Der Beatles-Bass aus Bubenreuth feiert Jubiläum

4.4.2016, 12:00 Uhr

© Karl Höfner GmbH & Co. KG

Dabei fristete das Höfner-Instrument zunächst ein wenig spektakuläres Dasein. Unscheinbar stand es während der Internationalen Musikmesse in Frankfurt 1956 in der Ecke des Messestandes. Den Bass wollte damals keiner haben, erinnert sich Gerhilde Benker, Tochter des Erfinders Walter Höfner, obwohl die Bubenreuther gerade auf einer Welle des Erfolgs schwammen.

Der Beat-Boom hatte seit Anfang der 1950er-Jahre den Siegeszug der Schlaggitarre eingeleitet. In Bubenreuth kam man der Nachfrage nach dem angesagten Zupfinstrument kaum mehr nach. Ständig wurden von Walter Höfner neue Modelle entwickelt, eigene Tonabnehmer kreiert und bald auch elektrische Brett-Gitarren hergestellt. Und so entwickelte Walter Höfner auch ein handliches Pendant für den Bassisten in Form einer gambenförmigen Bassgitarre.

Traditionell spielte neben den USA das Vereinigte Königreich als Absatzmarkt für Musikinstrumente aus Mitteleuropa eine große Rolle. Auf den britischen Inseln hatten Bubenreuther Musikinstrumente einen besonders guten Klang und sorgten jetzt für den nötigen Sound für Skiffle- und Beat-Bands.

Zahlreiche englische Musiker dieser Jahre spielten auf Framus, Hoyer, Klira oder Höfner. Ob Shadows, Kinks oder Stones – alle unternahmen sie ihre ersten Gehversuche in der Musikwelt hin zum Erfolg auf Instrumenten aus Franken. Auch die Beatles bildeten keine Ausnahme, die zahlreiche Bubenreuther Gitarren im Gepäck hatten, als sie nach Hamburg kamen.

Dennoch: Der Höfner-Bass 500/1 blieb ein Ladenhüter und war etwa im Katalog des englischen Vertriebspartners Selmer überhaupt nicht zu finden. Das änderte sich erst mit dem Erfolg der Pilzköpfe aus Liverpool. Denn 1961 verguckte sich Paul McCartney in einem Hamburger Musikhaus in die Schönheit aus Franken. Seither spielte er mehrere Modelle des gambenförmigen Basses mit dem elektrischen Herzen.

Mit dem kometenhaften Aufstieg der Band kam schlagartig eine ungeahnte Nachfrageflut nach dem Bass auf die Firma Karl Höfner zu. Mehr noch: Die Beatlemania machte das Instrument über Jahrzehnte hinweg zum Selbstläufer und Longseller. Der Beatles-Bass genießt selbst nach mehr als 50 Jahren ein hohes Ansehen und wird seit dieser Zeit ununterbrochen bei Höfner gefertigt: Die Produktion erreichte ihren „Höhepunkt natürlich zur Zeit der Beatles, lief aber auch in den 1980er-Jahren noch in Stückzahlen von einigen hundert Stück pro Jahr“, so Christian Benker, Walter Höfners Schwiegersohn.

Als Paul McCartney 1995 wieder auf Tournee ging, schnellten die Bestellungen von 600 auf 1000 Stück jährlich hoch.

Dank der Neuauflage von Vintage-Modellen in den 2000er-Jahren liegen die Produktionszahlen sogar bei bis zu 1500 Bässen pro Jahr. Im Jubiläumsjahr 2016 gibt es außerdem eine auf 60 Stück limitierte Sonderedition des 500/1, dessen Decke ein Motiv ziert, das Klaus Voormann gestaltet hat.

Vorgestellt wird das Jubilee-Modell – wie sollte es anders sein – auf der Internationalen Frankfurter Musikmesse, die am 7. April beginnt.

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