Historische Bilder: Als Erlangen eine Bierhauptstadt Frankens war

28.9.2018, 17:03 Uhr
Mit Kitzmann verschwindet die größte Erlanger Brauerei des 21. Jahrhunderts vom Markt. Die Hugenottenstadt hat eine bewegte Bier-Geschichte. Was viele nicht wissen: In der Blütezeit im 19. Jahrhundert gab es bis zu 18 Brauereien, einige bis weit über die Grenzen des Landes bekannt. Ein Blick in die Historie.
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Mit Kitzmann verschwindet die größte Erlanger Brauerei des 21. Jahrhunderts vom Markt. Die Hugenottenstadt hat eine bewegte Bier-Geschichte. Was viele nicht wissen: In der Blütezeit im 19. Jahrhundert gab es bis zu 18 Brauereien, einige bis weit über die Grenzen des Landes bekannt. Ein Blick in die Historie. © Berny Meyer

Bier wurde in Erlangen schon im Mittelalter gebraut, bereits im 18. Jahrhundert gab es in der Alt- und Neustadt eine ganze Anzahl kleinerer Brauereien. Richtig rund ging es aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts.
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Bier wurde in Erlangen schon im Mittelalter gebraut, bereits im 18. Jahrhundert gab es in der Alt- und Neustadt eine ganze Anzahl kleinerer Brauereien. Richtig rund ging es aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts. © Brauereien

Dies ist eine der ältesten Aufnahmen aus Erlangen auf einem Glasplattennegativ aus dem Jahr 1891. Der Ausblick vom Turn der Neustädter Kirche zeigt auch die Kitzmann Brauerei, die es seit 1712 gibt.
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Dies ist eine der ältesten Aufnahmen aus Erlangen auf einem Glasplattennegativ aus dem Jahr 1891. Der Ausblick vom Turn der Neustädter Kirche zeigt auch die Kitzmann Brauerei, die es seit 1712 gibt. © Stadtarchiv Erlangen/Daßler

Am heutigen Martin-Luther-Platz, dem zentralen Platz der Altstadt, lag im 19. Jahrhundert der Mittelpunkt der Bierproduktion.
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Am heutigen Martin-Luther-Platz, dem zentralen Platz der Altstadt, lag im 19. Jahrhundert der Mittelpunkt der Bierproduktion. © Stadtarchiv Erlangen

Am Martin-Luther-Platz konzentrierten sich drei Betriebe auf der Westseite, die Niklas Bräu im Norden und die Brauerei Ott im Osten.
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Am Martin-Luther-Platz konzentrierten sich drei Betriebe auf der Westseite, die Niklas Bräu im Norden und die Brauerei Ott im Osten. © Stadtarchiv Erlangen

Seit 1706 wurde in der Hauptstraße 103 Bier produziert. Einen richtigen Aufschwung erlebte der Betrieb erst 1866 mit dem Wechsel zur Familie Niklas, hier auf einer Postkarte um 1890.
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Seit 1706 wurde in der Hauptstraße 103 Bier produziert. Einen richtigen Aufschwung erlebte der Betrieb erst 1866 mit dem Wechsel zur Familie Niklas, hier auf einer Postkarte um 1890. © Stadtarchiv Erlangen

Hier zu sehen ein Schlussstein im Korbbogentor in der Hauptstraße 86. Das Hauszeichen mit den zwei gekreuzten Schöpfkellen und dem Maischscheit verweist zusammen mit den Initialen G C VM auf den Bierbrauer Joh. Genorg Vierzigmann, der hier von 1736 bis 1790 produzierte.
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Hier zu sehen ein Schlussstein im Korbbogentor in der Hauptstraße 86. Das Hauszeichen mit den zwei gekreuzten Schöpfkellen und dem Maischscheit verweist zusammen mit den Initialen G C VM auf den Bierbrauer Joh. Genorg Vierzigmann, der hier von 1736 bis 1790 produzierte. © Stadtarchiv Erlangen/Hans SAuerborn

Das Erlanger Bier wurde im 19. Jahrhundert im gesamten Deutschen Reich, aber auch in die Schweiz, Frankreich, Spanien, England, Skandinavien, Nord- und Südamerika und Australien exportiert. Die Erlanger Bierhalle im Hamburg des Jahres 1904, die auch ein Export-Lager der Henningerschen Brauerei Erlangen war, zeigt zudem eines: am bürgerlichen Biertisch waren Frauen keine Ausnahme.
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Das Erlanger Bier wurde im 19. Jahrhundert im gesamten Deutschen Reich, aber auch in die Schweiz, Frankreich, Spanien, England, Skandinavien, Nord- und Südamerika und Australien exportiert. Die Erlanger Bierhalle im Hamburg des Jahres 1904, die auch ein Export-Lager der Henningerschen Brauerei Erlangen war, zeigt zudem eines: am bürgerlichen Biertisch waren Frauen keine Ausnahme. © privat

Während viele Erlanger Brauereien vor allem für den regionalen Markt produzierten, gab es vier große Betriebe, die fleißig exportierten. Darunter: die Erich Bräu.
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Während viele Erlanger Brauereien vor allem für den regionalen Markt produzierten, gab es vier große Betriebe, die fleißig exportierten. Darunter: die Erich Bräu. © Stadtarchiv Erlangen/Bernd Böhner

Diese Reproduktion nach Originalaufnahme um 1880/85 zeigen die Familie Erich und im Hintergrund die Produktionsstätten.
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Diese Reproduktion nach Originalaufnahme um 1880/85 zeigen die Familie Erich und im Hintergrund die Produktionsstätten. © Stadtarchiv Erlangen

Der später auch
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Der später auch "Herz der Erlanger Brauwirtschaft" genannte Brauereikomplex am Altstädter Kirchenplatz 6 wurde 1718 von der Familie Windisch gegründet. © Stadtarchiv Erlangen/Ferdinand Schmidt

Nach dem Erwerb durch Franz Erich 1848 wuchs der Betrieb dank einer modernisierten Betriebsstätte zur 1869 bis 1874 größten Erlanger Exportbrauerei und überstand auch die nachfolgende Zeit rückläufiger Exporte.
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Nach dem Erwerb durch Franz Erich 1848 wuchs der Betrieb dank einer modernisierten Betriebsstätte zur 1869 bis 1874 größten Erlanger Exportbrauerei und überstand auch die nachfolgende Zeit rückläufiger Exporte. © Stadtarchiv Erlangen/Stümpel

Viele Häuser, aber auch Straßen und Plätze der Altstadt sind unterkellert. Bierkeller gibt es nicht nur am Berg. Hier sieht man eine Anlage mit den gewaltigen Gärbottichen der Erich Bräu.
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Viele Häuser, aber auch Straßen und Plätze der Altstadt sind unterkellert. Bierkeller gibt es nicht nur am Berg. Hier sieht man eine Anlage mit den gewaltigen Gärbottichen der Erich Bräu. © Stadtarchiv Erlangen/Stümpel

1930 musste der Konkursantrag gestellt werden. Schon 1931 gründeten die neuen Eigner, die Stadt Erlangen und die Bamberger Mälzerei AG, die
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1930 musste der Konkursantrag gestellt werden. Schon 1931 gründeten die neuen Eigner, die Stadt Erlangen und die Bamberger Mälzerei AG, die "Exportbrauerei Franz Erich GmbH". 1940 stieg die Stadt als Anteilseigner aus, ab 1972 gehörte die Erich Bräu zur Patrizier-Bräu Nürnberg, welche den Betrieb im Jahr 1975 schloss. © Stadtarchiv Erlangen/Stümpel

Das
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Das "Flaggschiff" der Erlanger Brauwirtschaft wurde vor 1699 von Georg Vierzigmann gegründet und kam einige Generationen später (1816) an Johann Henninger. Die Henninger Reifbräu gab es bis 1974 in der Hauptstraße 55-57. © Stadtarchiv Erlangen

1861 wurde das aufgrund von Modernisierungen und Exportorientierung florierende Unternehmen Henninger Reifbräu an den Tuchgroßhändler Wilhelm Helbig verkauft. Mit Investitionen in moderne Brautechnik, Geländezukäufen bis zur Bahnlinie wurde die führende Stelle unter den Erlanger Exportbrauereien gefestigt. Die beiden Weltkriege trafen die Kapitalgesellschaft (seit 1904), die 1906 mit der Reifbrauerei fusionierte, aufgrund der Exportorientierung besonders hart.
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1861 wurde das aufgrund von Modernisierungen und Exportorientierung florierende Unternehmen Henninger Reifbräu an den Tuchgroßhändler Wilhelm Helbig verkauft. Mit Investitionen in moderne Brautechnik, Geländezukäufen bis zur Bahnlinie wurde die führende Stelle unter den Erlanger Exportbrauereien gefestigt. Die beiden Weltkriege trafen die Kapitalgesellschaft (seit 1904), die 1906 mit der Reifbrauerei fusionierte, aufgrund der Exportorientierung besonders hart. © Stadtarchiv Erlangen/Stümpel

1868 kaufte Adam Weller eine auch am Bierexport beteiligte Brauerei, die es seit 1811 gab. Im Jahr des 100-jährigen Bestehens (1911) wurde das letzte Mal gebraut, nachdem Hans Weller die Brauerei 44 Jahre lang geführt hatte. Auch die Gaststätte wurde noch im selben Jahr geschlossen.
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1868 kaufte Adam Weller eine auch am Bierexport beteiligte Brauerei, die es seit 1811 gab. Im Jahr des 100-jährigen Bestehens (1911) wurde das letzte Mal gebraut, nachdem Hans Weller die Brauerei 44 Jahre lang geführt hatte. Auch die Gaststätte wurde noch im selben Jahr geschlossen. © privat

Nach 1890 begann der Glanz der Erlanger Brauereien zu verblassen. Dann kam der 1. Weltkrieg und die Inflation im Jahr 1923.
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Nach 1890 begann der Glanz der Erlanger Brauereien zu verblassen. Dann kam der 1. Weltkrieg und die Inflation im Jahr 1923. © Stadtarchiv Erlangen

In der Hauptstraße 116 braut bereits 1617 der Brauer Wolff Maisenbuech Bier. Erst unter Georg Bechert (ab 1848) und später Carl Steinbach (ab 1861) setzte ein starker Aufschwung im Brauereibetrieb ein. Im Inflationsjahr 1923 wurde das Braukontingent an das Brauhaus Nürnberg verkauft. Der Urenkel Carl Steinbachs, Diplombraumeister Christoph Gewalt, knüpfte 1995 an die Brautradition an und setzte ein kleines Spezialitäten-Sudwerk in Betrieb.
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In der Hauptstraße 116 braut bereits 1617 der Brauer Wolff Maisenbuech Bier. Erst unter Georg Bechert (ab 1848) und später Carl Steinbach (ab 1861) setzte ein starker Aufschwung im Brauereibetrieb ein. Im Inflationsjahr 1923 wurde das Braukontingent an das Brauhaus Nürnberg verkauft. Der Urenkel Carl Steinbachs, Diplombraumeister Christoph Gewalt, knüpfte 1995 an die Brautradition an und setzte ein kleines Spezialitäten-Sudwerk in Betrieb. © Stadtarchiv Erlangen/Axel Dorsch

Nach Schließung der Erlanger Braustätten Henninger und Erich profitierte Kitzmann, hier ein LKW der Firma aus dem Jahr 1930, als einziger verbliebener Erlanger Braubetrieb vom Lokalbewusstsein der Erlanger. Den Betrieb gibt es bis heute.
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Nach Schließung der Erlanger Braustätten Henninger und Erich profitierte Kitzmann, hier ein LKW der Firma aus dem Jahr 1930, als einziger verbliebener Erlanger Braubetrieb vom Lokalbewusstsein der Erlanger. Den Betrieb gibt es bis heute. © Kirtzmann

Zu den beiden großen Brauereien Steinbach und Kitzmann gesellen sich mittlerweile viele Hobby-Brauer und die
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Zu den beiden großen Brauereien Steinbach und Kitzmann gesellen sich mittlerweile viele Hobby-Brauer und die "Bürgerbrauerei" Weller. Getragen von der Bergkirchweih, die Ruf und Größe auch den vormaligen Erfolgen der Exportbierbrauereien verdankt, hat sich das Bier-Bewusstsein in Erlangen bis heute gehalten. © Brauereien