Jüdische Kultusgemeinde

Spenden-Kampagne für eine Synagoge in Erlangen

29.6.2021, 18:25 Uhr
 In einer alten Villa in der Rathsberger Straße in Erlangen hat die Jüdische Kultusgemeinde unter anderem eine Bibliothek und eine Synagoge eingerichtet.

 In einer alten Villa in der Rathsberger Straße in Erlangen hat die Jüdische Kultusgemeinde unter anderem eine Bibliothek und eine Synagoge eingerichtet. © Foto: Klaus-Dieter Schreiter

Im 19. Jahrhundert existierten im engeren Erlanger Umkreis fünf Synagogengebäude - in Bruck, Büchenbach, Dormitz, Forth, und (im etwas weiter weg gelegenen) Ermreuth. In Erlangen selbst gab es seit Beginn des 18. Jahrhunderts wegen eines markgräflichen Verbotes der Ansiedlung von Juden „auf unvordenkliche Zeiten“ keine Gemeinde und keine Synagoge. Dann aber, nach Gewährung der Freizügigkeit durch die bayerischen Behörden im Jahr 1861, kam es zu einer Umsiedlung der jüdischen Bevölkerung aus vielen kleineren Orten in die Städte, unter anderem auch nach Erlangen. Obwohl infolgedessen die dörflichen Synagogen eine nach der anderen geschlossen wurden, blieben die im Jahr 1871 gegründete (erste) Jüdische Gemeinde in Erlangen bis zu ihrer Auslöschung 1943 sowie ihre Nachfolgerin von 1997 in den vergangenen 150 Jahren ohne eigenes Bethaus.

Das Taharahaus auf dem Jüdischen Friedhof in Erlangen. 

Das Taharahaus auf dem Jüdischen Friedhof in Erlangen.  © Foto: Horst Linke

In den letzten 30 Jahren wurden drei Objekte angemietet und es entstand jeweils mit viel Optimismus und Aufwand ein Gemeindemittelpunkt. Immer wieder mussten die Mietverhältnisse jedoch beendet werden, und seit etwa drei Jahren sind aufgrund der Entwicklung in Teilen der deutschen Gesellschaft die behördlich angeordneten Sicherheitseinrichtungen so umfangreich geworden, dass nun auch das gegenwärtig angemietete (denkmalgeschützte) Objekt keine realistische Zukunft auf längere Sicht mehr hat.

Die Jüdische Kultusgemeinde Erlangen sucht deshalb einen "sicheren Hafen für die Zukunft". Sicherheit kann ihr - nach eigener Einschätzung - aber nur das unveränderliche Eigentum an einem Objekt bieten, welches den Anforderungen an die Umsetzung der jüdischen Religionsgesetze und ein gemeindliches Leben, aber insbesondere auch die Realisierung von behördlich geforderten Sicherheitsmaßnahmen ermöglicht. "Ohne ein Zuhause wird die Erlanger jüdische Geschichte möglicherweise endgültig zu Ende gehen", heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: "Erlangen will ein lebendiges Judentum. Die jüdische Bevölkerung will in Erlangen bleiben. Beides ist heute nur in einem eigenen Haus möglich. Eine Alternative dazu gibt es nicht."

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