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Erlanger Burschenschaft: Gezielte Provokation am Volkstrauertag

Kranz am Kriegerdenkmal im Schlossgarten sorgt für Wirbel - ein Kommentar - 20.11.2019 18:10 Uhr

Viele gehen hier täglich vorbei: Das Kriegerdenkmal im Schlossgarten, direkt dahinter das Kollegienhaus. © Harald Sippel


Das Muster der rechten Propaganda ist immer das Gleiche: Erst gibt’s den gezielten Rechtsbruch, um danach sogleich in die Opferrolle zu schlüpfen. Die AfD ist damit höchst erfolgreich und auch andere rechte Gruppierungen folgen gern diesem Vorbild.

Eine Erlaubnis der FAU wäre notwendig gewesen

Jüngstes Beispiel: die Burschenschaft Frankonia. Wissentlich oder in naiver Unkenntnis der Rechtslage, wovon eigentlich nicht auszugehen ist, legten die Bundesbrüder am Volkstrauertag an den Überresten des ehemals monströsen und von den Amerikanern geschleiften  Gefallenendenkmals der Universität im Schlossgarten einen Kranz nieder, um "unserer toten und gefallenen Bundesbrüder" zu gedenken.

Dass sich die Burschenschaft Frankonia, die 2015 wegen "rechter Umtriebe" im Verfassungsschutzbericht landete, genau dieses Denkmal ausgesucht hat, ist kein Zufall. Gilt es doch als herausragendes Beispiel für die politische Instrumentalisierung des Totengedenkens in der Weimarer Zeit. Die feierliche Denkmalenthüllung am 1. Juli 1930 war noch im alten national­konservativen Geist arrangiert, verriet aber auch die geistige Nähe der Professorenschaft zur neuen national­sozialistischen Bewegung. Der Vertreter der Erlanger Studentenschaft hielt damals sogar eine Brandrede, in der er erklärte, "dass die Beseitigung des derzeitigen Staates oberstes Gebot für jeden bewussten Deutschen" sei.

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Die bewegte Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität

Über 300 Jahre ist das Markgräfliche Schloss in Erlangen alt. Bereits 1743 verkehrten rund um die Stadtresidenz die ersten Studenten. Seither hat die FAU einen Brand, zwei Weltkriege und mehrere bauliche wie politische Umwälzungen erlebt. Von NS-Propaganda bis Studentenbewegung: Wir haben die Geschichte der Erlanger Uni zusammengefasst.


Für die Kranzniederlegung am Volkstrauertag 2019 wäre eine entsprechende Erlaubnis der FAU notwendig gewesen. Diese hatte die Frankonia nicht eingeholt. Wohl wissend, dass die Burschenschaftler diese niemals bekommen hätten, da die Universität aufgrund der religiösen und politischen Neutralität, zu der sie sich verpflichtet, das Niederlegen eines Kranzes nicht genehmigen kann. Eine gezielte Provokation also.

Folgerichtig ließ die Uni den Kranz wieder entfernen. In einem Schreiben der Alma Mater an die Burschenschaft heißt es zur Begründung: "Rein vorsorglich weisen wir darauf hin, dass das Ablegen eines Kranzes im Schlossgarten der Universität ohne Genehmigung einen Verstoß gegen die geltende Hausordnung der FAU darstellt und mit entsprechenden hausrechtlichen Maßnahmen geahndet werden kann."

Der Beitrag gelikt und geteilt, auch von der AfD Nürnberg

Damit ist die Sache aber noch lange nicht vom Tisch. Es kam, wie es kommen musste, es folgte Stufe 2: die Opferrolle. Nichts einfacher als das, gerade in Zeiten von Facebook, Twitter und Co. So postete die Frankonia auf Facebook ein Bild unter dem Titel "Totengedenken unerwünscht – Friedrich-Alexander-Universität lässt Kranz für Gefallene entfernen" und druckt auch noch das Schreiben der Universität ab.

Wobei die Claqueure aus der rechten Ecke nicht lange mit entsprechenden Kommentaren ("Unglaublich", "Selbst das Totengedenken wird einem schon verboten", etc.) auf sich warten ließen. Darüber hinaus wird der Beitrag eifrig gelikt und geteilt. Auch von der AfD Nürnberg, die sogar noch einen drauflegte: "Die völlig überflüssige Aktion der Universitätsverwaltung", schreibt die AfD, sei "eine Schande." Ist das der angebliche "Mut zur Wahrheit", den die Rechtspopulisten immer wieder postulieren? Sicher nicht.

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