Aus fürs Meerrettichmuseum in Baiersdorf

21.12.2020, 12:30 Uhr

© Harald Hofmann

Traurige Nachricht nicht nur für alle Baiersdorfer: Das Meerrettich-Museum in der Judengasse wird für immer geschlossen. Es war das einzige dieser Art und als "schärfstes Museum der Welt" ein Anziehungspunkt für Besucher aus dem In- und Ausland.

In diesem Jahre konnte es wegen der Corona-Pandemie nur für kurze Zeit im März besichtigt werden. Getragen wurde es von der Firma Schamel, die nach wie vor in Baiersdorf Produkte rund um den Meerrettich herstellt.

Firmensitz wurde verlagert

Wie Geschäftsführer Matthias Schamel im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte, waren verschiedene Gründe für die Entscheidung ausschlaggebend, das Museum auch nach einem Ende der Covid-19-Krise nicht mehr zu öffnen. Eine Rolle spielte, dass der Firmensitz von der Judengasse zum Johann-Jakob-Schamel-Platz verlagert wurde.

Zudem wären in den nächsten Jahren umfangreiche Investitionen notwendig gewesen, um eine Ausstellung modernen Zuschnitts mit Multimedia-Angeboten, fremdsprachlichen Texten und barrierefreien Zugängen zu ermöglichen.

© Foto: Firma Schamel

Das Ende des Museums habe nichts mit der Firma selbst zu tun. So bekenne sich das Unternehmen weiterhin zu Baiersdorf als Produktionsstandort und möchte hier auch in Zukunft investieren, stellte Matthias Schamel heraus.

Für Baiersdorf, auch bekannt als "Meerrettichstadt", sei die Schließung des Museums ein großer Verlust, betont die Pressesprecherin der Stadt, Daniela Pietsch. Der Anbau und die Verarbeitung der herzhaften Wurzel präge bis heute die Geschichte der Gegend.

Wirtschaftliche Bedeutung

Zu der geschichtlichen und soziokulturellen Bedeutung komme die wirtschaftliche hinzu. So hätten unter anderem der Einzelhandel und vor allem die Gastronomie von dem Museum profitiert. Der Wirt des Gasthofs "Zum Storchennest", Rudolf Streng, bestätigt dies: "Das Museum war für uns ein wichtiger Faktor. Wir müssen ohnehin die Folgen der Pandemie verkraften, können sie durch den Straßenverkauf bloß zu einem geringen Teil auffangen. Jetzt sehen wir uns mit einer zweiten Hiobsbotschaft konfrontiert."

Für die Gäste sei der Besuch des Museums und anschließend der Gaststätte einfach eine runde Sache gewesen. So finden sich auf der Speisekarte des "Storchennests" beispielsweise eine Meerrettichsuppe mit Croutons, ein Meerrettich-Schnitzel sowie Krenfleisch. Und natürlich genießt man in Baiersdorf die fränkischen Bratwürste nicht mit Senf, sondern mit einem ordentlichen Schlag der weißen Köstlichkeit.

Viele Gäste beim Krenfest

40 Jahre verwöhnte Monika Horvath im "Weißen Lamm" Einheimische und Touristen, bis sie und ihr Mann aus Altersgründen das Gasthaus aufgaben. Von weit her seien die Busse angereist, um nach dem Museum die typischen Meerrettich-Speisen zu genießen. "Da herrschte reger Betrieb. Über mangelnde Vorbestellungen mussten wir nie klagen, sondern uns etwas einfallen lassen, um den Andrang zu bewältigen", erzählt sie.

Während des Krenfests im September stellte das Ehepaar Tische und Stühle auf den Gehsteig. Bei gutem Wetter kamen oft über 1000 Gäste an einem Tag. "Gesangsvereine haben vor und nach dem Essen Lieder gesungen – das war eine tolle Atmosphäre" erinnert sich Monika Horvath.

Laut Daniela Pietsch von der Stadtverwaltung ist das Krenfest von der Schließung des Museums zum Glück nicht betroffen. In diesem Jahr musste es wegen Corona abgesagt werden, doch nach der Bewältigung der Krise soll es wieder in gewohnter Form stattfinden.

Und auch für das Museum gibt es Hoffnung. Die Exponate werden fachgerecht zwischengelagert. Nun sucht die Stadt nach Räumlichkeiten, um die Entwicklung des Meerrettichanbaus weiter anschaulich mit Bildern, interessant zu lesenden Erläuterungen und historischen Geräten der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Die Firma Schamel will dies gerne unterstützen.

Der Baiersdorfer Heimatverein war bereits bei der Gründung des Museums vor 24 Jahren maßgeblich beteiligt und übernahm seitdem die Führungen durch das Haus. "Dass dieses geschlossen wird, ist natürlich sehr bedauerlich. Der Verein wäre freilich personell und finanziell überfordert, es auf ehrenamtlicher Basis weiterzuführen", hebt die Vorsitzende Monika Hofmayer hervor. Eifrig mithelfen werde man bei einem Neuanfang aber auf jeden Fall.

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