Nach den Ziegelbrennern werden Häuser hochgezogen

25.8.2007, 00:00 Uhr
Auf dem Spardorfer Ziegeleigelände an der Staatsstraße dürften bald die letzten Paletten mit Bausteinen verschwinden. Das Areal wird wahrscheinlich Wohn- und Gewerbesiedlung.

© Harald Hofmann Auf dem Spardorfer Ziegeleigelände an der Staatsstraße dürften bald die letzten Paletten mit Bausteinen verschwinden. Das Areal wird wahrscheinlich Wohn- und Gewerbesiedlung.

Im Juni 2008, so teilte Bürgermeister Bernd Höhlein auf Anfrage mit, läuft der Pachtvertrag zwischen dem Grundeigentümer der Ziegelei-Flächen und dem gegenwärtigen Nutzer, dem Großunternehmen Wienerberger, aus. Der Herzogenauracher Besitzer des Areals trage sich mit dem Gedanken, danach das Grundstück in ein Wohn- und Gewerbegebiet umzuwandeln. Sobald detaillierte Entwürfe dafür vorlägen, werde er sie im Gemeinderat diskutieren lassen.

Er persönlich, so sagte der Gemeindechef, könne sich eine solche Nutzung durchaus vorstellen - allerdings unter Vorbedingungen. Der Herzogenauracher Grundeigentümer, der vor Jahren das Firmengelände von den vormaligen Ziegeleibesitzern Schultheiss erwarb, müsse für die Verkehrserschließung des neuen Siedlungsgebiets sorgen und zudem eine Überprüfung auf Altlasten vornehmen.

Völlig auszuschließen seien Schadstoffe auf dem Gelände nämlich nicht, da in den zurückliegenden Jahrzehnten dort auch mit Schwerölverbindungen und Fettlösern gearbeitet worden sei und einst eine Tankstelle existierte. Für den Fall, dass man auf Verunreinigungen des Erdreiches stoße, müssten diese natürlich vor einer Wohnbebauung vom Geländebesitzer beseitigt werden.

Einen Erwerb des ehemaligen Ziegeleiareals durch die Kommune - sofern er überhaupt angeboten würde - schließt der Bürgermeister aus. Dies wäre für eine kleine und relativ finanzschwache Gemeinde wie Spardorf (1970 Einwohner) eine Nummer zu groß. Das Gesamtgrundstück hat eine Fläche von 80 000 Quadratmetern, von denen 20 000 qm teils unter Landschaftsschutz stehende Talräume und Weiherflächen sind.

Für ein Baugebiet verbleiben somit 60 000 Quadratmeter. Wohnbaugrundstücke in Spardorf werden zu einem Quadratmeterpreis von 300 Euro (plus 50 Euro Erschließungskosten) gehandelt; Gewerbeflächen seien mit 100 Euro pro Quadratmeter zu veranschlagen, meint der Bürgermeister. Rechnet man dies auf die Arealfläche hoch, so ergibt sich ein Grundstückswert von vielen Millionen Euro.

Von den 60 000 Quadratmetern muss erfahrungsgemäß ein Drittel zur Verkehrserschließung und für «Begleitgrün» verwendet werden. Der Rest würde aber immerhin noch für 80 Wohnbau-Grundstücke von 500 Quadratmetern Fläche reichen.

Gute Mischung gesucht

Mit einer reinen Wohnbebauung sei jedoch nicht zu rechnen, erklärt Bernd Höhlein. Ihm schwebe ein Mischgebiet mit zusätzlichen Flächen für Gewerbebetriebe an der Staatsstraße und der Ortszufahrt vor, die möglichst lärmarm sein sollten und als Schallschutz für dahinter liegende Wohnbauten dienen könnten. Bei Vorliegen eines konkreten Planungsentwurfs kann der Gemeinderat im Rahmen des Bebauungsplan- und Genehmigungsverfahrens Vorgaben machen und Festlegungen treffen.

Mit der zur Diskussion stehenden neuen Nutzung der Spardorfer Ziegelei ginge endgültig eine uralte Wirtschaftstradition am Ort zu Ende. Das frühere Unternehmen der Gebrüder Schultheiß war 1804 gegründet worden; Heimatkundler datieren die Spardorfer Ziegelherstellung sogar noch weiter zurück.

Nach dem Verkauf des Areals und der Produktionsübernahme durch den Pächter, der weltweit tätigen Wienerberger Ziegelindustrie GmbH (Hauptsitz Wien) hatten bis zur Produktionsstilllegung 2005 noch 54 Mitarbeiter am Standort Spardorf gewirkt. HEINZ GÖPFERT