Ergänzung zur StUB: Kommt die Aurachtalbahn zurück?

13.5.2021, 10:53 Uhr
Die Gleise der Aurachtalbahn liegen zum Teil wie hier neben dem Schaeffler-Gelände an der Stadtgrenze noch im Boden. Andernorts sind sie zurückgebaut.

Die Gleise der Aurachtalbahn liegen zum Teil wie hier neben dem Schaeffler-Gelände an der Stadtgrenze noch im Boden. Andernorts sind sie zurückgebaut. © Hans von Draminski

Diese Frage treibt nicht nur in Herzogenaurach seit Jahren jene um, die in der einstigen Nebenbahn-Trasse von Erlangen-Bruck nach Herzogenaurach die "bessere StUB" sehen.

Nebenbahn wurde 1894 eröffnet

Zur Geschichte der Aurachtalbahn: Die am 16. April 1894 eröffnete Nebenbahn war eingleisig und zweigte südlich des Bahnhofs Erlangen-Bruck von der Hauptstrecke Nürnberg–Bamberg ab. Als 1967 das Großkraftwerk eröffnet wurde, wurde der Schienen-Oberbau für die schweren Kohlenzüge zum Kraftwerk erheblich verstärkt, ein Teil der Strecke elektrifiziert. Alle Personenzüge verkehrten zwischen Herzogenaurach und dem Erlanger Bahnhof.

Übergang zu Adidas

Direkt hinter der Haltetafel im Bahnhof Herzogenaurach ging die Strecke in das Werksanschlussgleis von Adidas über. 1971 wurde ein Anschlussgleis von Frauenaurach zum Main-Donau-Kanal gebaut. 1963 fuhren 14 Zugpaare. Am 28. September 1984 endete der Personenverkehr, ab und an waren noch Schulsonderzüge des Gymnasiums Herzogenaurach und Sonderzüge zu Ausflügen der Stadt auf der Strecke unterwegs. Der Güterverkehr zwischen Frauenaurach und Herzogenaurach wurde am 25. September 1994 eingestellt, der Streckenabschnitt am 28. Mai 1995 stillgelegt.

"Endstück" wird befahren

Das "Endstück" von Frauenaurach nach Bruck wird  befahren – vom "Müllzug" des Zweckverbands Abfallwirtschaft, der Müll von der Umladestation am Europakanal zur Verbrennung nach Bamberg und Coburg transportiert.. Die Güterzüge fahren ab Frauenaurach 2,43 Kilometer bis zur Müllumladeanlage an der Lände Erlangen. Die weiteren Anschlüsse sind stillgelegt.

Gleise liegen noch

Wer entlang des heutigen Aurachtal-Radwegs von Herzogenaurach aus auf Spurensuche geht, findet die Gleise der Aurachtalbahn auf vielen Kilometern noch vor. Bei Straßenübergängen, auch im benachbarten Schaeffler-Werk, wurden die Schienen allerdings entfernt. Der Bahnhof Herzogenaurach ist längst abgerissen, der Haltepunkt Niederndorf wie die Gleise völlig überwuchert. Im städtischen Planungs- und Umweltausschuss stellte sich nun Michael Roggenkamp vom Planungsbüro "ederlog" aus Erndtebrück in Nordrhein-Westfalen vor. Mit insgesamt vier Mitarbeitern will das Fachbüro, dem der Auftrag am 1. April dieses Jahres erteilt wurde, bis Ende September eine Machbarkeitsstudie erstellen.

Team vor Ort

Michael Roggenkamp vom Büro „ederlog“ erstellt die Machbarkeitsstudie.

Michael Roggenkamp vom Büro „ederlog“ erstellt die Machbarkeitsstudie. © Hans von Draminski

Dazu war das "ederlog"-Team in den vergangenen Tagen in Herzogenaurach vor Ort, radelte laut Michael Roggenkamp auch die Aurachtalbahn-Trasse ab und verschaffte sich ein erstes Bild. Mit Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen kennt man sich bei „ederlog“ aus, die Referenzliste der Auftraggeber – staatlich, kommunal und privatwirtschaftlich – ist lang und es finden sich darunter renommierte Namen wie die Europäische Kommission, diverse Verkehrsverbünde und der Landkreis Marburg-Biedenkopf. Innerhalb von elf Jahren habe man um die 60 Projekte in Deutschland und Europa gestemmt.

Anderes Betriebskonzept

Roggenkamp wies darauf hin, dass das Betriebskonzept einer reaktivierten Aurachtalbahn ein völlig anderes als jenes der Vorgängerin sein könnte. Grünen-Stadträtin Retta Müller-Schimmel zitierte darauf den Slogan "Güter zurück auf die Schiene", was der Planer nicht von der Hand weisen wollte. Auf die Ergebnisse der Studie darf man gespannt sein.

 

 

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