Kunreuther Gasthaus

Nicht nur in Corona-Zeiten: Fertige Mahlzeiten aus dem Automaten

Sharon Chaffin
Sharon Chaffin

Redakteurin Erlanger Nachrichten

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20.6.2021, 12:30 Uhr
Die Besitzerin des Gasthauses Zum Schloss in Kunreuth, Heidi Derbuß, füllt den Automaten mit Speisen. 

Die Besitzerin des Gasthauses Zum Schloss in Kunreuth, Heidi Derbuß, füllt den Automaten mit Speisen.  © Sharon Chaffin

Kein Proviant mehr bei einer Wanderung? Ebbe im Kühlschrank, wenn schon alle Läden geschlossen sind? Kein Problem, es gibt ja schon in vielen Ortschaften oder bei Bauernhöfen Verkaufsautomaten, wo man 24 Stunden am Tag Milch und Käse, Frischwurst und Wurstkonserven bekommen kann, vielleicht auch eingelegtes Grillfleisch.

Im Umkreis des Walberlas aber einmalig ist wohl der Automat, der seit Anfang Mai 2021 vor dem Gasthaus zum Schloss in Kunreuth im Landkreis Forchheim steht: Hier gibt es auch Fertiggerichte, wobei der Begriff etwas irreführend ist.

Denn es handelt sich um frisch zubereitete Speisen, die Heidi Derbfuß auch in ihrem Gasthaus serviert und die sie haltbar macht, natürlich ohne dass Geschmack und Qualität darunter leiden. In Corona-Zeiten ist so etwas ideal.

"Ich hatte das schon länger im Kopf", sagt die Gastronomin. "Ich wollte unsere Speisen auch außerhalb der Öffnungszeiten anbieten können, und die sind, schon aus personellen Gründen, begrenzt". Auf der Homepage (www.gasthaus-zum-schloss.de) kann sich jeder über Öffnungszeiten informieren - und dann eben bei Bedarf seine Speisen im Automaten "Für daham" mitnehmen.

Bratwurstsülze, Leberknödel, Rinderrouladen, Kartoffelsalat: Der Automat kommt bei Stammgästen und neuen Kunden gleichermaßen gut an. 

Bratwurstsülze, Leberknödel, Rinderrouladen, Kartoffelsalat: Der Automat kommt bei Stammgästen und neuen Kunden gleichermaßen gut an.  © Sharon Chaffin

Eine Bereicherung ist es auch für Gäste, die in Ferienwohnungen in der Region Urlaub machen und "fränkisch" genießen wollen, aber an Ruhetagen auch oftmals vor verschlossenen Gasthäusern stehen.

Corona nun hat die Verwirklichung der Idee beschleunigt. Heidi Derbfuß schaute sich Automaten in der Umgebung an und dachte, es wäre doch gut, schon fertige Gerichte anbieten zu können. Und genau das ist dort jetzt möglich.

Wenn man durch Kunreuth fährt, fällt das halboffene Fachwerk-Holzhäuschen schon auf, in dem der Verkaufsautomat mit dem liebevollen Namen "Für Daham" untergebracht ist. Eine Konstruktion eigens für diesen Zweck von Familienmitgliedern gezimmert, gehobelt und gestrichen, mit Holz von Bäumen, "die gestern noch im Wald standen", erzählt Heidi Derbfuß verschmitzt, aber wegen des Borkenkäfers gefällt werden mussten. Das Häuschen schützt den Automaten, aber auch die Kundinnen und Kunden, die hier einkaufen wollen.

Das Angebot ist wirklich verlockend. Wurst gibt es selbstverständlich auch, Grillfleisch, Dosenwurst und frische Bratwürste ("das sind unsere Renner") - alles aus der Familienmetzgerei Hans Derbfuß in Gräfenberg. Daneben aber eben auch Antipasti, Leberknödel, Sauerbraten, Rinderrouladen, Rindergulasch, Krenfleisch, Sauce Bolognese, und als Beilagen Kartoffelsalat, Spätzle und Serviettenknödel.

Es sind Gerichte, die sie und ihr Team, fast alles Familienmitglieder, auch für die Gäste kocht, die man aber zudem gut einwecken kann; nach einem komplizierten schonenden Garverfahren werden die Halbkonserven hergestellt. Die Kunden können sich diese dann zuhause entweder in der Mikrowelle oder, wie die Wirtin sagt, "was besser ist auf dem Herd kurz warm machen."

Die Speisen wiederum sind umweltfreundlich in Gläser abgefüllt, die man wiederverwenden kann. Wer Gläser zurückbringt, bekommt sogar ein Pfand zurück.

Gute Resonanz

Der Erfolg gibt der 50-jährigen Schloss-Wirtin Recht. "Unser Automat ist von den Kunreuthern gut angenommen worden, viele Ausflügler machen hier Halt, um noch etwas einzukaufen, und es gibt auch viele unserer Kunden, die extra dafür herkommen".

Unter Stammgästen und auch neuen Kunden, die aus dem Landkreisen Forchheim und Erlangen-Höchstadt kommen, aber auch aus den Städten der gesamten Region wie Forchheim, Erlangen und Nürnberg, hat sich die Anschaffung schnell herumgesprochen. Manche fahren extra von weit her, um den Automaten anzusehen und natürlich auch auszuprobieren.

Die Menschen seien einfach flexibler geworden, in der Arbeitswelt und auch im Konsumverhalten, sagt die Besitzerin. "Mit unserem Automaten haben sie eine greifbare Alternative und wissen, dass es aus einer guten Küche kommt"

Die Bedienung ist kinderleicht

Manche hätten anfangs ein wenig skeptisch reagiert, weil das Angebot im Vergleich zu bestehenden Automaten etwas Neues war, aber das habe sich schnell gelegt.

Die Bedienung ist kinderleicht, Kartenzahlung gibt es allerdings nicht. "Aber die Bank ist nur ein paar Schritte entfernt", betont Heidi Derbfuß. Der Automat wechselt auch Scheine.

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