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Erlangen wagt das Einkaufs-Experiment in Coronazeiten

City-Manager Christian Frank befürchtet kein erhöhtes Corona-Risiko durch den verkaufsoffenen Sonntag in Erlangen. - 14.08.2020 06:00 Uhr

Verkaufsoffene Sonntage ziehen, wie auf unserem Bild zu sehen ist, meist viele Besucher in die Erlanger Innenstadt. In Corona-Zeiten wird bei der Veranstaltung am 23. August allerdings auf Attraktionen und ein buntes Rahmenprogramm verzichtet.

© Edgar Pfrogner


Generelle Bedenken gegenüber verkaufsoffenen Sonntagen kann der Geschäftsführer des Erlanger Tourismus- und Marketing-Vereins (ETM), Christian Frank, verstehen: "Moralisch kann man es kritisch sehen, ob man so etwas überhaupt braucht." Aber aus Corona-Gründen auf die Veranstaltung zu verzichten, hielte er für übertrieben. "Alle Händler müssen seit Wochen Hygienevorschriften beachten, das machen sie die ganze Woche über und das machen sie dann eben auch am Sonntag."

Die Besucher müssen in den Geschäften ja Schutzmasken tragen, egal ob es Dienstag oder Sonntag ist, sagt er. Außerdem würden sich gerade in Erlangen die Kunden beim Einkaufen überwiegend an alle Auflagen halten. "In manchen Städten ist das anders, wie es dort zum Teil aussieht, würde ich als grenzwertig bezeichnen", meint Frank.

Deshalb sorgt sich der City-Manager nicht, dass der verkaufsoffene Sonntag das Infektionsgeschehen forcieren könnte. Die Händler, berichtet Frank, hätten ebenfalls keine Angst davor, ihre Kunden oder sich selbst bei dieser Gelegenheit zu infizieren — selbst wenn in diesem besonderen Jahr viele Erlanger ihren Urlaub wohl zuhause verbringen und die Stadt im August etwas voller sein dürfte als üblicherweise. Darüber hinaus sei es den Inhabern selbst überlassen, zu öffnen oder nicht. "Einige lassen zu, weil sie im Urlaub sind und andere machen vielleicht nur für ein, zwei Stunden auf", berichtet Frank im EN-Gespräch. Möglich ist zwischen 13 und 18 Uhr zu öffnen. Voraussetzung: Der Laden muss innerhalb der Stadtmauerstraßen liegen. 

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Stadtbummel bei Traumwetter: Verkaufsoffener Sonntag in Erlangen

Die 24. Ausgabe des Erlanger Herbstes hat die Menschenmassen wieder in die Innenstadt gelockt. Die etwa etwa 65.000 Gäste hörten sich gute Musik an, versuchten Schnäppchen zu erhaschen, staunten bei den Vorführungen der Vereine und Organisationen, oder flanierten einfach nur so bei Traumwetter durch die Straßen.


Bislang haben knapp 20 Einzelhändler und Geschäfte ihre Teilnahme am verkaufsoffenen Sonntag bekundet, darunter unter anderem Optik Amberg, die Literarische Buchhandlung Ilse Wierny oder der dm Drogeriemarkt. Auch in diesem Jahr ist der verkaufsoffene Sonntag (wie berichtet) eingebettet in den Augustmarkt (20. bis 27. August). Erst als diese Veranstaltung genehmigt wurde, hat auch der ETM als Veranstalter Grünes Licht gegeben für den verkaufsoffenen Sonntag: "Wenn der verkaufsoffene Sonntag schon erlaubt ist, müssen wir eine Teilnahme unseren Einzelhändlern auch ermöglichen, alles andere wäre ja grob fahrlässig." Ist also das eine (Augustmarkt) möglich, dann ist auch das andere (verkaufsoffener Sonntag) denkbar. Weshalb aber darf der Augustmarkt auf dem Schlossplatz überhaupt stattfinden?

Die Stadt verweist auf Nachfrage auf die aktuelle Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Demnach sind inzwischen Märkte zum Warenverkauf unter freiem Himmel, die keinen Volksfestcharakter aufweisen und keine großen Besucherströme anziehen, zulässig. "Der Augustmarkt fällt unter diese Regelung", verlautet es aus der Pressestelle. Gemäß der "Verordnung der Stadt Erlangen über die Freigabe weiterer Verkaufssonntage und über den Ladenschluss" ist der in die Zeit des Augustmarktes fallende Sonntag für den Verkauf freigegeben. Zu betonen ist, heißt es von Seiten der Stadt weiter, dass alle Hygienemaßnahmen eingehalten werden und es kein buntes Rahmenprogramm gibt, wie es für "Erlanger Frühling" oder "Erlanger Herbst" in der Regel üblich ist.

Darauf weist auch City-Manager Frank hin: "Wir machen ja nichts, keine Riesen-Attraktionen, keine Bühne — ich glaube, dass wir hier keine Massen erwarten dürfen."

Ohnehin wird der eine Sonntag die coronabedingten Umsatzverluste der vergangenen Monate nicht ausgleichen, meint Frank. Das sei klar. "Wir möchten, dass die Besucher für ein, zwei Stunden in die Stadt kommen, vielleicht einen Kaffee trinken und durch ein Geschäft schlendern und so mancher Inhaber ein paar Euro verdient", sagt Frank.

Er hofft, dass der ein oder andere Passant, der durch einen Laden bummelt, später dann irgendwann wiederkehrt: "Vielleicht wusste man gar nicht, dass es das Geschäft gibt und wird erst darauf aufmerksam — dann hat man womöglich einen Stammkunden mehr."

SHARON CHAFFIN

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