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Donnerstag, 15.04.2021

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Partysänger Peter Wackel: "Das ist mir zu versaut"

Zum Weltfrauentag ein Gespräch mit Peter Wackel über Frauenbilder, Musik und anzügliche Texte - 08.03.2021 18:00 Uhr

Als Kind wollte er an Fasching immer Prinzessin sein: Wackel ist Ehrensenator beim Nürnberger Trichter und hat zahllose Faschingsorden. Natürlich auch seinen eigenen Peter-Wackel-Orden - den man nicht geschmackvoll finden muss....

13.11.2020 © Roland Fengler


Herr Haas, wie viele Liebesbriefe bekommt Peter Wackel?
(lacht) Ach Gott, unzählige in den letzten 25 Jahren. Ich kann sagen, dass dieses Bild, dass Schlagersänger solche Fanpost bekommen wirklich stimmt. Wenngleich der klassische Liebesbrief ausgedient hat und E- Mails weicht. Aber 300 E-Mails im Jahr sind es schon.

 

Und wie viele Beschwerden von Aktivistinnen erreichen Peter Wackel?
Eigentlich gar keine. Meine Lieder sind ja nicht so frauenfeindlich. Die meisten handeln mehr von Party, Alkohol und guter Laune – also einem positiven Lebensgefühl. Sowas, wie rund um das Donaulied passiert ist, hatte ich jedenfalls noch nie als Reaktion.

 

Das verwundert einige womöglich, wenn man an Liedtexte wie "Joana, du geile Sau, geboren um Liebe zu geben" denkt, oder "Party, Palmen, Weiber und ’n Bier". . .
Gut, "Joana" ist natürlich schon 15 Jahre her, da waren die Damen noch nicht ganz so aggressiv.

 

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Wie sieht denn das Frauenbild von Peter Wackel aus?
Super respektvoll ist das, das ist mir auch sehr wichtig! Es ist ein wunderschönes Miteinander, schon immer. Das Schönste im Leben ist doch gute Laune und dabei auch einen Partner zu finden – ob das nun für eine Stunde, eine Woche oder ein ganzes Leben lang ist. Davon singe ich. Aber man muss die Lieder immer schon auch im Kontext sehen: "Party, Palmen, Weiber und ’n Bier" würde in der heutigen Zeit mit diesem Titel gar nicht mehr so funktionieren wie vor 23 Jahren, als der Song entstanden ist.

"Mädchen und Sangria vielleicht?"

Wie würde er heute heißen?
Keine Ahnung. "Mädchen und Sangria" vielleicht? Im Ernst: Davon halte ich wenig, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Dann dürfte man niemals Schlagermusik hören. Egal ob von Roland Kaiser oder von mir, da heißt es dann schnell: Oh Gott, in der heutigen Zeit ist das ja alles unmöglich, so etwas kann man nicht singen! Deshalb waren die Texte früher definitiv versauter als heute. Außer beim Rap. Da steige ich aus, weil das häufig einfach nur beleidigend ist.

 

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Muss sich der Partyschlager mit dem gestiegenen Selbstbewusstsein der Frauen verändern?
Bei mir nicht. Wir versuchen immer gute Laune und positives Lebensgefühl zu vermitteln. Das ist die Geschäftsidee, deshalb ist es für uns gerade mit Corona auch so schwierig. Dabei sehe ich mich und meine Musik als psychologische Stütze. Und nicht zu unrecht: Da sind die Reaktionen nicht nur auf Liebesbriefe zu reduzieren, sondern auf Männlein wie Weiblein, die schreiben: Ich brauch’ diese Lieder für mich, "Vollgas, Vollgas geben wir". Da werde ich doch garantiert nichts ändern.

 

Ihre Musik als Medizin in der Corona-Depression?
Ja, Dr. Wackel therapiert mit Musik. Nein, ich meine das ernst: Warum sind die Psychiatrien hier auf Mallorca voll seit einem Jahr? Natürlich therapiere ich im normalen Alltag, die Menschen wollen ja Familienprobleme vergessen, das Büro vergessen. Musiktherapie durch leichte Musik – da bin ich voll einverstanden und das macht mir auch Spaß!

 

„Dr. Wackel therapiert mit Musik“: Peter Wackel alias Steffen Haas.

07.03.2021


Was sagt Ihre Frau, wenn Sie ihr neue Songs vorstellen, in dem ein sehr, nunja, machohaftes Frauenbild herrscht?
Macholieder gibt es bei mir nicht. Es ist doch vielmehr immer ein Hinterherrennen: Die Männer den hübschen Damen. Und die Damen erwarten sich vielleicht aus ihrer Ehe ein bisschen mehr, vielleicht auch mal ein Abenteuer? Ganz ehrlich: Ich bin seit über 21 Jahren verheiratet, wir entscheiden die Lieder gemeinsam die ich singe – und eher sucht meine Frau die etwas versauteren Titel raus. "Ich weiß nicht mehr wie du aussiehst, kenn’ nicht deinen Namen – scheißegal" habe ich zum Beispiel abgelehnt. Produzent und Frau aber meinten, es wird ein Hit, ich solle das singen. Und so kam es dann auch. Dabei war es mir eigentlich zu heftig.

 

Gab es denn jemals ein Lied, das Sie abgelehnt haben, weil es Ihnen zu versaut war?
Ganz viele.

"Nach Corona singen wir 'Scheiß drauf'!"

Verraten Sie doch bitte mehr!
Ich habe einen geheimen Ordner, der heißt "Musikideen – Scheißangebote". Da findet man nur Dinge unter der Gürtellinie. Die hebe ich mir auf. Eines Tages, wenn ich mich mal mit ein paar Kumpels und ein paar Kisten Bier hinsetze, hören wir diese über hundert Songs durch. Die sind furchtbar, wirklich!

 

Herr Haas, wenn die Pandemie hoffentlich irgendwann vorüber ist: Welches ist das erste Lied, das Sie vor Publikum anstimmen werden?
Auf jeden Fall "Scheiß drauf", das muss sein. Wenn wir den ganzen Mist vergessen können, wenn wieder gefeiert werden kann und keiner mehr vereinsamt, dann wird zusammen lautstark "Scheiß drauf" gesungen, garantiert.

Interview: chb

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