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Besuch in der größten Brauerei von Erlangen

Die kleine Steinbach-Bräu hat sich zum Marktführer entwickelt - 24.08.2020 18:30 Uhr

Die Steinbach Bräu ist inzwischen Erlangens größte kleine Brauerei und seit langem in Besitz der Familie Gewalt. Derzeitiger Chef ist Christoph Gewalt.

21.08.2020 © Harald Sippel


Von Kredit gebenden Banken misstrauisch beäugt, von der umgebenden Erlanger und mittelfränkischen Konkurrenz noch etwas belächelt, startete die Brauerei mit einem "Storch" durch. Diese Sorte sollte sich als das seit Beginn an durchgehend gebraute Hausbier als verlässlicher Begleiter erweisen. Heute braut der Chef des Hauses, Braumeister Christoph Gewalt, jeweils drei Biersorten – dank den vor drei Jahren erweiterten Lagerkapazitäten.

Als er 1995 begann, stellte sich die Frage nach der Größe des Sudwerks. Die Entscheidung für eine 20 Hektoliter-Anlage des ebenso legendären wie hochpreisigen Bamberger Herstellers Kaspar Schulz war gleichzeitig Verpflichtung, das Projekt Brauerei ernst zu nehmen – so eine Anlage baut man nicht alle Tage. Eine neue Anlage hat derweil das Vorgängermodell abgelöst, es spart dank Gasheizung Energie und ist mit einer FCKW-freien Kühlung ein Beitrag zum Schutz der Umwelt und der Bilanz.


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Dass im Anwesen Hauptstraße 116 – dem Sitz der Familie Steinbach/Gewalt – schon vor dem 30-jährigen Krieg Bier gebraut wurde und selbiges in der einstigen Reichsposthalterei zur Bewirtung der Postreisenden ausgeschenkt wurde, ist nur historische Reminiszenz. Diese wurde im Jahr 1861 vom Gewalt-Vorläufer Carl Steinbach erworben, dessen Söhne Karl und Fritz Steinbach die Brauerei weiterbetrieben.

Nach einer Brauerausbildung in Freiburg, Berlin und Dortmund und einem Studium in Weihenstephan knüpfte schließlich der Diplom-Braumeister Christoph Gewalt im Mai 1995 mit der Inbetriebnahme der Gasthausbrauerei an die alte Brautradition an. Ursprünglich sollte Dieter Gewalts Sohn Christoph "nur" die vom Brauhaus übriggebliebene Mälzerei leiten, "aber", so erzählt es Christoph Gewalt heute, "ein eigenes Bier zu brauen, drängte sich förmlich auf." Der starke familiäre Zusammenhalt half Durststrecken zu überwinden, und mit der Übernahme der sich heute in Zirndorf befindenden Mälzerei durch Christophs Bruder Jörg eröffnete sich ein Bierkosmos, der zahlreiche Spezialbiere ermöglichte. Sorten wie das "Goldblondchen", der Weizenbock namens "Ladykiller", das mit Rauchmalz gesottene "Scotty" und natürlich das Bergkirchweihbier sind längst bei einem Publikum eingeführt, das im Laufe der Jahre immer stärker wuchs und heute für vollen Biergarten und Gasträume sorgt.

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Die Steinbach-Brauerei in Erlangen

Die 1995 gegründete Steinbach-Bräu hat sich zum eigenen Erstaunen in Erlangen zum Marktführer entwickelt. Hier ein Blick hinter die Kulissen der Brauerei.


Das Bergkirchweihbier 2020, noch vor Corona-Zeiten eingebraut, führte im Steinbach-Bräu auch zu einem Wortbruch. "Bier in Flaschen wird es bei uns niemals geben", sagte Senior-Chef Dieter Gewalt stets, "Flaschenbier war das Gebot der Stunde", befand Sohn Christoph, als die Restriktionen durch die Virus-Pandemie den Bierabsatz jäh stoppten: Bergkirchweih – ausgefallen, Biergarten und Gaststätte – geschlossen, Bierabsatz nur noch als Rinnsal aus den Zapfhähnen für Selbstabholer.

Ein Verkaufsschlager

Die Zusammenarbeit mit einem Hallerndorfer Abfüller mit Bergkirchweihbier in eigenen Flaschen und Kästen erwies sich dann aber nicht nur als Ausweg, sondern als Verkaufsschlager. Die Bierfans standen Schlange, obwohl das Bier vergleichsweise teuer war. Dass es für die Brauerei zu einer schrägen Kalkulation wurde – das Flaschenbier war trotz höheren Aufwands preiswerter als das Bier am Ausschank oder im 5-Liter-Fässchen – ist Christoph Gewalt bewusst, "aber wir werden das Flaschenbier schon wegen der erheblichen Investitionskosten beibehalten."

Auch Braumeister Michael Wenk sorgt für die Steinbachschen Gaumenfreuden.

21.08.2020 © Foto: Harald Sippel


Zu den Selbstverpflichtungen des Hauses gehörte von Anfang an auch die Ausbildung des Brauernachwuchses. Rund 20 Jung-Brauer sind durch das Haus gegangen (erstmals auch eine Brauerin), zahlreiche Landes- und Bundespreise gab es für die Qualität der Auszubildenden und damit der Ausbildung selbst.

Dass Familie im Hause Gewalt groß geschrieben wird, dafür sorgen nicht zuletzt die von den Störchen mehrfach gezwickten Frauen, die – alle vom Fach – die Betriebsabläufe unterstützen. Und einen potenziellen Nachfolger gibt es auch – Christophs Sohn Florian. "Aber der wird zu nichts gedrängt", sagt der Vater, "der muss das schon selbst entscheiden." Falls der einmal eine erfolgreiche Brauerei übernehmen wollte, würde er wohl kaum eine bessere Wahl treffen können.

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PETER MILLIAN

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