Uni trotz Corona

So finden Studenten in Erlangen eine Wohnung

19.8.2021, 06:00 Uhr
Auf der Suche nach einer kleinen Wohnung oder einem WG-Zimmer bilden sich oft lange Schlangen bei Besichtigungsterminen, Online-Angebote werden mit Anfragen überhäuft. Ist das auch während Corona der Fall?

Auf der Suche nach einer kleinen Wohnung oder einem WG-Zimmer bilden sich oft lange Schlangen bei Besichtigungsterminen, Online-Angebote werden mit Anfragen überhäuft. Ist das auch während Corona der Fall? © Tobias Hase, dpa

Haufenweise Bewerbungen bei Studierendenwohnheimen, Wohngemeinschaften, die sich kaum retten können vor Anfragen und lange Schlangen bei den Besichtigungen für Ein-Zimmer-Apartments: Der ganz normale Wohnungsmarkt-Wahnsinn vor Beginn eines neuen Semesters. Junge Leute ziehen aus oder um, weil sie den Studienplatz wechseln, aus dem Ausland zurückkommen, ein neues Studium beginnen oder sich die alte WG auflöst. Seit Corona aber ist Präsenz an der Uni nicht mehr notwendig, Vorlesungen und Seminare werden digital verfolgt. Hat sich das auch auf die Wohnungssituation ausgewirkt? Ziehen die jungen Leute überhaupt noch in die neue Stadt, wenn das Universitätsleben (noch) nicht so ist, wie zuvor?


Studierende in Erlangen in Wohnungsnot


Weniger Wohngesuche der Studierenden

"Man merkt es", sagt Uwe Scheer, Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Studentenwerks Erlangen-Nürnberg. "Aber unsere Häuser sind auch in diesem Jahr voll belegt und wir können nicht alle Anträge versorgen." Normalerweise, sagt Scheer, erhält nicht einmal jeder vierte Bewerber einen Wohnheimplatz. "Das ist jetzt schon deutlich anders, wir haben einen Anfragenrückgang von rund 40%. Tagesaktuell ist der Stand (10. August 2021), dass wir bis 2019 etwa jede*n dritte*n bis vierte*n Bewerber*in in Erlangen zum Wintersemester mit einem Wohnplatz versorgen konnten. 2020 und – Stand heute – auch 2021 ist es etwa jede*r zweite."

Bilanz noch nicht möglich

Das Studentenwerk vermittelt Plätze in zwölf Wohnanlagen in Erlangen. Wie viele es in diesem Jahr genau sind, lasse sich laut Scheer allerdings noch nicht sagen und daher auch noch kein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr anstellen: "Eine Bilanz zum Wintersemesterstart lässt sich erst nach dem ersten Oktober wirklich ziehen, da vorher noch nicht alle Wohnplätze endgültig vergeben sind – zum Beispiel infolge kurzfristiger Studienplatzwechsel."

"Kein Unterschied festgestellt"

Auf einschlägigen Online-Portalen, wie WG-gesucht.de trudeln momentan, wie immer in den Wochen kurz vor dem Semesterstart, etliche Angebote ein. Auch Björn Kemmer, Marcel Breitkopf und Lampros Votsis suchen über das Portal ein neues WG-Mitglied für ihre Vierer-Wohngemeinschaft in Reuth. Marcel Breitkopf wohnt bereits seit vier Jahren dort und hat darum schon einige Mitbewohnerwechsel erlebt. In diesem Jahr findet ein größerer Umbruch statt: Alle drei Plätze werden beziehungsweise wurden bereits neu vergeben: "Ich habe im Vergleich zu den vorherigen Malen gar keinen Unterschied festgestellt", sagt Breitkopf. "Wir hatten auch diesmal keine Probleme, neue Mitbewohnerinnen und Mitbewohner zu finden."

Etwa fünf Anfragen haben sie bisher auf ihr Angebot erhalten, ähnlich viele wie die Jahre zuvor. Allerdings, ergänzt Kemmer, seien sie alle keine Studenten mehr, sondern bereits Berufseinsteiger und die WG läge zudem etwas außerhalb: "Gerade bei Studenten ist die zentrale Innenstadtlage wahrscheinlich beliebter, darum hat unsere Anzeige meist insgesamt etwas weniger Zulauf."

Ähnlich viele Bewerbungen wie vor Corona

Auch eine Vierer-WG aus Erlangen-Bruck hat ihr freies Zimmer kürzlich auf dem Online-Portal inseriert. Deren Mitglieder können nicht von einer gesunkenen Nachfrage berichten: "Wir haben es nicht gemerkt – weder bei der Anzahl noch bei der Art der Bewerbungen. Bei uns kamen rund 30 Anfragen an. Einige davon waren von ausländischen Studierenden oder Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern, viele davon aus Indien. Aber auch ebenso viele deutsche Studierende, die zum Beispiel einen Master beginnen oder aus einem Auslandssemester wiederkommen", sagt die 21-jährige Nina Zink.

Simon Engel ist vor einem Jahr aus Stuttgart in die WG in Bruck gezogen – zu Beginn seines Masterstudiums – und sagt, er habe das Gefühl gehabt, dass vor einem Jahr weniger Wohnungen angeboten wurden, als er erwartet hatte: "Ich dachte, es ziehen jetzt bestimmt viele nach Hause und es werden mehr Zimmer frei, aber das war nach meinen Erfahrungen überhaupt nicht der Fall. Wobei es aber tendenziell wohl etwas weniger Nachfrage gab."

Die Hoffnung auf "normales" Uni-Leben

Der 25-jährige Student hatte bei seinem Umzug während Corona die Hoffnung, dass im darauffolgenden Semester wieder Präsenzveranstaltungen angeboten werden: "Die FAU hatte damals nämlich noch geplant, bald in die Präsenz zurückzukehren. Ich wäre wahrscheinlich trotzdem umgezogen, aber das war noch ein Grund mehr."

Nina Zink ergänzt, dass sie das Gefühl hat, dass WGs besonders nach der langen Lockdown-Zeit gefragt sind: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Leute das Bedürfnis nach sozialen Kontakten haben und deshalb in eine WG ziehen wollen – auch wenn sie zum Beispiel vorher bereits alleine in einer Wohnung in Erlangen gewohnt haben oder aber hier einen Job anfangen."

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