Sonntag, 15.12.2019

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Erlangen: „Wir sind keine Tauben-Mütterchen“

Neues Taubenhäuschen auf der Heinrich-Lades-Halle soll Nachwuchs begrenzen - 04.03.2014 12:00 Uhr

Der gemeinsame Kampf gegen die Vermehrung der Tauben geht weiter. Dazu entstand ein neues Taubenhaus auf dem Dach der Ladeshalle, wo Tauben in Ruhe brüten können, ihnen dann aber Gipseier untergeschoben werden — in Aktion Margrit Vollertsen-Diewerge (Mitte), Ordnungsreferentin Marlene Wüstner (l.) und Helferin Tanja Körner. © Harald Sippel


Im Rahmen des „Erlanger Taubenprojekts“ wird die Population der verwilderten Haustauben durch die Entnahme und den Austausch der Taubeneier mit Gips- oder Plastikeiern tierschutzgerecht reguliert. Die Stadtverwaltung wird hierbei durch Mitglieder des Tierschutzvereins Erlangen und Umgebung, die die Taubenstationen vor Ort ehrenamtlich betreuen, tatkräftig unterstützt. Ordnungsreferentin Marlene Wüstner ist dankbar, dass diese Zusammenarbeit „ausgesprochen erfolgreich ist“.

Mit Tierschutzgesetz konform

Anlässlich der Übergabe eines neuen Taubenhauses auf dem Dach der Heinrich-Lades-Halle, das bereits im Januar „bezogen“ wurde, konnte Margrit Vollertsen-Diewerge, die im Tierschutzverein zusammen mit Helferinnen und Helfern die mittlerweile fünf Taubenhäuser in Erlangen betreut, mit einigen Missverständnissen aufräumen, die immer noch im Zusammenhang mit der städtischen Taubenkontrolle entstehen. „Wir sind keine Tauben-Mütterchen“, sagt sie über sich und ihre Helfer(innen), „wir wollen die Taubenzahl aber in Übereinstimmung mit dem Tierschutzgesetz reduzieren.“ Dazu gehöre eben, die Tauben nicht zu jagen oder zu fangen, sondern ihren Nachwuchs einzudämmen.

Und dies geschehe am besten durch Taubenhäuser, in denen den Tauben ihr Gelege gegen „taube“ Eier (aus Porzellan oder Plastik) ausgetauscht wird. Dieser natürliche Ovulationshemmer verhindert, dass die Tauben sofort wieder empfangsbereit sind – die Natur wird ausgetrickst.

Die Statistik der Ei-Entnahmen ist durchaus beeindruckend: Wurden im Jahr der ersten Taubenhaus-Eröffnung fast 90 Eier entnommen, waren es im Jahr 2010 über 2260 – seit dieser Zeit liegt die Zahl ziemlich konstant bei rund 1800 pro Jahr.

Das schlägt sich auch in der Zahl der Tauben selbst nieder. Seit Einführung der Taubenstationen – die letzte im Dach des Bahnhofs wird nach ein paar Anlaufschwierigkeiten jetzt doch von den Tieren angenommen – konnte nach Zählungen des Tierschutzvereins die Taubenpopulation nachhaltig reduziert werden.

Bei der letzten Stadttauben-Zählung im Jahr 2012 wurden insgesamt 785 Tiere erfasst. Diese setzten sich aus den zirka 500 Tauben betreuten Taubenstationen und zirka 285 bei Zählungen im Stadtgebiet Erlangen erfassten Tauben zusammen. Die Anzahl der Stadttauben hat sich damit im Vergleich zum Jahr 1995 (rund 1450 erfasste Tiere) fast halbiert.

Die Neuerrichtung des Taubenhauses auf der Ladeshalle war notwendig, da sich eines der beiden Taubenhäuser der Station aufgrund der langen Nutzungsdauer witterungsbedingt in einem schlechten baulichen Zustand befand. Die Kosten für die Anschaffung des Häuschens in Höhe von 800 Euro werden vom Ordnungs- und Straßenverkehrsamt der Stadt Erlangen getragen. Der Aufbau des Hauses erfolgte durch Mitarbeiter des Betriebs für Stadtgrün, Abfallwirtschaft und Straßenreinigung.

Auch mit dem Ärgernis der Taubenfütterung (die eigentlich untersagt ist) setzt sich die Tierschützerin Margrit Vollertsen-Diewerge auseinander. „Wenn ich jemanden treffe, der die Tauben füttert, fordere ich ihn oder sie auf, uns bei der Taubenkontrolle zu helfen. Da ist dann leider sehr schnell Schluss mit der Tauben-Liebe.“ Da die Arbeit an den Taubenhäusern – Eier entnehmen, Kot entfernen, Schläge säubern – alles andere als ein Vergnügen ist, halten sich die Hilfe-Zusagen in Grenzen. Trotzdem muss für die Tauben-Kontrolleure die Arbeit weitergehen: „Wir könnten jede Hand gebrauchen“, sagt die Tierschützerin.

Tierschutzverein Erlangen, Bayreuther Straße 70, Tel. 207788

pm

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