Testpflicht an Schulen: Gurgeln in Erlangen geht weiter

10.4.2021, 15:28 Uhr
Daheim gurgeln und die Probe mit in die Schule nehmen – das könnte für Teilnehmer der Wicovir-Studie in der Stadt Erlangen zur Alternative fürs Stäbchen in der Nase werden.

Daheim gurgeln und die Probe mit in die Schule nehmen – das könnte für Teilnehmer der Wicovir-Studie in der Stadt Erlangen zur Alternative fürs Stäbchen in der Nase werden. © Eduard Weigert

Die an der Wicovir-Studie teilnehmenden Schulen aus der Stadt Erlangen und dem Landkreis Erlangen-Höchstadt dürfen hoffen, ihre Schüler mit Gurgelproben statt mit einem Nasenabstrich auf eine Infektion mit dem Coronavirus zu testen. Das belegt ein Schreiben des Kultusministeriums an alle Schulleitungen in Bayern, das am Freitagnachmittag im Hinblick auf die am Montag beginnende Testpflicht verschickt wurde.

Der Brief liegt der Redaktion der Erlanger Nachrichten vor. Wörtlich heißt es darin: "Schülerinnen und Schüler, welche an einem Pilotprojekt zur Gurgel-Pool-Testung oder ähnlichen vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) betreuten Projekten teilnehmen, können auch mit der Testung im Rahmen des Pilotprojekts ihrer Testverpflichtung (ggf. zumindest für einzelne zu leistende Testungen) nachkommen. Dies ist jedoch nur im Rahmen einer Ausnahmegenehmigung nach § 28 Abs. 2 der 12. BayIfSMV (Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, Anmerkung der Redaktion) von den Vorgaben des § 18 Abs. 4 der 12. BayIfSMV möglich und muss vorab von der Kreisverwaltungsbehörde im Einvernehmen mit der zuständigen Regierung genehmigt werden."

Das sagt das Gesundheitsministerium

Dass Anträge auf Ausnahmegenehmigungen Aussicht auf Erfolg haben, deutet ein Sprecher des Gesundheitsministeriums auf Nachfrage der Erlanger Nachrichten an: "Die Kreisverwaltungsbehörden können und werden voraussichtlich im Einvernehmen mit den Regierungen Ausnahmegenehmigungen für Pilotprojektteilnehmer für Pflichttestungen nach der BayIfSMV erteilen, um derartige Testungen zumindest teilweise als Pflichttestungen anzuerkennen."

Laut Sprecher ist ein differenziertes Vorgehen beabsichtigt: Bei Gebieten mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 100 soll auch ein am Freitag durchgeführter Gurgel-Pool-Test im Rahmen einer Ausnahmegenehmigung für die Testung am Montag anerkannt werden. Bei Gebieten mit einer 7-Tage-Inzidenz über 100 soll auf eine Testung am Montagmorgen im Klassenverband mittels Schnelltest umgestiegen werden und die Gurgel-Pool-Testungen auf Dienstag und Donnerstag verlegt werden. "Damit können für die Schulwoche eine ausreichende Sicherheit auch in Hochinzidenzgebieten erzielt und sämtliche Schultage abgedeckt werden", so der Sprecher.

"Die Kernfrage ist, ob unsere Pooltests die Selbsttests ersetzen können", sagt Unternehmer Thomas Wagner, Initiator der Wicovir-Studie und Ansprechpartner für die hiesigen Schulen. Entscheiden über die Ausnahmegenehmigungen müssten nun die Regierung von Mittelfranken, die Stadt Erlangen und der Landkreis Erlangen-Höchstadt. "Unser Ziel ist, die bisherige Abnahme und Frequenzen der Pooltests beizubehalten", sagt Wagner.

Ausnahmegenehmigung ab Dienstag?

Die drei Behörden haben laut Wagner alle noch am späten Freitagnachmittag schnell und positiv auf das sehr spät eingegangene Schreiben des Kultusministeriums reagiert. Wagner setzt darauf, noch am Montag von allen dreien Ausnahmegenehmigungen zu bekommen, die schon ab Dienstag gelten könnten.

Für die Schulen heißt das zumindest für Montag: Die Gurgeltests sind erstmal ein Angebot, das die verbindlich durchzuführenden Tests ergänzt. Wagner hofft, dass die Einrichtungen diese Doppelbelastung mitmachen und der Studie erhalten bleiben. "Ich habe bereits mehrere Rückmeldungen von Schulen bekommen, die positiv ausgefallen sind."

Doppelte Tests

Doppelt getestet wird kommende Woche etwa am Emmy-Noether-Gymnasium Erlangen – mit Schnelltests in den Klassenzimmern und mitgebrachten Gurgelproben. "Wir halten die Gurgelmethode für die bessere. Auch die Eltern sind total glücklich, dass es dieses Angebot gibt", sagt die stellvertretende Schulleiterin Annette Grasnick. Sie hofft, dass auch die anderen Schulen der Wicovir-Studie erhalten bleiben: "Es geht um Kontinuität. Und die erreichen wir nur, wenn bei den Testungen keine Lücke entsteht."

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