Kritische Erlanger Ausstellungen mit brisanten Themen

17.4.2016, 06:00 Uhr
Kritische Erlanger Ausstellungen mit brisanten Themen

© Harald Sippel

ERLANGEN — Heiße Eisen gibt es in der „Villa an der Schwabach“ immer wieder. Nun aber zeigt die Stätte der evangelischen Erwachsenenbildung in der Hindenburgstraße 46a bis 30. Juni (nur bei vorheriger Anmeldung) eine Schau, die für Furore sorgen dürfte: Karikaturen zu Religion und Glaubensfragen. „Juckpuler für Scheinheilige“ heißt der Streifzug durch mehrere Jahrhunderte satirischer Darstellungen.

Entstanden ist die Zusammenstellung aus einem Seminar der Christlichen Publizistik der Friedrich-Alexander-Universität (FAU): Professor Hans Jürgen Luibl, der zugleich der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Erwachsenenbildung in Bayern ist, hat mit seinen Studierenden Karikaturen ausgewählt, historisch eingeordnet und analysiert.

Der Betrachter weiß bei den Bildern nicht immer: Soll er lachen — oder heulen? Wenn etwa ein vermeintlicher Dschihadist sich auf einer Zeichnung, die im März 2015 in der FAZ erschienen ist, einen Oscar für das beste Hinrichtungsvideo erhofft — unter dem Titel „Der Traum des Islamisten“.

Muslime waren miteinbezogen

Gerade Muslime reagieren oft besonders empfindlich auf Kritik und Karikaturen. Haben die Veranstalter Sorge vor negativen Reaktionen aus der Community? „Bei der Konzeption waren muslimische Vertreter miteinbezogen; was aber radikalere Kräfte machen, wissen wir nicht“, sagte Luibl am Rand der Ausstellungseröffnung unserer Zeitung. Ein letzter Rest an Risiko bleibe bestehen. Auf die umstrittenen Mohammed-Karikaturen habe man ohnehin verzichtet.

Auch die Christen kriegen ihr Fett weg — etwa mit dem (evangelischen) Alkoholfall Käßmann oder dem (katholischen) Missbrauchsskandal. Besonders wertvoll sind die ergänzenden Erklärtafeln an den Wänden und ein ausführliches Begleitprogramm in den nächsten Wochen. Weitere Informationen gibt es telefonisch unter: (0 91 31) 2 00 13 sowie im Internet unter www.bildung-evangelisch.de

Mit einem brandaktuellen Thema befasst sich auch die Universität im Ausstellungsraum im Neubau der Universitätsbibliothek (Schuhstraße 1a): nämlich, wie sich Datenschutz und Informationstechniken in den vergangenen 2500 (!) Jahren gebildet und weiterentwickelt haben. Neben etlichen Schriftstücken sind dabei bis 20. Mai unter anderem Magnettrommelspeicher (1961) und Lochstreifen (1967) zu sehen: geöffnet Montag bis Freitag 10 bis16 Uhr.

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