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Dieter Nuhr predigt in Erlangen Optimismus

Waren die Zeiten früher besser? Der Kabarettist geht in der Ladeshalle auf Zeitreise - 22.05.2019 06:00 Uhr

Dieter Nuhr in der Ladeshalle.


Keine Zeit ist so schrecklich wie diese, angesichts kollabierender Umwelt, hirnloser Potentaten, unersättlicher Datenkraken und bester Freunde, die pausenlos über ihre Befindlichkeit lamentieren. Und die Zukunft? Das Futur ist zur "Fjutscher" degeneriert, von dem nur Schrecklichstes zu erwarten steht.

"Viele unserer Mitbürger sind nun mal Spacken und Trottel"

Diesem Weltbild hat Dieter Nuhr bei seinem Auftritt in der Ladeshalle den Kampf angesagt. Seine kühne These: Nie waren die Lebensumstände so gut wie heute. Wir wissen es nur nicht zu schätzen. An Argumenten mangelt es ihm wahrhaftig nicht. Etwa beim Traum vom Fliegen. Jahrhundertelang starrte der Mensch den Vöglein nach, wollte es ihnen gleichtun und erlebte eine Bruchlandung nach der anderen. Heute fliegen Millionen von Urlaubern auf die andere Seite der Welt. Aber ist da Begeisterung zu spüren? Nein, man lamentiert, weil man den billigsten Preis knapp verpasst hat!

Ja, da ist was dran. Schon Tolstoi hatte sich im 19. Jahrhundert über die ewige Unzufriedenheit des Menschen die Haare gerauft und Weltliteratur verfasst. Im 21. Jahrhundert langt es immer noch für einen spaßigen Kabarettabend.

Doch zurück zur "Fjutscher". Früher, in den weltuntergangsdepressiven 80ern, stand ein "No" vor dem Horrorbegriff. Damals auch hatte sich Nuhr fürs Lehramt eingeschrieben. "Wenn schon keine Zukunft, dann wenigstens nachmittags frei", war seine Überlegung. Bekanntlich kam es anders: "Man studiert auf Lehramt, am Ende ist man Komiker. Und die meisten merken den Unterschied nicht einmal."

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Wird der Lehrer zur Witzfigur, so wird der Komiker zum Prediger, oder besser gesagt: zum Aufklärer. So lamentiert Nuhr nicht lange über die Aggressivität, die im Internet und auf offener Straße herrscht, sondern empfiehlt sogleich das Gegenrezept: "Viele unserer Mitbürger sind nun mal Spacken und Trottel, darum braucht man den Kompromiss. Kompromisse sind deswegen da, weil es zu viele Menschen gibt."

Zwischen den Klippen der Kompromisslosigkeit und der Notwendigkeit, Übereinbarungen zu treffen, segelt Nuhr sein zerbrechliches Argumentationsschiffchen über die Wogen des Aufruhrs und den tradierten Kulturpessimismus von Links wie Rechts. Dabei manövriert er geschickt und en passant von einem Reizthema zum nächsten. Von der Genderdebatte ("Ich bin in der Lage, mein Geschlecht zu wechseln, zum Beispiel wenn ich vor einem Frauenparkplatz stehe") über die Unbegreiflichkeit des Universums bis zur totalen Gleichberechtigung.

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Zu den Unausweichlichkeiten des Lebens gehört, dass man ziemlich oft auf die Nase fällt, bis man den aufrechten Gang erlernt hat. Ebendies verhindern überbesorgte Eltern: "Fette Mütter und fette Väter auf dem Spielplatz mästen ihre fetten Kinder, bis sie breiter sind als hoch, damit sie bloß nicht umfallen. Darum auch gibt es dort Tartan-Matten, damit so ein fettes Kind beim Herunterfallen keinen Krater reißt."

In den Krieg, ins Mittelalter, zum Idealbild vom braven Ackersmann

Waren die Zeiten früher besser? Nuhr geht auf Zeitreise, zurück in die Siebziger, in die Sechziger, in den Krieg, ins Mittelalter, zum Idealbild vom braven Ackersmann, der mit dem Gaul seine Scholle umpflügt – und vorzeitig stirbt, etwa an einem eiternden Weisheitszahn, oder schlichtweg vor Hunger. "Die Welt war nie besser als heute", bilanziert Dieter Nuhr. "Das ist für viele ein harter Schlag."

REINHARD KALB

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