servatius – erst mit ihm beginnen in Bayern und Österreich die Eisheiligen – lebte von 340 bis 384 nach Christus. Er war Bischof in Tongern, dem heutigen Belgien, und prophezeite nach einer Eingebung durch Petrus den Einfall der Hunnen. Salvatius soll mit einem Holzschuh erschlagen worden sein. Er wird bei Frost angerufen, in früheren Zeiten auch bei Rattenplage oder Fußproblemen.

- Der Römer Bonifatius oder Bonifaz starb vermutlich 306 in der Türkei. Er ließ sich zum Christentum bekehren, wurde verfolgt und schließlich grausam durch siedendes Pech hingerichtet. Sein Namenstag fällt auf den 14. Mai.

- Die kalte Sophie, auch Sopherl genannt, war die frühchristliche Märtyrin Sophia von Rom. Sie ist die letzte der Eisheiligen und die einzige Frau. Auch sie starb sehr jung während einer Christenverfolgung. Ihr Name wird bei Spätfrösten angerufen in Verbindung mit der Bitte um eine gute Ernte. Interessant ist Sophies Darstellung mit Schwert und Trog oder auch einem Palmwedel.

Welche Bauernregeln gibt es zu den Eisheiligen?

Die Eisheiligen-Bauernregeln sind bildhaft, knapp und konkret. Für die kalte Sophie etwa heißt es:

- Oft hat Sophie Frost gebracht und manche Pflanze totgemacht.

- Die kalt' Sophie, die bringt zum Schluss, ganz gern noch einen Regenguss.

- Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bis Sophie vorüber ist.

Manchmal werden die Eisheiligen im Sprichwort auch zueinander in Beziehung gesetzt:

- Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.

- Kein Reif nach Servaz, kein Schnee nach Bonifaz. 

- Pankraz, Servaz, Bonifaz, die stehlen wie ein Spatz. Ist aber St. Pankratius schön, wird guten Wein man sehn.

- Vor Servaz kein Sommer, nach Servaz kein Frost.