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Freitag, 27.11.2020

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Erlangerin auf Tour mit den Rock-Stars

Susanne Panhans war als Köchin mit den Stones und Peter Maffay unterwegs - 21.11.2020 10:30 Uhr

Peter Maffay (links) bei einem seiner zahlreichen Konzerte, die er im Lauf der Jahre in Nürnberg und der Region gegeben hat. In den späten 1990er Jahren wartete hinter der Bühne das feine Essen der Erlanger Köchin Susanne Panhans auf ihn und die Band.

18.11.2020 © Hans von Draminski


Ein Teil des Herzens hing bei Susanne Panhans damals wie heute an der Schauspielerei im Besonderen und an Bühnenkunst im Allgemeinen. Aber zunächst musste sie verkraften, dass in den frühen 1980er Jahren der Bäcker- und Konditorberuf noch eine Männerdomäne war. "Wir stellen keine Frauen ein", hieß es bei den Konditoreien, bei denen sie sich bewarb. Die Mutter, die ihre Tochter gut kannte, gab ihr den Rat, den Beruf der Köchin zu erlernen und über diesen "Seiteneinstieg" auch die Zuckerbäckerei zu erobern.

Heute kann Susanne Panhans fünf erlernte Berufe vorweisen, darunter den einer Diplom-Pferdephysiopraktikerin, ist erfolgreiche Sportschützin – und hat sich als Autorin auf eine Küche spezialisiert, die das Ziel hat, auch Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten leckeres Essen servieren zu können.

Zunächst allerdings war sie die jüngste Auszubildende in der Küche eines großen Erlanger Hotels. Dass sie ihre Schule schon mit 15 abgeschlossen hatte, erwies sich als (kleines) Problem, denn für Spätdienste in einer Hotelküche muss frau mindestens 16 sein. Deshalb hängte sie noch eine Ausbildung in der Hotelfachschule Tegernsee/Bad Wiessee dran und bekam am Ende eine Verkürzung der Ausbildungszeit zugesprochen. Was sie damals schon lernte: "Das innere Maschinchen läuft nur dann gut, wenn man sich richtig ernährt." Denn nur weil sie wusste, wie sie sich ernähren muss, konnte sie trotz ihrer "vier von fünf Nahrungsmittelintoleranzen erfolgreich sein", wie sie sagt.

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Peter Maffay auf Tour in der Arena Nürnberg


Ihre erste reguläre Anstellung bekam Susanne Panhans im Hotel Riesengebirge in Neuhof an der Zenn (Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim), gerade einmal 15 Kilometer von der mittelalterlichen Burg Hoheneck entfernt.

Weil es die junge Köchin immer noch auf die Bühne zog, belegte sie zwischendurch privaten Gesangsunterricht bei Rosemarie Cabaud, einer großen Opernsängerin, die selbst zehn Jahre an der Metropolitan Opera in New York engagiert war. "Man muss die Stimme geschmeidig halten, dann kann man bis ins höhere Alter hinein singen", weiß die vielseitig interessierte Köchin.

Badewannen repariert

Das Kochen allein freilich füllte sie nicht aus, zu ihren beruflichen Stationen zählt die Arbeit für eine amerikanische Werbeagentur. 1995 machte sie sich selbstständig – und lernte, wie man Badewannen per Emaillierung repariert. Die Subunternehmerin eines großen Sanitärgeschäfts stellte allerdings schnell fest, dass der Badewannen-Job nicht ausreichte, die monatlichen Fixkosten zu decken.

So heuerte sie bei einem großen Veranstalter als "Stagehand" an, also als Aufbau- beziehungsweise Bühnenhelferin. "Nach einem Jahr war ich ziemlich ausgepowert, denn als Stagehand nachts, neben der regulären Arbeit, zusätzlich zu arbeiten, da lebst Du eigentlich ständig in einer Ausnahmesituation", erinnert sich Susanne Panhans. Als ein Crewkoch ausfiel, schlug ihre große Stunde, denn sie wurde trotz anfänglichen Sträubens für den Küchendienst eingeteilt – und der Chefkoch stellte schnell fest, dass die junge Frau "vom Fach" war.

"Aus einem Mal wurden drei Mal", erzählt Susanne Panhans. Um ein Uhr morgens kam ein Anruf, ob sie nach Linz (Oberösterreich) reisen und das Tour-Catering einer Band übernehmen könne. "Und dann fuhr ich zehn Tage mit den Zillertaler Schürzenjägern durch die Gegend", berichtet sie lachend. Die Künstler baten sie, zu bleiben. "Leute, ich habe einen Job daheim, habe ich ihnen gesagt, aber sie haben mich weich geknetet", erinnert sich Susanne Panhans.

Beim größten deutschen Rock-Caterer

Wenig später waren die Badewannen-Reparaturen Geschichte. Bei der End-of-Tour-Party sieben Wochen später wurde die Köchin gefragt, was sie denn jetzt eigentlich machen wolle – und wurde dem damals größten deutschen Rockmusiker-Caterer empfohlen. Der sie noch während des Telefongesprächs einstellte.

Als dieses Foto entstand, war Susanne Panhans (rechts) Ende 20, der Rockmusiker Peter Maffay Mitte 40. Und die Schwarzwälder Kirschtorte ganz frisch.

18.11.2020 © Archiv Panhans/privat


Es sei ihre Begeisterung gewesen, die den Ausschlag gab, sie mit Peter Maffay auf Tour zu schicken. Die einzige Vorgabe: "Es muss gut schmecken." Auf Susanne Panhans’ misstrauische Frage "Keine Vorschriften?" kam postwendend die Bestätigung: "Keine Vorschriften." Dem in Rumänien geborenen Deutschrocker Maffay mundete die Panhans-Küche so sehr, dass er ihr am Ende der Open-Air-Tour 1996 eine eigens für Susanne Panhans gemachte "Goldene Gourmet-CD" überreichte. Nicht das einzige Geschenk, das die fantasievolle Köchin von Stars wie den Rolling Stones, "Worlds Apart", der schwäbischen Gruppe Pur, dem Tenor José Carreras oder den Toten Hosen bekam. Vom legendären Pop-Promoter Fritz Rau wurde sie liebevoll umarmt. Dennoch hörte sie kurz vor Anbruch des neuen Millenniums auf: "Das Leben auf Tour verlangt Dir wahnsinnig viel Kraft ab. Ich wollte abspringen, so lange es noch Spaß macht und ich keine gesundheitlichen Probleme habe", sagt Susanne Panhans selbstkritisch.

Kochen bei Nahrungsmittelintoleranzen

Heute schreibt sie Kochbücher wie "Nahrungsmittelintoleranzen – na und?" Das Besondere: Es sind alle fünf möglichen Intoleranzen in jedem Gericht berücksichtigt. Das macht es einfach beim Nachkochen.

Susanne Panhans war schon öfter im Fernsehen, wie beim Privatsender Hamburg1 und im "Ersten" bei Live nach Neun zu sehen. Sie gibt Workshops für ihre Küche, die sich aus durchaus persönlichen Gründen an Menschen mit Nahrungsmittel-Intoleranzen wie Gluten-, Laktose-, Sorbit-, Fruktose- und Histamin-Unverträglichkeit wendet und will ihre Rock’n’Roll-Jahre heute nicht missen: "Wenn ich noch einmal auf die Welt käme, würde ich wieder auf Tour gehen, denn das war eine großartige Erfahrung, menschlich wie beruflich."

HANS VON DRAMINSKI

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