Dienstag, 02.06.2020

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Klimanotstand: Kein Feuerwerk mehr bei Schlossgartenfest?

Die FAU Erlangen-Nürnberg und die Organisatoren von Klassik am See denken um - 20.11.2019 06:00 Uhr

Schöner Nebeneffekt, aber wirklich zwingend notwendig? Beim Erlanger Schlossgartenfest könnte künftig das große Feuerwerk wegfallen. Der Umwelt zuliebe.


Ganz klar, in einer Stadt, die den "Klimanotstand" ausgerufen hat und in der die "Fridays for Future"-Bewegung äußerst aktiv ist, werden immer mehr Gewohnheiten auf den Prüfstand kommen, die nicht komplett mit Bemühungen für den Umweltschutz in Einklang zu bringen sind. Beispielsweise Feuerwerke.

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Der erste Ton fiel, Erlangen tauchte in Abendstimmung und sogleich wurde es magisch: Star-Geiger Nigel Kennedy machte aus "Klassik am See" am Dechsendorfer Weiher ein "Jazz am See". Hunderte Zuschauer lauschten dem Musiker in seiner fünfsätzigen Komposition zusammen mit den Hofer Symphonikern. Zusammen näherten sie sich den Themen Jazz, Rock, Klezmer, Irish Folk, Orientalik und Elektronik an.


Gerade wenden sich die Veranstalter von Klassik am See via Facebook für ein Stimmungsbild über den farbenfrohen Abschluss der Konzertreihe an die Öffentlichkeit. Jan-Peter Dinger, Geschäftsführer des Vereins Klassikkultur, konnte viele Jahre meist positive Resonanz vernehmen. Nicht selten von Anwohnern, die vom Garten oder vom gegenüber liegenden Ufer des Dechsendorfer Weihers aus das Spektakel mitverfolgten. Doch das Feedback hat sich verändert.


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"Die kritischen Stimmen bezüglich des Themas mehren sich in Politik und Gesellschaft", berichtet Dinger und ergänzt: "Auch bei uns im Verein und im Organisationsteam sind nicht alle mehr von der Notwendigkeit eines Feuerwerks überzeugt." Denn: "Wir wollen uns innovativ, nachhaltig und umweltfreundlich verhalten. Deshalb achten wir ohnehin schon besonders auf die Natur, die unsere einzigartige Konzertkulisse umgibt."

Derzeit veranstaltet der Verein auf Facebook eine Umfrage, die zeigt, dass sich die Zahl der Feuerwerk-Freunde und -Gegner nahezu die Waage hält – mit leichten Vorteilen bei denjenigen, die auf ein Feuerwerk verzichten könnten. Dieses Ergebnis deckt sich mit Beobachtungen, die Dinger und sein Team machen, wenn der letzte Takt des Konzertabends verklungen ist: "Die eine Hälfte des Publikums blickt begeistert zum Feuerwerk, die andere eilt zum Ausgang, um per Shuttle-Bus oder mit ihren Autos schnell nach Hause zu kommen."


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Und dann gibt es noch ein zweites, alljährliches Groß-Feuerwerk. Beim Schlossgartenfest ist sowohl das Barockfeuerwerk als auch das anschließende Hochfeuerwerk eine der Attraktionen der langen Ballnacht. Aber auch die Traditionsveranstaltung der Friedrich-Alexander-Universität könnte in naher Zukunft ausgeballert haben.

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Bunte Lichter und ein großes Feuerwerk beim Schlossgartenfest

Furioses Finale beim Erlanger Schlossgartenfest: Nachdem stundenlang geschunkelt, geschaukelt und gespeist wurde, erleuchteten am späten Abend Feuerwerkskörper den Himmel über dem Schloss.


Eventuell bereits im kommenden Jahr: "Es gibt Überlegungen, das Feuerwerk abzuschaffen", bestätigt Katrin Piecha von der FAU-Pressestelle auf Nachfrage der Erlanger Nachrichten. Auslöser sei auch hier die Klima-Debatte gewesen. Bei der FAU wird bereits nach möglichen Alternativen wie Laser- oder Licht-Shows Ausschau gehalten.


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Zur Erinnerung: Bereits Anfang des Jahres fand bundesweit eine Debatte rund um die Feuerwerke statt. In Berlin meldeten sich die Grünen mit der Idee zu Wort, Verkauf und Gebrauch von Böllern zu Silvester ganz zu verbieten. Stattdessen soll es mehr öffentliche Feuerwerke geben. An Silvester geben die Bundesbürger laut Umweltbundesamt bis zu 150 Millionen Euro für Pyrotechnik aus und setzen rund 4500 Tonnen Feinstaub frei. Das entspricht 15,5 Prozent dessen, was der Autoverkehr pro Jahr ausstößt.

 

Die EN-Nachfrage, ob die Universität mit Blick auf die Feinstaub-Belastung auf das Feuerwerk verzichten solle, beantwortete der damalige Vorsitzende der Erlanger Kreisgruppe des Bund Naturschutz, Herbert Fuehr, folgendermaßen: "Nein, das muss sie nicht. . . niemand braucht ein schlechtes Gewissen zu haben. Eine Stadt, die regelmäßig vom Autoverkehr verstopft ist, hat wirklich andere Feinstaubprobleme als die eines Schlossgarten-Feuerwerks."

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