Neues Ausstellungskonzept für Synagoge in Ermreuth

28.1.2016, 17:30 Uhr
Der Landkreis Forchheim und die Gemeinde Neunkirchen bauen das Ermreuther Synagogen-Museum, das auch für Kulturveranstaltungen — wie hier ein Klezmer-Konzert — dient, zum lokalen Dokumentationszentrum aus.

Der Landkreis Forchheim und die Gemeinde Neunkirchen bauen das Ermreuther Synagogen-Museum, das auch für Kulturveranstaltungen — wie hier ein Klezmer-Konzert — dient, zum lokalen Dokumentationszentrum aus. © Rolf Riedel

Das betrifft vor allem das Museum für jüdische Kultur in dem zweistöckigen Gebäude, dessen Exponate noch wirkungsvoller ins Licht gerückt werden.

Die Verschönerungsaktion wird vom „Zweckverband Synagoge Ermreuth“ vorgenommen, den der Landkreis Forchheim und die Marktgemeinde Neunkirchen seit mehr als 20 Jahren bilden. Die Partner hatten das Baudenkmal von einer Genossenschaft erworben und vorbildlich saniert. Nun steht eine weitere Renovierungsaktion an.

Schicksal lebendig machen

Die Verbandsräte von Landkreis und Kommune befürworteten am Montag einstimmig das Umgestaltungskonzept, das in einer Rohversion schon im letzten Sommer vorgestellt worden war (wir berichteten). Nun lag ein detaillierter Umsetzungsplan vor, der unter anderem folgende Maßnahmen vorsieht: Die Ausstellung jüdischer religiöser Schriftstücke und Dokumente wird durch Fotos, Postkarten, Haushaltsgegenstände jüdischer Familien, Berichte von Zeitzeugen, Filme und Mitschnitte von Radiosendungen ergänzt. Dadurch soll die Geschichte der Vertreibung und das Schicksal der früheren jüdischen Gemeindemitglieder näher gebracht werden.

Bei der in den 1990er Jahren erfolgten Sanierung des Sakralgebäudes, das aus dem Jahr 1822 stammt, waren Spuren von Zerstörung und Zweckentfremdung beseitigt worden. Das war sinnvoll und gut, lässt aber äußerlich nicht mehr die wechselhafte und leidvolle Geschichte der Synagoge erkennen. Durch Gegenüberstellung in Bildern aus jüngerer und älterer Zeit soll die Bau- und Nutzungsgeschichte wieder sichtbar werden.

Zusammengefasst: Das Synagogenmuseum, in dem die Leiterin Rajaa Nadler eng mit Schulen und Erwachsenen-Bildungsstätten zusammenarbeitet, soll didaktisch neueste Standards erfüllen.

Einschließlich konservatorischer und baulicher Maßnahmen (Restaurierung von Ausstellungsstücken, Lichtschutz, Behebung eines Saaldeckenrisses und auch einer Drainage-Verlegung um das Gebäude) sind 180 000 Euro aufzubringen.

Anton Eckert, Kulturreferent des Landkreises, zeigte die vielen Geldquellen auf, mit denen gerechnet werden kann. Nicht weniger als 108 000 Euro sind aus dem „Leader-Programm Kulturerlebnis Fränkische Schweiz“ zu erwarten, das aus EU-Fördertöpfen gespeist wird, je 22 000 Euro steuern wohl die Oberfrankenstiftung Bayreuth und die Landesstelle für nichtstaatliche Museen bei. Hinzu kommen 1250 Euro Spenden eines Geldinstituts und einer Firma und 8750 Euro Zuwendung des Freundeskreises der Synagoge Ermreuth. Somit muss der Zweckverband nur 18 000 Euro Eigenmittel aufbringen. Bis Mai könnten die endgültigen Finanzmittelzusagen vorliegen und möglicherweise schon gegen Jahresende das Museum umgestaltet sein.

Kulturreferent Eckert lobte vor allem die Unterstützung durch den Freundeskreis. Solche Kultur-Fördervereine leisteten wertvolle Hilfe bei der Umsetzung von Projekten.

Mittelalterliches Gefängnis

Ein weiteres Beispiel dafür gebe es auch in Streitberg (Gemeinde Wiesenttal). Bei Instandsetzungsarbeiten auf der Ruine Streitburg sei ein mittelalterliches Gefängnis entdeckt worden. Ein Förderverein trage dazu bei, dass es für die Öffentlichkeit zur Besichtigung zugänglich gemacht werden kann.

Der Zweckverband Synagoge stimmte unter Leitung von Bürgermeister Heinz Richter (der Landrat war erkrankt) auch einhellig dem Haushalt 2016 für die Begegnungs- und Kulturstätte zu. Das Gesamtvolumen liegt bei 168 000 Euro, der Landkreis muss gut 46 000 und die Marktgemeinde 25 000 Euro zuschießen. Das Zahlenwerk hatte Neunkirchens Kämmerer Arne Schell erstellt, die ausführliche Vorlage zur Museums-Neugestaltung dessen Mitarbeiterin Sabine Nolte, die dafür ausdrücklich von Anton Eckert gelobt wurde.

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