Lydia Haubenreich: Die Frau für alles bei der Spieli

30.3.2019, 11:00 Uhr
Seit 44 Jahren Mitglied bei der Spieli: Lydia Haubenreich, hier mit den handschriftlichen Mitgliederlisten von früher. Foto:

Seit 44 Jahren Mitglied bei der Spieli: Lydia Haubenreich, hier mit den handschriftlichen Mitgliederlisten von früher. Foto: © Harald Hofmann

Das Alter sieht man an den Händen. Tiefe Adern bahnen sich über die Flächen ihren Weg wie Flüsse in einem hohen Gebirge. Zwei goldene Ringe zieren die gepflegten Finger. Der erste Eindruck aber täuscht. Diese Hände sind stark. Sie waren es in der Vergangenheit. Und sie sind es noch. Eine Zeit lang ging jedes neue Mitglied der Spielvereinigung Erlangen durch diese Hände.

Lydia Haubenreich führte Listen, später schrieb sie Karteikarten. Für jedes Mitglied eine. Tausend waren es 1975. Einen Computer gab es da noch lange nicht, da pflegte die 77-Jährige schon die Datenbank des ganzen Vereins. Doch die Erlangerin hat noch viel mehr gemacht für ihre Spieli. Sie kümmert sich um die Pflanzen auf dem Vereinsgelände, "weil es niemand gemacht hat", die Geburtstagskarten, die Gymnastikabteilung, Kinderturnen, Yoga. Ihren Ehemann hielt eine Fußballerin für den Hausmeister, Lydia Haubenreich putzt schon mal die Kabinen oder die Bürofenster.

"Wir kümmern uns eben um alles. Und wir brauchen das auch", sagt sie. "Die Spieli ist unsere sportliche Heimat." Soll sie davon erzählen, geht es in knapp 50 Jahren Vereinsgeschichte wild durcheinander. Manche Einzelheiten sind noch sehr präsent, andere tauchen überraschend im Gedächtnis auf. Dabei spricht Haubenreich klar, deutlich, immer freundlich. "Mir tut Yoga gut, auch wenn manches doch anstrengend ist". Herausforderungen aber hat sie nie gescheut. Weder heute, noch damals.

350 Mitglieder sind eingetreten, als sich bei der Spieli die Tennisabteilung neu gegründet hat. Auch Haubenreich, die viele Jahre zudem bei der SGS Faustball spielte, kam deshalb zum Verein. "Ich wollte gemeinsam mit meinem Mann, der schon bei der Spieli war, Sport machen." Kurz darauf hatte sie schon die ersten Aufgaben inne, saß alle Viertel Jahre nachts bis 1 Uhr im kleinen Büro an der Kurt-Schumacher-Straße, um Mitgliedsbeiträge abzurechnen.

Lange die einzige Frau im Vorstand

Lange war sie die einzige Frau im Vorstand — weil sie erkannt hatte, dass man nur dort etwas verändern kann. "Das hat mich beflügelt. Ich habe für Frauen etwas erreichen können." Schnell war sie Ansprechpartnerin für alle weiblichen Mitglieder, "so kam ich auch zur Gymnastik", sagt Haubenreich. Von 1990 bis 2012 war sie Abteilungsleiterin. Auf der Suche nach einer Trainerin, den Tipp bekam sie von einer anderen Übungsleiterin, klingelte sie schon mal an fremden Haustüren.

Mittlerweile hat Haubenreich alle öffentlichen Ämter abgegeben, als einzige Frau aber ist sie Ehrenmitglied bei der Spieli. Dennoch ist sie oft am Vereinsgelände, zwei Kilometer sind es von Zuhause zur Kurt-Schumacher-Straße. Peter Scholten hält sie für den richten Vereinsvorsitzenden, "einer der besten, den ich erlebt habe". Er hat sie vorgeschlagen für den Ehrenbrief, auch wenn sich Haubenreich "doch ein bisschen gewehrt" hatte zu Beginn. Als Anerkennung für ihre Leistungen braucht die Erlangerin keine Urkunden. "Ich habe so viele Ehrennadeln daheim", wichtig aber ist ihr das Ehrenamt an sich.

"Mein Traum: Eine eigene Gymnastikhalle"

Eine Tochter hat Lydia Haubenreich, und drei Enkel, alle Spieli-Sportler, wie sie stolz erzählt. "Mein Traum wäre, dass die Spielvereinigung noch eine eigene Gymnastikhalle baut." Einen Platz dafür wüsste sie schon. "Es könnte sein, dass es noch in Erfüllung geht." Zwei helfende Hände sind dem Verein auch bei diesem möglichen Projekt gewiss.


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