Kommentar: Name ist eine Schande für Erlangen

19.11.2019, 11:00 Uhr
Der Langemarckplatz und die Mensa - hier bei einer Protestaktion der Erlanger Gruppe von „Extinction rebellion“ (XR).

Der Langemarckplatz und die Mensa - hier bei einer Protestaktion der Erlanger Gruppe von „Extinction rebellion“ (XR). © EN-Archiv

Am 10. November 1914 fand bei dem westflandrischen Dorf Langemarck eine der blutigsten und verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs statt. In drei großen Gefechten kämpften und starben allein auf deutscher Seite rund 2000 Soldaten. Die beteiligten Regimenter bestanden dabei größtenteils aus jungen Kriegsfreiwilligen, die schlecht ausgebildet waren und über keinerlei Kampferfahrung verfügten.

 

Bleibende Bekanntheit erlangte die erste Flandernschlacht durch den Langemarck-Mythos. Demnach sollen vier deutsche Regimenter, bestehend aus Abiturienten und anderen jungen Männern, bei dem Ort Langemarck nahe Ypern in Belgien singend in den blutigen Kampf gezogen sein. Fast alle wurden getötet.

Später lief die Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten an, diese überhöhten den Tod der Soldaten zum "Mythos von Langemarck", um junge Menschen in den Krieg und damit in den Tod zu schicken. Darüber hinaus erhielt die sogenannte 27. SS-Freiwilligen-Grenadier-Division 1943 den "Ehrennamen" Langemarck. Außerdem wurden zahlreiche Straßen und Plätze nach der Schlacht im Ersten Weltkrieg umbenannt oder "Ehrenmale" errichtet.

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So auch in Erlangen, wo die Nazis 1937 den Puchtaplatz – benannt nach dem Juristen Georg Friedrich Puchta – in Langemarckplatz umbenannten. Leider gibt es bundesweit noch genügend Langemarckstraßen und -plätze, doch in vielen Städten regt sich Widerstand. Jüngstes Beispiel ist die Stadt Augsburg. Dort hat eben erst der Kulturausschuss des Stadtrates einstimmig (!) beschlossen, die dortige Langemarckstraße wegen des Bezugs zur NS-Zeit umzubenennen.

Auf dem Langemarckplatz will das Studentenwerk eine Kinderkrippe und ein Studentenwohnheim bauen.

Auf dem Langemarckplatz will das Studentenwerk eine Kinderkrippe und ein Studentenwohnheim bauen. © Klaus-Dieter Schreiter

Auch in Erlangen gab es in der Vergangenheit Bestrebungen, den Langemarckplatz an der Mensa umzutaufen. Zuletzt gab es die Überlegung, ihn als Kurt-Eisner-Platz zu bezeichnen. Doch stattdessen fiel die Wahl auf den tristen Platz hinter dem Rathaus, der nun den ersten Ministerpräsidenten Bayerns würdigen soll. OB Janik begründete die Entscheidung mit einer "kritischen Erinnerungskultur", die sich in den letzten Jahren gebildet habe. "Diese hätten wir mit einer Umbenennung beendet", sagte der OB damals.

Vielleicht bieten aberdie jetzigen Pläne des Studentenwerks Erlangen die Chance, den Langemarckplatz erneut in den Fokus zu rücken. Die Namensänderung ist längst überfällig.

 

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