Preisgekrönte Öko-Initiative in Neunkirchen

8.5.2021, 10:23 Uhr
Mit dem Renault Zoë der „Bürger-für-Bürger-Energie“ ist Stefan Lang ebenso zufrieden wie mit dem Carsharing-Prinzip.

Mit dem Renault Zoë der „Bürger-für-Bürger-Energie“ ist Stefan Lang ebenso zufrieden wie mit dem Carsharing-Prinzip. © Hans von Draminski

Lang nutzt den vollelektrischen Renault "Zoë" der Neunkirchener Genossenschaft "Bürger-für-Bürger-Energie" dann, wenn es um konkrete Transporte geht, die mit einem Drahtesel nicht zu bewältigen wären. Etwa das obligatorische Ikea-Regal. Lang ist selbstständig als "Medical Writer" tätig, der medizinische Fachtexte für verschiedene Auftraggeber verfasst. "Da kann ich relativ viel im Homeoffice arbeiten und bin nicht aufs Auto angewiesen", betont Lang.

Kein eigenes Auto nötig

Als Sozialarbeiterin muss seine Freundin öfter Strecken fahren, die per Fahrrad nicht mehr zu bewältigen wären. Auch sie greift gerne auf den elektrischen Kleinwagen der "Bürger-für-Bürger-Energie" zurück. Die Einsicht, dass es nicht immer notwendig ist, ein eigenes Auto zu unterhalten, setzt sich in immer breiteren Bevölkerungsschichten durch.

Auf E-Mobilität gesetzt

Ein Grund, warum die "Bürger-für-Bürger-Energie" als eingetragene Genossenschaft von vornherein auf Elektromobilität setzte, als das Carsharing-Projekt für Neunkirchen auf die Beine respektive Räder gestellt wurde. Eugen Rittmeyer vom BfB-Carsharing-Team hatte an sich damit gerechnet, mittelfristig drei Autos einsetzen zu können, das gibt die Nachfrage derzeit aber (noch) nicht her – was nach Rittmeyers Einschätzung auch der Pandemie geschuldet ist. Von der aktuell geringeren Resonanz profitieren Benutzer wie Stefan Lang: "Wenn ich das Auto per Internet für den nächsten Tag reservieren will, dann klappt das meistens auch." Für die seltenen Fälle, in denen das E-Auto schon vergeben ist, könne man meistens selber umplanen. Stefan Langs Fazit: Ein eigenes Auto lohnt sich für uns nicht", zumal es ja auch noch den ÖPNV gebe.

Zahlencode für Wandtresor

Lang stammt aus Erlangen, lebte lange in Marloffstein und zog vor einiger Zeit mit seiner Freundin nach Dormitz. Das Auto des BfB-Charsharings steht unweit des Busbahnhofs (Bahnhofstraße 10) an einer Wallbox geparkt; wer die "Zoë" nutzen will, bekommt einen Zahlencode für den Wandtresor, in dem sich der Autoschlüssel befindet.

Überschaubare Kosten

Die Kosten sind überschaubar: Man muss kein Genossenschafts-Mitglied sein, um das Auto fahren zu dürfen. Auch Stefan Lang ist "nur" Nutzer. Eine Kaution müsse hinterlegt werden, aber das empfindet Lang nicht als besondere Zumutung. Wer den kleinen Stromer braucht, zahlt als Nichtmitglied fünf Euro, als Mitglied sogar nur vier Euro pro Stunde. Ähnlich günstig fällt die Tagespauschale aus: 32 beziehungsweise 43 Euro. "Zu den genannten Preisen fallen keine weiteren Kosten zum Beispiel für gefahrene Kilometer und den Ladevorgang an unserer Ladesäule an. Allerdings sind Ladevorgänge an fremden Säulen vom Nutzer zu tragen", heißt es dazu auf der Homepage www.bfb-energie.de im Unterpunkt "Carsharing".

Weitere nachhaltige Projekte

Die Genossenschaft setzt sich auch mit anderen nachhaltigen Projekten auseinander, die dem Umweltschutz dienen, unter anderem der Errichtung von Photovoltaik-Anlagen, der Beteiligung an Windenergieanlagen, dem Bau von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) und Blockheizkraftwerken (BHKW), auch in Verbindung mit einem Nahwärmenetz sowie der Vermarktung der daraus gewonnenen Energien. Auf lange Sicht wolle sich die Genossenschaft mit der Errichtung von Speichersystemen für überschüssige Energie beschäftigen, gewonnen aus Photovoltaik und Windenergieanlagen ("power to gas").

Lokale Nutzung regenerativer Energien

Um die Energiewende voranzutreiben, legt die Genossenschaft einen klaren Schwerpunkt auf die lokale Nutzung regenerativer Energien und beteiligt sich dazu unter anderem an Windparks in Wattendorf-Stadelhofen und Betzenstein-Hüll, am Solarpark Uttenreuth und an der Photovoltaik-Anlage im Bauhof Neunkirchen.

Besuch von Minister Thorsten Glauber

Deshalb hatte die Genossenschaft kürzlich Besuch von Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber, der eine Auszeichnung des Wirtschaftsministeriums vorbeibrachte: Als "Gestalter im Team Energiewende Bayern" wurde die "Bürger-für-Bürger-Energie" prämiert. Damit werden "Leuchtturm-Projekte" in Bayern ausgezeichnet. "Staatsminister Hubert Aiwanger begrüßt es sehr, dass Sie mit Ihrem Projekt die Mobilitätswende in Ihrem Landkreis durch Aufklärung und ein konkretes Angebot voranbringen", heißt es in der Laudatio zum Preis.

 

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