Aufgebrachter Künstler

Dieter Erhard ist sauer auf die Stadt Erlangen

28.8.2021, 14:30 Uhr
Eine Ausstellung mitten im Wasser: Dieter Erhards Meerjungfrau

Eine Ausstellung mitten im Wasser: Dieter Erhards Meerjungfrau "Marilyn" und das Flugzeug "Legend" im Kleingründlacher Schwemmweiher. © Harald Hofmann, NN

Dieter Erhard ist sauer. Ziemlich. Immer noch. Der in Nürnberg geborene Künstler, der in seinem Wohnort Tennenlohe die Fiesta de Arte und den Skulpturenpark initiierte und organisierte, der in Erlangen Projekte mit Schülern umsetzte und auch international, in Texas und Lateinamerika, Kunstaktionen auf den Weg bringt und damit auch karitatives Engagement zeigt, hatte eine Idee respektive Vision.

Zu seinem 60. Geburtstag im Juni diesen Jahres wollte er sich und der Stadt ein Geschenk machen – nämlich eine öffentliche, corona-konforme Freiluft-Ausstellung, mit seinen großen, andernorts bereits mehrfach ausgestellten und ausgezeichneten Skulpturen und Plastiken.

Der Drache

Der Drache "Waldemar" scheint die Meerjungfrau (hinten links) zu beschützen. © Harald Hofmann, NN

Zwar wurde der erste Plan im Frühjahr 2020 – nach einem Vorschlag von Herbert Kurz, Leiter des Kunstmuseums Erlangen –, die übergroßen Figuren eben aufgrund ihrer Größe neben die Heinrich-Kirchner-Skulpturen im Burgberggarten zu platzieren, von Amely Deiss, der Leiterin des Kunstpalais, abgelehnt.

Aber es ließ sich dann doch ganz gut an: Der Ohmplatz, an dem von Dieter Erhard bereits mehrere Insektenhotels aufgestellt worden waren, sollte es nun sein.

Bitter beklagt

Erhard, der sich bitter darüber beklagt, dass sich die Stadt Erlangen 30 Jahre lang nicht wirklich für sein Schaffen interessiert hat, machte sich ans Werk und plante. Vor allem rechnete er, denn von städtischer Seite kam – nichts. „Das ist eine privatrechtliche Veranstaltung auf eigene Haftung“, hieß es seitens der Stadt, so Erhard.

Und noch ein echter Erhard: Der Paradiesvogel im überdimensionalen Würfel.

Und noch ein echter Erhard: Der Paradiesvogel im überdimensionalen Würfel. © Harald Hofmann, NN

Für die sechs Quadratmeter Stellfläche rund um den Brunnen am Ohmplatz wollte die Stadt für die angedachten drei Monate Ausstellungsdauer rund 4800 Euro Platzmiete. Dieter Erhard hätte bezahlt, wie er auch sämtliche Planungskosten bezahlt hat und auch die errechneten Gesamtkosten in Höhe von 14000 Euro aus eigener Tasche beglichen hätte.

Durchaus Wohlwollen

Hätte. Aber es kam anders. Die Sache war schon ziemlich weit gediehen und es gab auch durchaus Wohlwollen in Form einer Kostenbeihilfe seitens des Kulturamts und des Amts für Soziokultur, als es zu einer massiven Planungsstörung kam.

Erhard wollte seine sechs Meter hohe Meerjungfrau „Marilyn“ direkt auf den Ohmplatz-Brunnen stellen, „eine Meerjungfrau muss ja direkt am Wasser sein.“ Doch die Stadt verlangte als Voraussetzung für dieses Ansinnen, dass ein Gestell über den Brunnen gebaut oder ein Wind- und Last-Gutachten erstellt werde. Man habe die Befürchtung, dass der gerade erst runderneuerte Brunnen Schaden nähme.

Eingefordertes Gutachten

Das dann erstellte positive Gutachten führte aber nicht zum Okay, sondern seitens der Stadt zur neuen Aussage, man wolle in Erlangen doch generell keine Kunst auf Brunnen aufstellen lassen. Das eingeforderte Gutachten war also wertlos, die Kosten dafür übernahm wiederum Erhard.

Die „Marilyn“ neben dem Brunnen aufzubauen, kam für Erhard nicht in Frage. Die Lust zur Ausstellung in Erlangen war ihm vergangen. „Ich bin in Erlangen oft nur auf Ignoranz und Kleingeistigkeit gestoßen.“ Also: Der Vorhang ging Mitte Oktober zu, „ich sagte mir, dann gibt es halt keine Ausstellung“, so Erhard.

Ist auch mit von der Partie: die Edelstahl-Hexe.

Ist auch mit von der Partie: die Edelstahl-Hexe. © Harald Hofmann, NN

So weit, so schlecht. Dieter Erhard hatte die ganze Sache bereits abgehakt, gab zwischenzeitlich sein Fotobuch mit seinen Arbeiten heraus – und traf beim Spaziergang auf eine ehemalige Schulfreundin. Deren Familie hatte den Schwemmweiher in Kleingründlach gepachtet.

Reifende Idee

Der Nachbarort Großgründlach, Nürnbergs nördlichster Stadtteil, wollte gerade den 1000. Geburtstag feiern – und abermals begann eine Idee zu reifen: Man feiert mit und bereichert das Jubiläum mit einer Freiluft-Ausstellung – mitten auf dem Weiher, quasi eine private Ausstellung für die Öffentlichkeit auf privatem Grund.

Künstler Dieter Erhard präsentierte Anfang des Jahres sein Fotobuch mit seinen Arbeiten.

Künstler Dieter Erhard präsentierte Anfang des Jahres sein Fotobuch mit seinen Arbeiten. © Harald Sippel, NN

Und dann ging alles ganz schnell: Innerhalb von drei Tagen war die Genehmigung da, der Bund Naturschutz wurde mit eingebunden, die Untere Naturschutzbehörde winkte mit wenigen Auflagen das Projekt durch und Nürnbergs Kulturbürgermeisterin Julia Lehner übernahm die Schirmherrschaft.

„Wofür Erlangen 18 Monate Vorlauf gebraucht hatte, schaffte Nürnberg in 14 Tagen“, sagt Erhard rückblickend. Die Wasserwacht Erlangen erledigte mit acht Leuten und mit der Hilfe Kleingründlacher Bewohner innerhalb eines Tages den Aufbau der Figuren im Weiher. Die VAG und der VGN warben und werben breit für die Ausstellung und in Zusammenarbeit mit dem Kulturladen Schloss Almoshof gibt es einen Fotowettbewerb und einen Kinderkunstwettbewerb mit vielen Preisen. Erhard ist begeistert von der guten Zusammenarbeit.

Dezent beleuchtet

Und also sind das Flugzeug „Legend“, die Meerjungfrau „Marilyn“ (aus deren Stahl-Brüsten auf Knopfdruck Wasser spritzt), der flügellose Drachen „Waldemar“, die Edelstahl-Hexe und der Paradiesvogel im überdimensionalen Würfel noch bis 30. September im Schwemmweiher öffentlich und kostenlos zu sehen. Abends für eine Stunde dezent beleuchtet, zog die Ausstellung bisher viele Besucher an.

„Okay, ich bin ein Sonderling“, sagt Dieter Erhard, aber er sagt auch, mit bösem Seitenblick auf Erlangen: „Ich bin froh, als echter Nämbercher in meiner Geburtsstadt unter Freunden zu sein.“

Weitere Infos zur Ausstellung und zu den Wettbewerben im Internet unter der Adresse www.dieter-erhard.com

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