Werkstatt für behinderte Menschen

Gremsdorf bietet ein Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt

Redaktion Nordbayerische Nachrichten

1.10.2022, 12:25 Uhr
Arbeitsplatz in der Küche des Awo Sozialzentrums.

 

© Michelle Fischer, NN Arbeitsplatz in der Küche des Awo Sozialzentrums.  

„Endlich geschafft“, stolz unterschreibt Frau H. ihren Arbeitsvertrag vom AWO Sozialzentrum in Büchenbach. Bereits seit Mai 2021 arbeitet sie in der Küche des Altenheimes und wurde auf ihrem Weg dorthin durch die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Gremsdorf begleitet.

In die Benedikt-Menni-Werkstatt der Barmherzigen Brüder Region Mittelfranken kam die 23-jährige 2018 und startete mit dem Eingangsverfahren. Schnell war klar, sie möchte mehr als die Behindertenwerkstatt. Und so wurde über die vergangenen Jahre ein Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereitet.

"Budget für Arbeit"

Durch verschiedene Praktika und ihren Integrationsbegleiter der WfbM, Lutz Tamaschke, wurde sie unterstützt und gefördert. „Auch, wenn die Zeit bis zur Vertragsunterzeichnung nicht nur durch Höhen bestimmt war, hatte Frau H. ihr Ziel immer im Blick“, erklärt Tamaschke. In enger Zusammenarbeit mit einer Mentorin und dem Küchenchef Herr Werner vom Awo Sozialzentrum Büchenbach wurden Möglichkeiten gefunden, Frau H. in der Großküche einzusetzen. Die erfolgreiche Vermittlung gelang letztendlich über die Maßnahme „Budget für Arbeit“.

Durch das im Bundesteilhabegesetz implementierte „Budget für Arbeit“, erhalten Menschen mit Behinderung die Möglichkeit von der Werkstatt auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt überzugehen und einen Arbeitsvertrag zu erhalten. Die Arbeitgeber erhalten zur Förderung einen Lohnkostenzuschuss von bis zu 75 Prozent und werden durch den Integrationsfachdienst unterstützt. Die ehemaligen Werkstattbeschäftigten behalten zur Sicherheit das Rückkehrrecht in die Werkstatt.

In einem Seniorendomizil am Empfang

Doch die Benedikt-Menni-Werkstatt in Gremsdorf verzeichnet nicht nur durch das Budget für Arbeit Vermittlungen. Neben Frau H. konnten im Juli 2022 zwei weitere Werkstattbeschäftigte auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Eine von ihnen ist Frau B., die nun einer Tätigkeit am Empfang eines Seniorendomizils nachgeht. Sie unterschrieb im Juli ihren festen Arbeitsvertrag und lässt somit die Benedikt-Menni-Werkstatt hinter sich. In ihrem Fall kam eine Vermittlung über das „Budget für Arbeit“ nicht in Frage.

Ihr Übergang wurde durch die bayerische Maßnahme BÜWA (begleiteter Übergang Werkstatt Allgemeiner Arbeitsmarkt) ermöglicht. Dabei erhält die beschäftigte Person bis zu 27 Monate lang eine intensive und individuelle Vorbereitung auf einen Arbeitsvertrag durch ihre Integrationsbegleitung aus den Werkstatt. Es folgt eine Festanstellung mit der Möglichkeit für die Arbeitgeber bis zu fünf Jahre lang einen Zuschuss zu erhalten.

Werkstatt für Behinderte ist keine Sackgasse

Eine weitere Möglichkeit für einen Übertritt auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt ist der direkte Übergang aus einem Arbeitsbereich der Werkstatt. So konnte eine weitere Beschäftigte, Frau S., nach Förderung und Stabilisierung in der WfbM direkt eine Arbeitsstelle im Einzelhandel beginnen.

Eine Werkstatt für behinderte Menschen ist nicht als Sackgasse ohne berufliche Perspektive zu betrachten, sie bietet unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten, um die Beschäftigten auf ihren weiteren Weg vorzubereiten und geeignete Unternehmen zu finden.

Sprungbrett für den Allgemeinen Arbeitsmarkt

„Die Werkstatt bietet das Sprungbrett für den Allgemeinen Arbeitsmarkt“, betont Detlev Troll, Werkstattleiter der Benedikt-Menni-Werkstatt, der stolz einen Blumenstrauß bei der Vertragsunterzeichnung überreichte und sich für die gute Zusammenarbeit und das Engagement bei den kooperierenden Betrieben bedankte.

Neben den drei dargestellten Möglichkeiten der Vermittlung bietet die WfbM noch sogenannte Außenarbeitsplätze, die zur Vorbereitung für den Allgemeinen Arbeitsmarkt dienen. Derzeit sind 15 Beschäftigte unterschiedlichen Alters auf einem Arbeitsplatz außerhalb der Werkstatt beschäftigt. Neben Altenheimen bietet auch eine Gärtnerei, ein Kindergarten, ein Café, verschiedene Küchen, der Einzelhandel und der Bauhof passende Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung.

Positive Entwicklung

Die Begleitung und Förderung ist durch regelmäßige Besuche des Fachpersonals der Werkstatt gewährleistet. Die dort Beschäftigten bleiben weiterhin Vertragspartner der WfbM, werden aber in Arbeits- und Produktionsabläufe des Betriebes eingebunden. Bei positiver Entwicklung und Wunsch der Beschäftigten folgt ein Arbeitsvertrag und der Übergang in das neue Unternehmen.

Bedingt durch Corona konnten in den vergangenen zwei Jahren die Kooperationen mit den Betrieben leider nicht wie gewohnt ausgebaut werden. Die Umsetzung wurde durch verschärfte Vorschriften, Quarantäne und die daraus resultierenden Unsicherheiten erschwert.

Umso größer ist die Freude der Mitarbeitenden der Werkstatt über die drei erfolgreichen Vermittlungen von der WfbM auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt. Die Barmherzigen Brüder Region Mittelfranken wünschen unseren ehemaligen Beschäftigten viel Glück auf ihrem weiteren Weg im Berufsleben.

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