Spannende Kunst-Rätselbilder

15.6.2010, 00:00 Uhr
Vera Leutloffs Bilder entstehen aus dem Gefühl für die optische Wahrnehmung von Farbräumen.

Vera Leutloffs Bilder entstehen aus dem Gefühl für die optische Wahrnehmung von Farbräumen. © Harald Hofmann

Vera Leutloff arbeitet mit thematisch verwandten Bildgruppen, vermeidet aber demonstrativ, daraus ein Gesetz der Serie zu entwickeln. Trotz des formal konsequent einem bestimmten Prinzip verpflichteten Bildaufbaus ist sie weder konstruktivistisch noch orientiert sie sich an der Doktrin der so genannten konkreten Kunst. Jedes Einzelbild gewinnt im Malprozess seine unverwechselbare Individualität.

Das wird besonders deutlich in den Arbeiten, die unter dem thematischen Oberbegriff »Vorbei« zusammengefasst sind, aufgebaut aus quer über die Leinwand parallel verlaufenden Farbstreifen. Diese minimalistische Grundstruktur hebt den Rhythmus hervor, der sich nicht aus einem konstruktiven Prinzip ergibt, sondern aus der assoziativen Arbeit mit der Farbe. Letzten Endes aus der Handschrift der Malerin, die auch den zufälligen Erscheinungen folgt, die sich aus dem Übergang der verschiedenen Farben ergeben.

Vorbeiziehen der Farben

Der Titel »Vorbei« ist offensichtlich nicht als Hinweis auf etwas Vergangenes zu verstehen, sondern meint das Vorbeiziehen der Farben vor dem inneren Auge der Malerin. Vera Leutloffs Bilder entstehen aus dem Gefühl für die optische Wahrnehmung von Farbräumen, die immer absolut gegenwärtig sind: Was die Bilder sagen wollen, ist auch zu sehen. Nichts weist auf verborgene Sinngebungen hin.

Das betrifft nicht zuletzt die Rolle der Bildkonstruktion, die sich in den als »Stangen« und »Kreise« bezeichneten Arbeiten in den Vordergrund zu drängen scheint. Tatsächlich aber ist die auffällige geometrische Ordnung durch die Farbperspektive gebrochen. Die Bilder sind räumliche Labyrinthe ohne Anfang und Ende, in denen sich das Auge des Betrachters verirrt. Rätselbilder, die umso spannender sind, als sie ihre Lösung für sich behalten.

Vera Leutloff malt im Grenzbereich zwischen Abstraktion und Gegenstand. Das bedeutet, dass jedes Bild sein eigener Gegenstand ist, nicht farbige Landschaft, sondern Landschaft aus Farbe. Die Abstraktion ist nicht auf die Formulierung von Bildgesetzen aus, sondern beruft sich auf den emotionalen Wert der Farben. Das Gegenständliche darf sich nicht in der Vorstellung eines realistischen Motivs verfestigen. Deshalb entwickelt ihre Bildreihe »Netze« einen Hang zur Stereotypie: Sie sind durch den romantischen Blick aus einem begrenzten Innenraum ins Freie bestimmt. Und das Alpenmotiv hebt zwar durch farbliche Variation der immer gleichen Ansicht den realistischen Anspruch des Gegenstandes auf, kommt aber über die räumliche Eindeutigkeit des Vorbildes nicht hinaus. KURT JAUSLIN

Vera Leutloff: Glow. KVE-Galerie, Hauptstr. 72. Bis 27. Juni, geöffnet: Di., Mi., Fr. 15 bis 18, Do. 15 bis 19, Sa. 11 bis 14 Uhr.