Donnerstag, 01.10.2020

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Flüchtlingsdrama von Moria: Erlanger SPD-Abgeordnete schreibt an Merkel

Martina Stamm-Fibich unterzeichnet mit Großteil der Bundestagsfraktion Appell - 14.09.2020 18:30 Uhr

Im bereits ausgebrannten Flüchtlingslager Moria stehen Zelte in Flammen. Mehrere Brände haben das Lager fast vollständig zerstört.

© Socrates Baltagiannis/dpa


Die Aufnahme von zunächst nur 150 minderjährigen Flüchtlingen aus Moria reicht als deutsche Hilfe nicht aus. Das ist klar für die SPD-Abgeordnete Martina Stamm-Fibich, die in Berlin mit dem Wahlkreis Erlangen Stadtgebiet und Landkreis vertritt.

Deshalb hat die 55-Jährige mit dem Großteil ihrer Fraktionskollegen (unter anderem dem Fürther Carsten Träger) einen entsprechenden Appell an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterzeichnet.

Die bisherige Zusage durch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sei der "Lage nicht angemessen und beschämend", heißt es in dem Brief, der dieser Redaktion vorliegt.

"Wir sind nicht zufrieden mit den 150 und werden mit Sicherheit in der Fraktion einen Beschluss fassen, dass diese Größenordnung gar nichts ist, da brauchen wir nicht darüber zu reden", bekräftigte Stamm-Fibich dann auch im Gespräch mit diesem Medienhaus.

Fraktionen kommen zu Sitzungen zusammen

An diesem Dienstag (15. September) kommen die Bundestagsfraktionen zu ihren Sitzungen zusammen, auf der Agenda ziemlich weit oben dürften bei allen die Lage auf der Insel Lesbos nach der Zerstörung des Lagers Moria und der Umgang mit Migranten stehen. Merkel will bis zur Kabinettssitzung am Mittwoch (16. September) über die Aufnahme weiterer Migranten entscheiden.

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Großbrand im Flüchtlingscamp Moria

Mehrere Brände haben das griechische Flüchtlingslager fast komplett zerstört. Die Menschen haben nun kein Dach mehr über dem Kopf, waschen sich am Strand und campieren unfreiwillig im Freien. Über verschiedene Hilfsmöglichkeiten verhandelt die EU-Politik momentan.


So sehr sich Stamm-Fibich auch für schnelle und unkomplizierte Sofortprogramme für die Menschen in Moria stark macht — so sehr weist sie doch auf die schwierigen logistischen Umstände hin. Die Menschen, die aus den Lagern evakuiert werden, müssten vor Ort ausgewählt werden. Kinder und Jugendliche stehen dabei im Fokus, sagt sie.

13 000 Menschen müssen überprüft werden 

Die griechischen Behörden müssten im Fall von Moria 13 000 Menschen überprüfen, wer am dringlichsten ausgeflogen werden müsse (unbegleitete Kinder, Frauen). Das könne "unglaublich lange" dauern, so Stamm-Fibich, da insbesondere die Behörden vor Ort wenig Personal haben und kaum organisierte Abläufe.

Danach werden die ausgewählten Geflüchteten aufs Festland gebracht, wo Gesundheitsprüfung und Corona-Test erneut Zeit beanspruchten. Die Schutzsuchenden können erst dann ausgeflogen werden, wenn feststeht, welches Bundesland wen wo aufnimmt und unterbringt — und dort kommen die Geflüchteten womöglich zusätzlich in Quarantäne. Auch das kann wieder dauern, sagt Stamm-Fibich.

SHARON CHAFFIN

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