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NASA-Mondmission funktioniert nur mit Navigationssystem aus Erlangens Partnerstadt Jena

Markus Hörath
Markus Hörath

Erlanger Nachrichten

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2.9.2022, 18:00 Uhr
Ohne den Sternsensor aus Jena würde das Crew Module Orion hilflos im All treiben.

 

© IMAGO/Pat Benic, IMAGO/UPI Photo Ohne den Sternsensor aus Jena würde das Crew Module Orion hilflos im All treiben.  

Es handelt sich dabei um den sogenannten Sternsensor, der sich in der Orion-Kapsel befindet, die sich an der Spitze der stärksten Rakete der Welt befindet. Entwickelt wurde er in Erlangens Partnerstadt Jena von der Firma Jena-Optronik. Wir sprachen darüber mit Jena-Optronik-Geschäftsführer Peter Kapell.

Herr Kapell, im Auto nutzen wir GPS zur Navigation. Das funktioniert aber nicht im Weltraum, oder?

Da Satelliten im Weltraum kein GPS zur Orientierung zur Verfügung steht, nutzen wir mit unseren Sensoren hierzu die Sterne.

Können Sie kurz erklären, was das Besondere Ihres Sternsensors ist?

Unsere Sternsensoren können auf unterschiedlichsten Raumfahrtmissionen eingesetzt werden.

Jena-Optronik-Geschäftsführer Peter Kapell.

Jena-Optronik-Geschäftsführer Peter Kapell. © Annett Feige, Jena-Optronik GmbH, NN

Entsprechend werden diese von unseren internationalen Kunden neben Satelliten auch auf Raumschiffen, wie zum Beispiel dem „Orion“ im Rahmen der aktuellen Artemis-Mond-Mission verwendet. Der Sternsensor ist sozusagen das Auge des Satelliten und funktioniert im Grunde wie eine Kamera. Wir - der Sensor - nehmen ein Bild des Sternenhimmels auf, vergleichen dieses nahezu in Echtzeit mit einem integrierten Sternenkatalog und können daraus die Lage bestimmen.

Das klingt irgendwie nach der Art von Navigation, wie sie in früheren Zeiten Seefahrer benutzten.

Das ist ein sehr treffender Vergleich. Vor allem, weil es in der Raumfahrt - so wie damals in der Seefahrt - auch um die Entdeckung neuer Welten geht. Heute zum Mond, morgen zum Mars und übermorgen darüber hinaus.

Warum wurde dieser Sternsensor nicht in den USA entwickelt, sondern in Jena? Wie hilfreich war und ist dabei die traditionelle Kompetenz in Jena im Bereich Optik?

Jena als „Optical Valley“ bietet traditionell ideale Voraussetzungen. Durch die gewachsene Kooperationslandschaft aus Unternehmen, Instituten und Hochschulen finden sich hier neben der einzigartigen Optikkompetenz auch die notwendigen Mechanik-, Elektronik- und Software-Fähigkeiten.

Diese lassen die Jena-Optronik seit Jahren Weltmarktführer im Bereich der Sternsensoren sein.

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