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Nach 54 Jahren: Autohaus Schlotthauer schließt

Die Konkurrenz wurde zu groß: Preiskampf machte dem Traditionsbetrieb zu schaffen - 19.09.2019 11:00 Uhr

Der Chef mit seinen Mitarbeitern: Thomas Schlotthauer (5. v. re.) hat wie alle anderen bereits eine neue Aufgabe gefunden. © Foto: Katharina Hülsmann/privat


46 Jahre lang hatte der Betrieb seinen Standort in Erlangen. Thomas Schlotthauer, Inhaber des Autohauses, erzählt von der Gründung des Betriebs durch seinen Vater im Jahre 1965. Damals wuchs das Autounternehmen flott und es dauerte nicht lange, bis die Firma 1973 den Umzug nach Erlangen wagte. 1990 trat Thomas Schlotthauer ins Unternehmen ein, um 2006 schließlich die Firma zu übernehmen. Er erzählt, wie er damals weiter kräftig den Umsatz steigern konnte, bis sich 2012 urplötzlich alles änderte.

"Schön, dass ich zur Probe fahren durfte, danke für die Beratung, aber woanders ist das Auto billiger", bekam man im Autohaus immer häufiger zu hören. Konkurrenz unter Unternehmen gab es natürlich schon immer, so Schlotthauer, aber 2012 schien es, als wäre "ein Schalter umgelegt worden". Seiner Einschätzung nach haben neun von zehn seiner Kunden die Wagen schlagartig nicht mehr bei ihm gekauft. "Die großen Autohäuser und Internethändler können Preise anbieten, die ich als mittelständischer Unternehmer nicht erreichen kann."

Die letzten Jahre des Autohauses waren für ihn und seine Frau besonders frustrierend und anstrengend, da das Geschäft seit 2012 keinen Gewinn mehr erzielte, nicht mehr profitabel war. Auch von der Politik hätte er sich mehr Unterstützung für mittelständische Unternehmen gewünscht. Neben dem Fachkräftemangel beklagt Schlotthauer auch die Kosten für die Ausbildung von eigenen Fachkräften. Denn die meisten Ausgebildeten wechseln zu meist größeren Firmen, während das Ursprungsunternehmen die Ausbildungskosten nicht mehr decken kann.

Mitarbeiter haben neue Jobs

Nach reiflicher Überlegung und ausgiebiger Beratung entschieden sich Thomas Schlotthauer und seine Frau Anfang 2019 schließlich, ihr Autohaus zu schließen und zu verkaufen. Das Gebäude übernimmt Stefan Fink mit einem BMW-Gebrauchtwarenhandel, die Übergabe gab es per Handschlag.

Das Ehepaar ist trotz des schweren Schrittes zufrieden mit dem Ablauf der Schließung: Durch den Verkauf des Gebäudes konnten sie diesen Lebensabschnitt nicht nur komplett schuldenfrei abschließen, sondern auch einen guten Teil des von der Familie aufgebauten Vermögens retten. Ganz besonders glücklich sind die beiden aber darüber, dass jeder ihrer zehn Mitarbeiter bei einem neuen Arbeitgeber untergebracht werden konnte. Dankbar sind sie auch dem Autohaus Baumann, bei dem sie den Arbeitsplatz für einen behinderten Angestellten finden konnten, sowie allen treuen Kunden.

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Zurzeit räumen Thomas und Christine Schlotthauer noch in ihrem früheren Autohaus auf, um den Platz für ihren Nachfolger zu bereiten. Für Thomas Schlotthauer war das Ende seines eigenen Traditionsbetriebes natürlich nicht leicht, aber letztlich dann doch erleichternd. Er freut sich schon auf die Zukunft: Als Unternehmer kümmert er sich fortan um den Verkauf von Fertighäusern in Heßdorf.

TIM KÖNIG

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