Paläobiologe der FAU schreibt am Weltklimabericht mit

Sharon Chaffin
Sharon Chaffin

Redakteurin Erlanger Nachrichten

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2.4.2019, 06:00 Uhr

© Archivfoto: David Goldman/dpa

Erst kürzlich wurde ein Antrag von jungen Klimaaktivsten befürwortet, wonach die Stadt den Klimanotstand ausrufen soll. Auch die Fridays-For-Future-Bewegung ist in Erlangen stark organisiert. Auf wissenschaftlicher Ebene wird ebenfalls am Thema Umweltschutz gearbeitet. Der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, zu Deutsch: Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen bzw. Weltklimarat) veröffentlicht alle sechs bis sieben Jahre Sachstandsberichte rund um das Thema Klimawandel. Der nächste Report soll im Jahr 2022 erscheinen und wie seine Vorgänger ebenfalls den aktuellen Forschungsstand zum Klimawandel umfassend bewerten.

Vor gut einem Jahr wurde der Inhaber des Lehrstuhls für Paläobiologie an der Friedrich-Alexander-Universtität (FAU), Prof. Wolfgang Kießling, als einer der Hauptautoren des Reports ausgewählt. Im Januar fand dazu bereits eines von insgesamt vier Treffen statt.

Der Erlanger Wissenschaftler hofft, dass der nächste Weltklimabericht auf die Politik eine möglichst große Wirkung hat und somit "ein neues Abkommen mit mehr Verbindlichkeit" zustande kommt. Beim nächsten Weltklimabericht werde man sich von dem Ziel, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen, verabschieden müssen. "Bei business as usual gehen wir davon aus, dass wir zwischen zwei und vier Grad mehr haben werden", sagt Kießling.

Das Schlimme ist für den Experten: "Es wird nicht einfach linear wärmer, sondern die globale Erwärmung beschleunigt sich". Dieser Aspekt sei in den vergangenen Weltklimaberichten unterschätzt worden. "Nun zeigen neue Arbeiten, dass sich der Meeresspiegelanstieg beschleunigt". Bis Ende des Jahrhunderts sei daher mit 60 Zentimetern Meeresanstieg zu rechnen. Das werde viele Küstenstädte in Bedrängnis bringen.

Abgestorbene Kiefern

Doch auch in Franken macht sich der Klimawandel bemerkbar, eine Folge sind laut Kießling die abgestorbenen Kiefern in Erlangen im Reichswald. Mittelfranken werde durch den Klimawandel noch trockener. "Wenn die Entwicklung weiter so geht, wie sie sich abzeichnet, werden wir, was Wasser betrifft, mittelfristig ein großes Problem bekommen". Trotz des erfolgreichen Volksbegehrens im Freistaat sei das Insekten- und infolgedessen das Vogelsterben ebenfalls noch nicht abgewendet.

Positiv sieht der Forscher allerdings vor allem eines: Heutzutage leugnet oder bestreitet kaum jemand ernsthaft den Klimawandel. "Der Klimawandel und seine Auswirkungen haben die gesamte Gesellschaft durchdrungen". Als Beispiel nennt er unter anderem die Klima-Freitage der Fridays for Future-Bewegung. "Ich finde es toll, dass es solche Aktivitäten gibt."

Seit mehreren Wochen gehen weltweit Kinder und Jugendliche für mehr Umwelt- und Klimaschutz auf die Straße. Auch in Erlangen schlossen sich bereits hunderte Schüler den Kundgebungen an.

Erst kürzlich (29. März) diskutierte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) mit Heranwachsenden bei einer Jugend-Klimakonferenz in der Hugenottenstadt. Allerdings gab es an der Veranstaltung auch Kritik, da offenbar die Schulleitungen die Teilnehmer aussuchten und die Debatten zudem hinter verschlossenen Türen stattfanden.

Zudem wurden am Mittwochabend (27. März) bei einer Bürgerversammlung in Erlangen zwei Anträge von jungen Klimaaktivisten angenommen.Gefordert wird darin unter anderem, in der Stadt den Klimanotstand auszurufen.

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