19. September 2022

Bei Gewalt nicht wegschauen, aber auch nicht den Helden spielen: Appell zum Tag der Zivilcourage

Sharon Chaffin
Sharon Chaffin

Redakteurin Erlanger Nachrichten

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17.9.2022, 06:00 Uhr
Auch bei häuslicher Gewalt spielt Zivilcourage eine große Rolle, etwa dann, wenn Nachbarn, Freunde und Familie intervenieren und die Polizei rufen. 

© epd-bild/Steffen Schellhorn, NN Auch bei häuslicher Gewalt spielt Zivilcourage eine große Rolle, etwa dann, wenn Nachbarn, Freunde und Familie intervenieren und die Polizei rufen. 

Am Montag, 19. September 2022, ist Tag der Zivilcourage. An dem Präventionsaktionstag beteiligen sich verschiedene Initiativen, unter anderem die Opferhilfsorganisation Weißer Ring. Wie man in einer bedrohlichen Situation reagieren sollte, erläutert Elke Yassin-Radowsky, die Leiterin der Außenstelle für Erlangen-Höchstadt, Erlangen und Fürth-Land.

Warum hat der Weiße Ring "Zivilcourage“ zu seinem Jahresthema 2022 gemacht, Frau Yassin-Radowsky?

 Elke Yassin-Radowsky leitet die Außenstelle des Weißen Rings für Erlangen, Erlangen-Höchstadt und Fürth-Land. 

 Elke Yassin-Radowsky leitet die Außenstelle des Weißen Rings für Erlangen, Erlangen-Höchstadt und Fürth-Land.  © privat

Durch den Fokus auf das Thema Zivilcourage möchten wir zu einer Kultur des Hinsehens beitragen. Es geht nicht darum, Heldinnen und Helden hervorzubringen, sondern unter Wahrung der eigenen Sicherheit Opfern zur Seite zu stehen und zu helfen. Angesichts der fortschreitenden Verrohung der Gesellschaft sind gefährliche Situationen allgegenwärtig. Zum weit verbreiteten Wegschauen gehört auch das Phänomen, dass sich viele Menschen aus der öffentlichen Debatte zurückziehen, gerade im Online-Bereich - und das eben auch, weil sie dort mit Hass und Hetze konfrontiert werden. Auch hier gilt es, entschlossen hinzuschauen und einzugreifen.

Was können Einzelne tun?

In bedrohlichen Situationen kommt es auf grundlegende Dinge an. Wichtig sind vor allem das umsichtige Beobachten und Handeln aus der Distanz, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Im Zweifelsfall ist die Polizei per Notruf 110 hinzuzuziehen. Wichtig: handeln, bevor sich die Lage möglicherweise zuspitzt. Was ganz wichtig ist: Dem Opfer muss geholfen werden. Konflikte können idealerweise in ihrer Eskalationsspirale ausgebremst werden, bis die Polizei eintrifft.

Was können Opfer tun?

Wer selbst als Opfer in eine bedrohliche Situation gerät, sollte lautstark auf sich und seine Notlage aufmerksam machen. Die gezielte Ansprache von Passantinnen und Passanten kann helfen, tatsächlich und unmittelbar Unterstützung zu erhalten. Opfer sollten unmissverständlich darauf aufmerksam machen, dass es sich um einen Notfall handelt, auch lautes Schreien ist empfehlenswert. Der Notruf 110 sollte per Handy gewählt werden, falls dies möglich ist.

Wo können sich Ratsuchende melden?

Opfern stehen unsere Mitarbeitenden vor Ort in einer der rund 400 Außenstellen zur Verfügung. Hinzu kommt das bundesweite und kostenlose Opfer-Telefon unter der Rufnummer 116006 von 7 bis 22 Uhr, darüber hinaus gibt es auch online Hilfe unter www.weisser-ring.de/hilfe/onlineberatung; unsere Außenstelle für Erlangen-Höchstadt, Erlangen und Fürth-Land ist unter der Rufnummer (09195) 7999 sowie per E-Mail unter erlangen@mail.weisser-ring.de zu erreichen.

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