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Sonntag, 25.10.2020

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Erlanger Umweltpreis geht an Studierende der FAU

Stadt Erlangen ehrt Einsatz für Klima und Umwelt - 18.10.2020 18:00 Uhr

Auf diesem Dach wäre noch Platz für Photovoltaik? Aber klar doch, meinen die Studierenden, die mit dem ersten Platz beim Erlanger Umweltpreis unter anderem für ihr umfangreiches Klimaschutzkonzept geehrt werden.

© Harald Sippel


Fürs Foto steigen die Studierenden auch schon mal der Universität aufs Dach. Genauer: Auf das Dach des neuen Parkhauses Chemikum auf dem Campus der Technischen Fakultät. Dort oben wird der Blick frei – und sichtbar, dass für Photovoltaik hier noch jede Menge Platz wäre. Wie auch auf so manchem anderen Dach der Uni.

Dass sich in dieser Hinsicht an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) etwas ändern soll, ist nur eines der Anliegen der Studentinnen und Studenten, die sich im Arbeitskreis Klimaschutz und im Referat für Ökologie und Nachhaltigkeit (ÖkoRef) der Studierendenvertretung der FAU engagieren und dafür jetzt mit dem Umweltpreis der Stadt Erlangen ausgezeichnet werden.

Im übertragenen Sinn steigen sie der Universität schon seit letztem Herbst immer wieder aufs Dach. Oder vielmehr auf die Füße?

Ziel: Klimaneutralität bis 2028

Sie haben ein Klimaschutz- und Nachhaltigkeitskonzept entwickelt, das die Klimaneutralität der FAU bis 2028 zum Ziel hat und eine große Bandbreite an Aktivitäten auf den Ebenen Universitätsleitung und Verwaltung, Lehre und Forschung, Infrastruktur, Bewirtschaftung, Mobilität und Veranstaltungen vorschlägt – von der Einrichtung eines Klimafonds zur Finanzierung von Nachhaltigkeitsprojekten bis hin zum Ersatz des Feuerwerks beim Schlossgartenfest durch eine nachhaltige Alternative.

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Mit knapp 40.000 Studierenden ist die Friedrich-Alexander-Universität eine der größten Universitäten Deutschlands. Innerhalb von nur zehn Jahren ist die Uni um über 50 Prozent gewachsen und bietet heute über 260 Studiengänge an. Doch wann wurde die FAU eigentlich gegründet, wie viele Essen gehen täglich über die Mensatische und wann studierte die erste Frau? Hier kommen alle Antworten.


Vor einem Jahr stellten sie der Universitätsleitung ihr Konzept vor und stießen sofort auf offene Ohren.

"Da war klar, die wollen alle", sagt Eda Simsek, eine der über 25 Studierenden und Doktorand*innen aus unterschiedlichen Fakultäten, die an dem Konzept geschrieben haben. 43 studentisch aktive Gruppen unterstützen es. Auch mit Politiker*innen aus dem Landtag habe man darüber gesprochen, erzählt sie. Und man sei auch hier auf Zustimmung gestoßen.

Ringvorlesung stieß auf großes Interesse

Die Umsetzung der Ideen hat bereits begonnen. So wurde in der Verwaltung ein "Green Office" eingerichtet, für das Stellen geschaffen wurden. Eine weitere Errungenschaft: Unter dem Titel "FAU against CO2: Der Beitrag der Wissenschaft zum Klimaschutz" hat das ÖkoRef im Sommersemester eine Ringvorlesung organisiert, koordiniert und moderiert. Die richtete sich nicht nur an Studierende und Dozierende, sondern auch an interessierte Bürger und fand großen Zuspruch. Dass sie coronabedingt online stattfand, "war für uns ein Glücksfall", meint Student Paulus Guter, denn auf diese Weise seien mehr Menschen erreicht worden.

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Der Klimawandel macht auch vor Bayern nicht Halt. Bis zum Jahr 2100 soll es bis zu 4,5 Grad wärmer werden. Das hat gravierende Auswirkungen auf das Leben im Freistaat.


Für die zehn Vorträge, für die Dozenten aus ganz Deutschland gewonnen wurden, habe es jedes Mal über 600 Anmeldungen gegeben. Das zeigt auch: Das Interesse an Nachhaltigkeitsthemen ist da.

Vorbildcharakter attestiert Anke Steinert-Neuwirth, Referentin für Kultur, Bildung und Jugend der Stadt Erlangen, der Vorgehensweise der Studierenden, bei der Entwicklung ihres Klimaschutz- und Nachhaltigkeitskonzepts disziplinäres Denken kreativ und sinnvoll zu überschreiten und darüber hinaus bei der Ringvorlesung die nicht-universitäre Öffentlichkeit in Theorie und Praxis einzubeziehen.

Erlangen rief 2019 den Klimanotstand aus

Im Mai letzten Jahres hat Erlangen als erste Stadt in Bayern den Klimanotstand ausgerufen. Mittlerweile hat sich die Stadt das Ziel gesetzt, klimaneutral zu werden. Bis wann das geschehen soll, muss der Erlanger Stadtrat noch festlegen. Die Universität sei, so die Referentin, neben der Stadt Erlangen der zweite große öffentliche Akteur, der wesentlich zu einer klimaneutralen Stadt beitragen kann.

Das von den Stadtwerken gestiftete Preisgeld in Höhe von 2500 Euro, so haben die Studierenden entschieden, soll in Nachhaltigkeitsprojekte der Uni fließen. Sie selbst sehen ihre Aufgabe noch längst nicht als erledigt an. Auch für das Wintersemester haben sie wieder eine Ringvorlesung organisiert. Und angesichts der wenigen Photovoltaik-Module auf dem Parkhausdach sind sie sicher: "Wir sind hier noch gefordert". Denn ein gutes Klimakonzept ist das eine, die Umsetzung das andere. Das haben sie jetzt im Blick.

Die Preise 2020 im Überblick:

1. Platz (2500 Euro): ÖkoRef inkl. AK Klimaschutz: Klimaschutz- und Nachhaltigkeitskonzept, Ringvorlesung „FAU against CO2“
2. Platz: Studierenden-Projekt "Smart City Greens", intelligente Baumbewässerung: Preisgeld 1000 Euro
3. Platz (500 Euro): Albert-Schweitzer-Gymnasium: Schülersolaranlage: 
4. Platz (Zukunftspreis, 200 Euro): Wirtschaftsschule: Bildungsort Natur
4. Platz (Zukunftspreis, 200 Euro): Krippe Miniclub: Kids for future
4. Platz (Zukunftspreis, 200 Euro): Studierendeninitiative: TechFak Garten
4. Platz (Zukunftspreis, 200 Euro): Ackergarten bei Büchenbach

EVA KETTLER

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