Jubiläumsjahr

Laubhütte XXL in Erlangen: Aktion gegen Antisemitismus und Vorurteile

18.9.2021, 10:30 Uhr
Das Laubhüttenfest begehen Jüdinnen und Juden 2021 zwischen 20. und 27. September.

Das Laubhüttenfest begehen Jüdinnen und Juden 2021 zwischen 20. und 27. September. © Julian Stratenschulte/dpa, NN

Die bundesweite Aktion "Sukkot XXL - Das größte Laubhüttenfest" könnte für Erlangen gar keinen besseren Zeitpunkt haben: Fast zeitgleich mit dem Fest des jüdischen Lebens am Sonntag, 19. September 2021, um 17 Uhr startet auf dem Rathausplatz auch das ungewöhnliche Projekt.

Offiziell geht am Montag, 20 September, eine besonders anspruchsvolle und ansprechende Programmwoche des Jubiläumsjahrs "321 - 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" los: Zum ersten Mal in Deutschland werden dabei in 13 Bundesländern bis Montag, 27. September, anlässlich des jüdischen Festes "Sukkot" rund 40 Laubhütten im öffentlichen Raum errichtet, eine davon mitorganisiert von der Jüdischen Kultusgemeinde (JKG) Erlangen.

Die Sukka, also die Laubhütte, in der Hugenottenstadt steht aber schon während des Festes des jüdischen Lebens, mit dem die Gemeinde sich präsentieren und um Spenden für eine eigene Synagoge werben will.

Vier mal vier Meter groß

Rund vier mal vier Meter umfasst die Laubhütte, die Interessierte - natürlich unter Einhaltung aller Corona-Maßnahmen - vor dem Rathaus betreten können, dazu stellt der Verein, der das Jubiläumsjahr deutschlandweit organisiert, Broschüren und Infomaterial zur Verfügung.

Die JKG Erlangen hat sich für ihre Teilnahme am bundesweiten Projekt sogar noch mehr ausgedacht: So gibt es eben dort, auf dem Rathausplatz, am Freitag, 24. September, 14 Uhr, eine kleine Sukkotfeier mit musikalischer Begleitung der Klezmer Band Freilach mit Klarinettist Leonid Khenkin. Am Sonntag, 26. September, 14 Uhr, sowie am Montag, 27. September, 12 Uhr, stellt Kantor Yonatan Amrani traditionelle Musik vor; zudem berichtet er über die Synagoge Erlangen und das jüdische Laubhüttenfest.

Doch was ist das eigentlich? Der hebräische Name „Sukkot“ steht für jene Laubhütten, in denen nach biblischer Überlieferung die jüdischen Familien während ihrer vierzigjährigen Wüstenwanderung lebten, das "Sukkot"-Fest gehört somit zu den Wallfahrtfesten. Das Motiv des Gottvertrauens in schwieriger Lage wird in der jüdischen Tradition sehr eng mit der Wüstenerzählung und der Erinnerung an ihren glücklichen Ausgang verbunden, das Fest erinnert unter anderem an ein Nomadendasein und die Labilität von (Lebens-)Situationen.

JKG Erlangen will über Traditionen informieren

Das aber wissen die wenigsten Nicht-Juden. Deshalb möchte der Verein mit der Aktion vor allem über jüdische Traditionen informieren, auch die JKG Erlangen möchte somit aufklären, sagt die Vorsitzende Ester Limburg-Klaus.

Das ist in einer Zeit, in der Judenfeindlichkeit gerade auch bei Corona-Leugnern und Querdenkern erstarken, dringend nötig. Soll die Präsentation in der Öffentlichkeit dazu beitragen, Antisemitismus entgegenzuwirken? "Ja, natürlich", antwortet Limburg-Klaus auf Nachfrage. "Es dient auch wieder dazu, Vorurteile abzubauen und das jüdische Leben überhaupt erst einmal bekannt zu machen, was ja im Allgemeinen nicht so der Fall ist."

Auch der Antisemitismusbeauftragte der Staatsregierung, Ludwig Spaenle, setzt beim Kampf gegen antisemitisches Gedankengut vor allem auf Wissensvermittlung. Mit Blick auf die Zukunft liege in Bildung und Aufklärungsarbeit der Schlüssel zur Vermittlung von Wissen über Jüdinnen und Juden in Bayern und in Deutschland, sagt er auf Anfrage.

Mit einer entsprechenden Bildungsarbeit von Schulen und außerschulischen Bildungsträgern "auf der Höhe der Zeit" könne man die wichtige Grundlage für die Zukunft legen. Hier gehe die Politik mit Schulen und Erwachsenenbildungseinrichtungen einen gemeinsamen Weg, so der CSU-Politiker weiter.

Bewussten Leugnern von Fakten, Sprachrohren von Fake News ebenso wie manchen Querdenkern sei schwer wirksam zu begegnen, räumt er ein, denn sie verbreiteten ihre Botschaft in der Regel in geschlossenen Zirkeln und über soziale Medien in Filterblasen. Spaenle stellt klar: "Wo man ihre Meinungen wahrnimmt, gilt es diesen zu widersprechen und sobald diese den Rahmen des Strafrechts überschreiten, gilt es, Polizei und Justiz zu informieren."

Erst in der Nacht zum Donnerstag, 16. September 2021,war ein mutmaßlich islamistisch geplanter Anschlag auf die Synagoge in Hagen vereitelt worden.

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