Erlangen: Besseres W-Lan gibt es jetzt vom Rathaus-Dach

30.11.2020, 17:56 Uhr
Vo Dach des Erlanger Rathauses aus wird jetzt über Richtfunk das Signal aus Nürnberg aufgenommen.

© Günter Distler, NN Vo Dach des Erlanger Rathauses aus wird jetzt über Richtfunk das Signal aus Nürnberg aufgenommen.

Darum gekümmert haben sich die beiden Erlanger Freifunker Sebastian Beck und Martin Jahn mit Unterstützung der Stadt. "Wir haben die Hardware bekommen und Masten für unsere Technik wurden aufgestellt. Die Zusammenarbeit mit der Stadt klappt wunderbar", sagt Beck.

Mit der Technik auf dem Rathausdach ist den Freifunkern ein Lückenschluss gelungen. Hier wird über Richtfunk das Signal aus Nürnberg aufgenommen. Beck: "Man muss sich das wie unsichtbare Kabel in der Luft vorstellen. Je mehr Kabel gezogen werden, desto engmaschiger wird das Netz."

Am Hugo und am Bahnhof freies W-Lan

Das aufgenommene Signal wird wiederum an andere höher gelegene Standorte in der Stadt abgegeben, an denen ebenfalls Schüsseln und Antennen angebracht wurden, etwa an die Neustädter Kirche. Das Signal wird quasi abgestrahlt und von vielen Routern in Geschäften und Privathaushalten aufgenommen und weitergegeben – so entsteht beispielsweise am Hugenottenplatz und am Hauptbahnhof das frei zugängliche W-Lan.

Martin Jahn (oben) und Sebastian Beck (unten) von Freifunk Erlangen bringen Schüsseln und Antennen auf dem Dach des Rathauses an.

Martin Jahn (oben) und Sebastian Beck (unten) von Freifunk Erlangen bringen Schüsseln und Antennen auf dem Dach des Rathauses an. © Foto: Marcel Staudt

Der Freifunk ist im besten Sinne eine Bürgerinitiative, die sich Anfang der 2000er Jahre in Berlin formierte und bald im ganzen Land auf Anklang stieß: Freifunker bezeichnen ihre lokale und regionalen Vereinigungen als "Communitys", also Gemeinschaften. Die zwei Mitglieder starke Erlanger Gruppe bildet mit Gleichgesinnten zwischen Nürnberg, Aschaffenburg und Hof eine Art Regionalverband, den Freifunk Franken. Es gibt keine Hierarchien oder Geschäftsführer, jeder Freifunker handelt in Eigenverantwortung und ehrenamtlich in seiner Freizeit.

"Unabhängige Vernetzung ist sehr wichtig"

Das idealistische Ziel: Menschen mit Internet versorgen, wo es kein Internet gibt, ob in den Straßen, auf den Plätzen, in Gasthäusern und Läden – und das alles kostenlos, frei und offen, ohne Einschränkungen, ohne Restriktionen, ohne Datenspeicherung und für alle nutzbar. Es geht aber nicht nur um freies Internet. "Freifunk Franken steht für viel mehr als das reine Bereitstellen von Zugangspunkten. Die dezentrale und unabhängige Vernetzung ist uns sehr wichtig. Mit Richtfunk ist es möglich, auch weit entfernte Standorte über mehrere Kilometer mit hohen Datenraten zu verbinden", sagt Beck.

In Erlangen gibt es das kostenlose W-Lan unter anderem auf dem Bahnhofsplatz, in der Fußgängerzone und auf dem Hugenottenplatz. "Deshalb sind die Bänke am Hugo auch so oft besetzt, weil die Leute wissen, dass sie hier Internet bekommen", sagt der 31-jährige Beck.

Router ab 25 Euro

Der Fachinformatiker für Systemintegration versteht sich als "Übersetzer zwischen den Welten", wie er sagt – er spricht die Sprache der Nerds, kann aber auch Laien erklären, wie sie bei dem Projekt mitmachen können: Freifunker werden kann jeder, auch ohne Internetanschluss. "Im simplen Konzept verbinden sich die Freifunk-Router automatisch über W-Lan untereinander, ergo kann man das Internet des Nachbarn mitbenutzen. Das fortgeschrittene Konzept ist eben dafür da, dass man über Richtfunk nicht zwingend einen eigenen Internetanschluss braucht", erklärt Beck.

Geeignete "Freifunk-Router" gibt es schon ab 25 Euro. Auf sie wird eine kostenlose Spezialsoftware installiert, die man auf freifunk-franken.de herunterladen kann. Die Einrichtung dauert etwa zehn Minuten. Der Router und der Strom, den das Gerät braucht, sind die anfallenden Mehrkosten – verschwindend gering also.

Keine Angst vor Zugriff auf das private Netzwerk

Ist zuletzt alles eingerichtet, muss man sich keine Sorgen machen, dass nun jeder, der vorbeikommt oder gegenüber wohnt, mit dem eigenen, privaten Internetanschluss Schindluder treiben kann – oder gar Zugriff auf die eigenen Geräte im privaten Netzwerk hat.

Der Freifunk-Router verbindet sich über den privaten Anschluss nicht direkt mit dem Internet, sondern erst mit einem Freifunk-Rechner (dem Server) in einem Rechenzentrum. Auf dem Weg dahin wird das Freifunk-Signal durch einen sogenannten VPN-Tunnel geleitet (VPN steht für "virtuelles privates Netzwerk"). Das heißt: Was durch den Tunnel läuft, ist vor fremden Zugriffen geschützt, abgekapselt vom privaten Datenverkehr.

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