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Corona: Hausärzte-Chef aus Erlangen warnt vor Leichtsinn

Von der "Fokusregion" zur kontrollierten Lage: Doch vorbei ist es noch nicht - 29.03.2020 14:00 Uhr

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Corona-Krise: Das Foto-Tagebuch aus Erlangen

Die einzige derzeit mögliche Maßnahme, Corona-Virus-Infektionen zu vermeiden, geht nur über die Vermeidung persönlicher Kontakte. Die Folge: Das Alltagsleben in Erlangen wurde "runtergefahren". Seit den ersten Lockerungen nach den Osterferien fährt die Staatsregierung das öffentliche Leben sukzessive wieder hoch. Fotograf Harald Sippel zeigt die Situation in einem Bilder-Tagebuch.


Laut Robert-Koch-Institut könne man in der Stadt gegenwärtig "keine überdurchschnittliche Entwicklung" feststellen, sagte Beier im Gespräch mit diesem Medienhaus, "aber wir dürfen nicht leichtsinnig werden." Zu Beginn der Corona-Welle sei Erlangen "mal eine Fokusregion" gewesen, sagte Beier weiter – und erinnerte damit an einen der ersten in Franken bekannt gewordenen Fälle.



Ende Februar hatten Berichte über einen am Coronavirus erkrankten Hautarzt des Universitätsklinikums für Aufsehen gesorgt. Der Oberarzt    wurde nach einem stationären Aufenthalt auf einer Isolierstation Mitte März aus der Uniklinik entlassen. Dem ersten Fall ist aber kein dramatischer Anstieg weiterer Patienten gefolgt, im Vergleich etwa zu München steht die Hugenottenstadt relativ gut dar. Dennoch appelliert der Ärztefunktionär an alle, sich jetzt "dringend weiterhin an alle Schutzmaßnahmen zu halten."

Beier, der in Erlangen selbst als Facharzt für Allgemeinmedizin und Innere Medizin praktiziert, rechnet freilich mit einem weiteren Anstieg der Fälle. Deswegen sei es in den Arztpraxen nötig, einen Patienten mit Fieber und Husten zunächst so zu behandeln, als habe er Corona. Habe er dann keine  schweren Symptome, sondern leichte, "würde man unbedingt eine Quarantäne von zwei Wochen empfehlen, ohne dass jetzt groß eine Behandlung nötig sein wird." Telefonischer Kontakt reiche aus, das schone Ressourcen und trage dazu bei, weitere Ansteckung zu vermeiden.

Der Erlanger Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. Markus Beier (49) ist seit 2018 Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes. Zudem ist er unter anderem Mitglied der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und Delegierter der Bayerischen Landesärztekammer. Der gebürtige Nürnberger studierte Humanmedizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Universität Wien. Beier ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. © Archivfoto: Peter Roggenthin


Der 49-Jährige erwartet zudem, dass er und seine  Kolleginnen und Kollegen wegen der Zunahme der Covid-19-Fälle mit größeren Problemen rechnen müssen, die aber bei guter Organisation lösbar seien. Eindringlich  warnt der Facharzt vor Praxisbesuchen, die  nicht wirklich nötig sind. Dazu zählten unter anderem "reine Routine-Kontrollen" etwa von Schilddrüsen- oder Cholesterinwerten. Auch Rezepte würden übermittelt. Patienten, die unter akuten Schmerzen oder gar Luftnot aus Nicht-Infekt-Gründen leiden, würden aber nach wie vor in die Praxen gelassen.

In seiner eigenen Praxis in Erlangen handhabe er das so, "dass wir möglichst viel per Telefon machen" und, wenn es im äußersten Einzelfall Schwierigkeiten gebe,  auch mal durch einen  Hausbesuch. Wichtig sei dabei auch, die noch vorhandene Schutzkleidung zu sparen. Denn da herrsche immer noch Knappheit.

Wie sich die Patientenzahlen entwickeln, kann Beier noch nicht abschätzen. Seine Kollegen und er versuchten, die Arbeitskapazitäten so zu verteilen, dass Praxen möglichst lange offen bleiben können. So arbeiteten Praxen schon mit geteilten Teams: "Es hat auch niemand etwas davon, wenn wir als Praxis in Quarantäne müssen."


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Auf Vermutungen angesprochen, dass  angeblich wegen des Virus schon einige Praxen in Erlangen geschlossen werden mussten, betonte Beier, es gebe einen Fall von Corona-bedingter Schließung. Andere Kollegen aber hätten aus anderen Gründen kurzzeitig zu gemacht, etwa wegen Wartungsarbeiten. Das habe manchem Gerücht Auftrieb gegeben.

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Beim Thema Schutzkleidung setzt Beier auf Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und ihre versprochenen Material-Lieferungen. Noch am Montag, 23. März, hatte es laut Beier im Freistaat "manche Praxen" gegeben, die gar keine Schutzkleidung hätten. Um die Ansteckungsgefahr von Patienten bei niedergelassenen Hausärzten zu verringern und insbesondere chronisch Kranke zu schützen, soll die persönliche Versorgung von Kranken in den Praxen auf ein Minimum reduziert werden.

Doch wird  damit die Versorgung  eingeschränkt? Beier beruhigt. "Die Versorgung wird dadurch nicht eingeschränkt", sagte der Ärztefunktionär, "sondern sie wird den Erfordernissen der jetzigen Situation angepasst." Infekt-Patienten sollten ja schon jetzt keine Ambulanz oder Praxis mehr aufsuchen, sondern mit dem Arzt zunächst telefonisch Kontakt aufnehmen. Wenn notwendig, werde dann "im Einzelfall" ein Hausbesuch.


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