Denkmalprämierung 2020: Das sind die Preisträger aus der Stadt Erlangen

18.3.2020, 18:19 Uhr
Nach der Brandkatastrophe 1706, der weite Teile der mittelalterlichen Altstadt Erlangens zum Opfer fielen, folgte der Wiederaufbau nach dem Vorbild der Erlanger Neustadt, einer nach verbindlichen Gestaltungsprinzipien angelegten barocken Gründung. In der heutigen Schulstraße 12, die aufgrund ihrer Lage bis ins 19. Jahrhundert noch als Stadtmauergässchen bezeichnet wurde, steht ein klassisches Beispiel für den Typus des sog. Erlanger Einheitshauses. Das mit der Traufseite zur Straße gewandte Bürgerhaus entstand vermutlich um 1720. Das sandsteinsichtige Erdgeschoss mit einem verputzten Fachwerkobergeschoss ist durch geohrte Tür- und Fensterrahmung, Ecklisenen sowie weitere Elemente zurückhaltend architektonisch gegliedert.
Auch wenn es von außen nicht so wirkte, war das Haus doch sehr renovierungsbedürftig geworden. Es war abgewohnt, der erhaltene bauzeitliche Bestand überformt und die Haustechnik veraltet. Text: Anke Schlecht
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Erlangen, Schulstraße 12

© Julia Krieger

Die neuen Eigentümer initiierten eine grundlegende Instandsetzung des Gebäudes. Den bislang unausgebauten Dachstuhl hat man repariert, mehrere Gauben eingesetzt und das Dach neu gedeckt, um ihn nutzen zu können. Auch die Fassade wurde überarbeitet. Den Sandstein hat man instandgesetzt und das verputzte Obergeschoss neu gefasst. Außerdem ersetzen neue Sprossen- die alten Doppelfenster, die Fensterläden sind bestandspassend erneuert. Im Hausinneren konnten die älteren Strukturen wieder sichtbar gemacht werden. Den für Erlanger Innenhöfe typischen, im frühen 20. Jahrhundert zugemauerten Laubengang hat man wieder herausgearbeitet und in ein offenes Wohnkonzept integriert. 
Alle Maßnahmen geschahen in steter Abstimmung mit den Denkmalbehörden, insbesondere bei der gelungenen Anpassung an den zeitgemäßen Wohnkomfort. Ein moderner Anbau im Hinterhof, der sich in der Kubatur an einem an dieser Stelle vormals befindlichen Schuppen orientiert, nimmt die Wohnküche und die Haustechnik auf, so dass die Struktur des historischen Hauptgebäudes dafür kaum beeinträchtigt werden musste.
Mit dieser bestandsgerechten und substanzschonenden Sanierung entstand ein originelles und überaus attraktives Neben- und Miteinander von Alt und Neu. Text: Anke Schlecht
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Erlangen, Schulstraße 12

© Julia Krieger

Erlangen ist geprägt durch seine Gründung als barocke Planstadt. An das dabei festgelegte Bauprinzip mit einheitlichen, traufseitigen und zweigeschossigen Häusern hielt man sich noch lange Zeit. Selbst die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenen Häuser rund um den Bohlenplatz, der damals noch am Stadtrand lag und wo viele Handwerker siedelten, orientieren sich in Variation an dieser Gestaltung.
In der Holzgartenstraße 3, einer Seitenstraße an der Südseite des Bohlenplatzes, fällt ein breitgelagertes Gebäude auf, das sich mit seiner Zweigeschossigkeit an das Erlanger Prinzip anzulehnen scheint, sich aber dann doch davon unterscheidet. Der zwar zweigeschossige, aber mit neun Fensterachsen ungewöhnlich breite Bau mit einer deutlichen Horizontalgliederung wird im Mittelteil von einer Giebelbekrönung akzentuiert. Diese ist nicht, wie man es in Erlangen erwarten würde, als Dreiecksgiebel oder als Zwerchhaus gestaltet, sondern als flacher, getreppter Aufsatz und von einer Kugel bekrönt. Sein charakteristisches Erscheinungsbild geht auf Umbauten in den 1920er-Jahren zurück. Entstanden war das ehemalige Werkstattgebäude, in dem eine Ledergerberei untergebracht war, bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Anschließend ist es mehrfach umgebaut worden. 
Immer wieder hatte man das Gebäude an die jeweilige Nutzung angepasst. So wurden z. B. die Fenster im Erdgeschoss zu Schaufenstern erweitert, andere mit Glasbausteinen zugesetzt und das Innere des Baus soweit verändert, dass vom ursprünglichen Bestand nichts mehr blieb. 
Eine Gesamtsanierung 2018 behob alle störenden Überformungen an der Fassade, wobei man die Baugestalt der 1920er-Jahre als Referenz wählte. Der aus dieser Zeit stammende Putz konnte gesichert werden. Ein einheitlicher Anstrich fasst jetzt die beiden Geschosse, die zuvor farblich getrennt waren, wieder zusammen. Alle Fassadenelemente sind aufgearbeitet oder passend ersetzt. Statt Kunststofffenster sind jetzt hochwertige Eichenholzfenster bzw. –türen verbaut.
Die Fassade wirkt nun einerseits wieder harmonischer, andererseits wird dennoch ihre ungewöhnliche Gestaltung diskret unterstrichen. Der (noch) etwas vernachlässigte Straßenzug im Altstadtensemble gewinnt dadurch sehr. Text: Anke Schlecht
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Erlangen, Holzgartenstraße 3: Fassade

© Julia Krieger

Im historischen Ortskern von Bruck – das sich von einem Dorf über einen Arbeitervorort zu einem längst eingemeindeten Stadtteil im Süden von Erlangen entwickelte – lassen die erhaltenen Wirts- und Bauernhäuser sowie die dazugehörigen Scheunen aus dem 17. und 18. Jahrhundert noch die alte Dorfstruktur erkennen. Zum Straßenbild gehören hier auch einige Sandsteinquadermauern aus dieser Zeit, die Grundstücke und Gärten begrenzen. 
Nahe der Fürther Straße läuft entlang der heutigen Friedhofstraße eine solche Sandsteinquadermauer, die ursprünglich zum benachbarten Bauernhof bzw. zu der angrenzenden Scheune gehörte. Durch die kleine Pforte mit einem Schmuckaufsatz, dessen verwitterte Inschrift sich kaum mehr entziffern lässt, gelangt man auf das Wiesengrundstück, das heute von einem nahen Kindergarten genutzt wird. Text: Anke Schlecht
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Erlangen-Bruck, Friedhofstraße: Sandsteinmauer

© Julia Krieger

Im Rahmen einer Sicherheitsbegehung hatte man die Mauer näher untersucht und dabei statische Mängel festgestellt. Zum Schadensbild gehörten offene Fugen und Fehlstellen durch starke Absandung. In der Vergangenheit waren außerdem unsachgemäße und teils großflächige Reparaturen mit Zement durchgeführt worden, was durch die Reaktion mit dem Sandstein weitere Schäden zur Folge hatte. 
Die Eigentümerin der Mauer sorgte für eine Behebung der Schäden und veranlasste eine fachgerechte Restaurierung. Zunächst wurde der Pflanzenbewuchs entfernt und zur Prävention eine Wurzelschutzbahn eingebaut. Nach der Sicherung der Standfestigkeit der Mauer hat man den sandsteinschädigenden Zement abgetragen, danach den porösen Naturstein zurückgearbeitet, gereinigt, steinmetzmäßig repariert und neu aufgebaut. Die weniger angegriffenen Partien der Steinquader wurden ebenfalls gereinigt und mit Restaurierungsmörtel ergänzt. Für das anstelle der verwitterten Holztür eingesetzte Tor fanden die aufgearbeiteten historischen Beschläge Wiederverwendung. 
Die zwar kleine, aber feine und absolut bestandsgerecht durchgeführte Maßnahme sichert die Sandsteinmauer langfristig. Viel Aufwand für eine kleine Mauer, die aber für das Umgebungsbild des ehemaligen Dorfes Bruck doch eine prägende Rolle spielt und viel von der Vergangenheit erzählen kann. Text: Anke Schlecht
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Erlangen-Bruck, Friedhofstraße: Sandsteinmauer

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