Erlangen: Von der Kaserne zum Röthelheimpark

4.10.2014, 15:00 Uhr
So fing es an mit dem Röthelheimpark: Die Housing Area (l.) hatte sich die Stadt sehr schnell für die Gewobau gesichert, danach kamen die Siemens Med-Fabrik (rechte Mitte) und die ersten Siedlungsmodelle für bezahlbaren Wohnraum (daneben, unten Reihenhäuser).

So fing es an mit dem Röthelheimpark: Die Housing Area (l.) hatte sich die Stadt sehr schnell für die Gewobau gesichert, danach kamen die Siemens Med-Fabrik (rechte Mitte) und die ersten Siedlungsmodelle für bezahlbaren Wohnraum (daneben, unten Reihenhäuser). © Bernd Böhner

Das Thema des Symposiums in der Franconian International School (natürlich im Röthelheimpark) war eher leicht spröde: Die städtebauliche Umwidmung und Entwicklung frei gewordener Militärflächen als Chance, auf aktuelle Themen der Stadtentwicklung zu reagieren. An fünf Beispielen in Franken sollten Möglichkeiten dieser Konversion aufgezeigt werden, wobei zwei Umwandlungen – in Fürth und in Erlangen – bereits erfolgreich abgeschlossen wurden.

Siegfried Balleis, der den Verwandlungsprozess der einstigen Ferris Barracks vom Militärgelände zum Vorzeigestadtteil Röthelheimpark erst als Wirtschafts- und Liegenschaftsreferent der Stadt, später als deren Oberbürgermeister miterlebte, wurde von der Erinnerung an große Linien wie kleine Anekdoten förmlich mitgerissen und ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass in Erlangen alles „optimal gelaufen“ ist. Das begann schon damit, dass der Stadtrat bereits drei Wochen nach Bekanntgabe des Standortendes durch das US-Kommando in Heidelberg - die Erlanger US-Panzer waren da im ersten Irak-Krieg in die Wüste geschickt worden – das 136 Hektar große Gelände zwischen Gräfenberger, Kurt-Schumacher-, Staudt- und Hartmannstraße zum städtebaulichen Entwicklungsgebiet erklärte und damit jedem anderen Zugriff entzog.

Städtebaulicher Wettbewerb

An einem städtebaulichen Wettbewerb – nach etlichen Bürgerworkshops - beteiligten sich über 100 Architekturbüros aus ganz Deutschland, die im Wert „eingefrorenen“ Grundstücke mussten allerdings erst noch dem einer dem Bund gehörenden Immobilienfirma abgerungen werden. Nachdem die Stadt auch ein Vorkaufsrecht geltend gemacht hatte, gelang der Deal schließlich – der ehemalige CSU-Finanzminister Theo Waigel sah sich bei einem Besuch in Erlangen mit dem dringenden Wunsch konfrontiert – und gab schließlich „grünes Licht“.

Die Erfolgsstory Röthelheimpark mit der Stadt als Inhaberin wäre aber beinahe noch an trägen Erlanger Bauträgern gescheitert, die einfach nicht anbeißen wollten und der Stadt beinahe ein Zinsfiasko beschert hätten. Als aber erste Auswärtige mit dem Bauen anfingen, gab es kein Halten mehr – die letzten Grundstücksverkäufe hätte die Stadt auch als Boxkämpfe austragen können.

Dass doch nicht alles „optimal gelaufen“ ist, wollte Erlangen Stadtplaner Josef Weber nicht verschweigen: Die Anbindung des „Parks“ mit seiner verschobenen Verkehrsachse ist keineswegs gelungen, die eigentlich nicht geplante kleinteilige Bauweise „ein Ergebnis der Angst, den Park nicht voll zu bekommen“, wie Weber sagt. Statt 7000 wohnen knapp 5000 im neuen Stadtosten – offenbar aber ganz gut.

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