Digitale Bergkirchweih-Alternative: So lief der Start

20.5.2021, 20:12 Uhr
Herz, Gefühl, Leidenschaft und Liebe: „Wulli&Sonja“ eröffneten den kleinen, digitalen Kunst-Berg aus dem Hof des Stadtmuseums.

Herz, Gefühl, Leidenschaft und Liebe: „Wulli&Sonja“ eröffneten den kleinen, digitalen Kunst-Berg aus dem Hof des Stadtmuseums.

Laut, schrill, bunt und voller Menschen. So kennt man die Erlanger Bergkirchweih. Voller Farben das Riesenrad, in der Luft der Duft von Mandeln, Hähnchen und Bier. Die Gesichter der Menschen voller Glück und Freude. Im Ohr Musik, Stimmengewirr, Jubel, Gesang. Als am Donnerstag um kurz vor 18 Uhr ein Techniker im Hof des Stadtmuseums die kleine Bergkirchweih-Alternative fürs Internet einzählt, ist es dagegen mucksmäuschen still. Die Kirchweih selbst, die sucht man vergebens in diesem Jahr. Die Corona-Pandemie hat zur zweiten Absage nach 2020 gezwungen.

Rund um den Bürgermeistersteg hat sich trotzdem eine Handvoll Jugendliche in Dirndl und Lederhosen verirrt. Sie wirken verloren an diesem Tag, der sonst immer einer ihrer größten ist. Oben, auf dem Burgberg, wo sonst der Teufel los ist, patrouliert ein Sicherheitsdienst. Die Baustellen-Bänder an den Biertischen haben sie durch massive Bauzäune ersetzt. "Das ist für die, die es vielleicht doch nicht verstanden haben", sagt Florian Janik, der Oberbürgermeister.

In Sichtweite, wo sonst das Riesenrad steht

Die Bergkirchweih-Alternative, sie läuft über www.derbergruht.de im Internet. In Sichtweite von dem Ort, wo sich sonst elf Tage im Mai das Riesenrad dreht. "Ich bin ja selbst ein großer Fan", sagt der Oberbürgermeister, auch er ist gekommen in den Hof des Stadtmuseums, wie sein Bergreferent Konrad Beugel. "Ganz ohne Berg, da fehlt mir was", sagt Janik. Umso größer sei daher die Freude über "die tolle Initiative der eingefleischten Bergkenner, dass die sowas auf die Beine gestellt haben".

"Der Berg ruht – wir nicht", heißt das Motto des Liedermacher-Duos Thomas Wullschläger und Sonja Tonn mit ihrem Marketer Ulf Thaler. Den ersten Bergtag und am Montag, 31. Mai, am sonst immer letzten Bergtag mit Taschentuch und "Lili Marleen", werden sie von hier aus versuchen, die besondere Bergkirchweih-Atmosphäre in die Wohnzimmer zu streamen.

Digitaler Kunst-Berg mit 27 Künstlern

Dass dieser digitale Kunst-Berg, für den 27 Künstler Musik und Beiträge liefern, die sonst als fester Bestandteil der echten Bergkirchweih gelten, dann auf andere Weise schön wird, dafür sorgen "Wulli&Sonja" gleich zu Beginn. "Mir fehlt das so, das glaubst du nicht – hab’ den Berg so lieb", singt Sonja Tonn auf der kleinen Bühne und schließt gemeinsam mit Thomas Wullschläger die Augen. Herz, Gefühl, Leidenschaft, Liebe – auch das ist die Bergkirchweih. Ein bisschen kitschig auch wie das Riesenrad bei Nacht, aber so viel mehr als nur laut und schrill und voll.

Tränen in den Augen, sagt der OB nach der Ballade nicht mal übertrieben, habe er nun. "Ja, das ging mir ans Herz." Christoph Gewalt von der Steinbach Brauerei, der sonst in diesen Tagen Hektoliter auf den Burgberg schafft, hat ein einzelnes Fass mitgebracht. Zwei Schläge braucht der Oberbürgermeister, bis der "Trosttropfen", wie ihn Gewalt nennt, fließt. Die erste Freimaß, die Janik über die imaginäre Brüstung reicht, schnappt sich Thomas Wullschläger.

"Auf einen ruhigen Berg"

Die Idee für „Der Berg ruht – wir nicht“ stammt vor allem von Ulf Thaler (ganz li.), auch Kabarettist und „Berg-Original“ Klaus-Karl Kraus (ganz re.) ist dabei.

Die Idee für „Der Berg ruht – wir nicht“ stammt vor allem von Ulf Thaler (ganz li.), auch Kabarettist und „Berg-Original“ Klaus-Karl Kraus (ganz re.) ist dabei. © Foto: Harald Sippel

"Auf einen ruhigen Berg", lautet der Trinkspruch des Oberbürgermeisters – es ist natürlich auch witzig gemeint, doch zum Lachen ist kaum jemandem zu Mute. Zu tief ging Sonja Tonns eindrucksvolle Stimme zuvor ins Ohr, noch immer hängen sie dort irgendwie fest, die Zeilen: "Wie vermiss’ ich die Farben", sang sie so schön, "das Treiben, die Musik. Doch wir lassen den Kopf nicht hängen, den Krug nicht liegen und zählen schon die Tage bis zum Bergfest nächtes Jahr, wenn wir schunkeln Hand in Hand, so wie es immer war."

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