Gedenken an antisemitische Morde in Erlangen

20.12.2019, 11:00 Uhr

© Klaus-Dieter Schreiter

Zum Gedenken an das Attentat fand am Donnerstag Abend an der Ecke Südliche Stadtmauer/Nürnberger Straße eine Kundgebung statt. Veranstaltet wurde das Gedenken von der Gruppe "antithese" und der "initiative kritisches gedenken". Bevor die Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Erlangen Ester Limburg-Klaus das Wort ergriff, gab es einen selbst produzierten Audiobeitrag zu hören, der schon in einem Lokalradio ausgestrahlt worden war.

Die "initiative kritisches gedenken erlangen" hat sich im Januar 2019 gegründet, um das antisemitische Attentat auf Shlomo Lewin und Frida Poeschke aufzuarbeiten. "Wir dürfen unter rechte Taten, wie dem Anschlag auf Shlomo Lewin und Frida Poeschke, keinen Schlussstrich ziehen. Rechte Gewalt hat seit 1945 Kontinuität. Sie war nie weg und sie ist auch heute noch da. Ereignisse wie der versuchte Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober dieses Jahres machen erneut auf traurige und erschreckende Weise deutlich, dass wir rechtes Gewaltpotential ernst nehmen müssen", so eine Sprecherin der Initiative.

Auch in der Gegenwart sei antisemitisches Verhalten sichtbar. Vor allem der Anschlag von Halle sei Ausdruck dieses Antisemitismus. Ester Limburg-Klaus blickte auf das Leben von Shlomo Lewin zurück und warnte vor weiteren antisemitischen Tendenzen in der Gesellschaft.

Der Mord an dem Verleger Shlomo Lewin und der Witwe des ehemaligen Oberbürgermeisters Michael Poeschke ist aus juristischer Sicht aufgeklärt. Gegen den Tatverdächtigen Uwe Behrendt, der Mitglied der rechtsradikalen "Wehrsportgruppe Hoffmann" war, "konnte kein Verfahren durchgeführt werden, da davon ausgegangen wurde, dass dieser sich im Jahr 1981 selbst getötet hatte." 1984 wurde sein Leichnam identifiziert.

Uwe Behrendt hatte den jüdischen Verleger Shlomo Lewin, 69, und seine Gefährtin Frida Poeschke, 57, mit einer Maschinenpistole Marke Beretta, Kaliber 9 Millimeter, erschossen, die jetzt in der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth liegt.

Jeweils vier Schüsse

In der Ebrardstraße hatte Behrendt an der Haustür des Bungalows von Lewin geläutet, und der Verleger hatte ihm arglos geöffnet. Frida Poeschke hatte das Haus als "offenes Haus" geführt.

Drei Schüsse trafen Lewin in die Brust, am Arm und in den Kopf; er brach zusammen. Dann feuerte ihm Behrendt noch ein viertes Geschoss ins Hirn. Auch Frida Poeschke wurde mit vier Schüssen ermordet.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte 1986 festgestellt, dass der Wehrsportgruppen-Gründer Karl-Heinz Hoffmann nichts mit dem Doppelmord zu tun habe. Auch seine Lebensgefährtin wurde freigesprochen.

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