Dienstag, 10.12.2019

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Kommentar: Name ist eine Schande für Erlangen

Die Umbenennung des Langemarckplatzes ist längst überfällig - 19.11.2019 11:00 Uhr

Der Langemarckplatz und die Mensa - hier bei einer Protestaktion der Erlanger Gruppe von „Extinction rebellion“ (XR). © EN-Archiv


Am 10. November 1914 fand bei dem westflandrischen Dorf Langemarck eine der blutigsten und verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs statt. In drei großen Gefechten kämpften und starben allein auf deutscher Seite rund 2000 Soldaten. Die beteiligten Regimenter bestanden dabei größtenteils aus jungen Kriegsfreiwilligen, die schlecht ausgebildet waren und über keinerlei Kampferfahrung verfügten.

 

Bleibende Bekanntheit erlangte die erste Flandernschlacht durch den Langemarck-Mythos. Demnach sollen vier deutsche Regimenter, bestehend aus Abiturienten und anderen jungen Männern, bei dem Ort Langemarck nahe Ypern in Belgien singend in den blutigen Kampf gezogen sein. Fast alle wurden getötet.

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Sanierte Mensa in Erlangen: Großer Andrang bei Eröffnung

Zwei Jahre lang war das mehr als 80 Jahre alte Gebäude saniert worden. Das Ergebnis kommt bei den Studenten überwiegend positiv an. Das Interesse am neuen Ambiente der Mensa in Erlangen war dementsprechend groß: 700 Besucher strömten zur Wieder-Eröffnung an den Langemarckplatz.


Später lief die Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten an, diese überhöhten den Tod der Soldaten zum "Mythos von Langemarck", um junge Menschen in den Krieg und damit in den Tod zu schicken. Darüber hinaus erhielt die sogenannte 27. SS-Freiwilligen-Grenadier-Division 1943 den "Ehrennamen" Langemarck. Außerdem wurden zahlreiche Straßen und Plätze nach der Schlacht im Ersten Weltkrieg umbenannt oder "Ehrenmale" errichtet.

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So auch in Erlangen, wo die Nazis 1937 den Puchtaplatz – benannt nach dem Juristen Georg Friedrich Puchta – in Langemarckplatz umbenannten. Leider gibt es bundesweit noch genügend Langemarckstraßen und -plätze, doch in vielen Städten regt sich Widerstand. Jüngstes Beispiel ist die Stadt Augsburg. Dort hat eben erst der Kulturausschuss des Stadtrates einstimmig (!) beschlossen, die dortige Langemarckstraße wegen des Bezugs zur NS-Zeit umzubenennen.

Auf dem Langemarckplatz will das Studentenwerk eine Kinderkrippe und ein Studentenwohnheim bauen. © Klaus-Dieter Schreiter


Auch in Erlangen gab es in der Vergangenheit Bestrebungen, den Langemarckplatz an der Mensa umzutaufen. Zuletzt gab es die Überlegung, ihn als Kurt-Eisner-Platz zu bezeichnen. Doch stattdessen fiel die Wahl auf den tristen Platz hinter dem Rathaus, der nun den ersten Ministerpräsidenten Bayerns würdigen soll. OB Janik begründete die Entscheidung mit einer "kritischen Erinnerungskultur", die sich in den letzten Jahren gebildet habe. "Diese hätten wir mit einer Umbenennung beendet", sagte der OB damals.

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Die bewegte Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität

Über 300 Jahre ist das Markgräfliche Schloss in Erlangen alt. Bereits 1743 verkehrten rund um die Stadtresidenz die ersten Studenten. Seither hat die FAU einen Brand, zwei Weltkriege und mehrere bauliche wie politische Umwälzungen erlebt. Von NS-Propaganda bis Studentenbewegung: Wir haben die Geschichte der Erlanger Uni zusammengefasst.


Vielleicht bieten aberdie jetzigen Pläne des Studentenwerks Erlangen die Chance, den Langemarckplatz erneut in den Fokus zu rücken. Die Namensänderung ist längst überfällig.

 

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