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Uni Erlangen: Wo bleibt das Chemikum?

Seit Jahren soll das Chemikum in zeitgemäße Gebäude ziehen. Doch passiert ist bis heute wenig. - 11.06.2021 06:00 Uhr

Baufällig und nicht mehr auf dem Stand der Zeit: Die Gebäude, in denen sich die naturwissenschaftliche Fakultät wie die Anorganische Chemie heute noch befinden.

10.06.2021 © Christoph Benesch


Im Mai 2018 stand Joachim Herrmann vor dem Neubau des Chemikums in der Nikolaus-Fiebiger-Straße. Er lächelte in die Kameras und erzählte, dass die erste Etappe nun gemeistert sei. Zurück blieb der zweite Teil des Chemikums in der Egerlandstraße, dessen neue Heimat mit dem zweiten Bauabschnitt "mit Hochdruck" (Herrmann) auf der gegenüberliegenden Seite des Neubaus vorangetrieben werden sollte.

Das neue Chemikum für die Naturwissenschaftliche Fakultät soll mit dem eröffneten Neubau durch einen unterirdischen Gang verbunden sein. Das Gebäude wird Räumlichkeiten für die Physikalische und Theoretische Chemie, das Computer Chemie Centrum, die Anorganische Chemie, die Fachdidaktik Chemie und Fachdidaktik Biologie, sowie Hörsäle und Werkstätten beinhalten.

Marode Gebäude aus den 70er Jahren

Es soll die Bestandsgebäude aus den 70er Jahren ersetzen, "deren Sanierung nach modernen Bedürfnissen aufgrund der technischen Gegebenheiten unmöglich ist", so die übereinstimmende Auffassung des Staatlichen Bauamtes, des Gewerbeaufsichtsamt und dem Versicherer, der Landesunfallkasse. Die Mängel, die auch der TüV aufführte, betrafen vor allem die Lüftungsanlage. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Arbeitsbedingungen in den chemischen Laboren nicht mehr den vom Staat gesetzten Sicherheitsanforderungen genügten, heißt es.

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Für die Planung des neuen Gebäudes wurden zweieinviertel Jahre veranschlagt. Und es ist nicht irgendein Bau: "Man muss wissen", sagt Luisa Weyers, studentische Senatorin, dass alle Chemiestudierenden in den ersten Semestern diese Gebäude für chemische Versuche besuchen müssen."

Betriebssicherheit nur bis 2024

Der von Herrmann versprochene Hochdruck ist also angebracht - auch aus einem anderen Grund: Die Gebäude- und Betriebssicherheit ist lediglich bis 2024 gegeben. Die Landesunfallkasse hatte schon vor einigen Jahren deutlich gemacht, dass der Betrieb über das Jahr 2024 hinaus "definitiv nicht geduldet" werde.

Laut Minister Herrmann hat die Staatsregierung im November 2019 dem Staatlichen Bauamt Erlangen-Nürnberg die Planungsaufträge für die vier dringlichsten FAU-Bauvorhaben, darunter das Chemikum, erteilt. Doch offenbar keine Geldmittel: Während im Haushalt 2017/18 noch für die Planungen des rund 220 Millionen Euro teuren Projektes 1,250 Mio. Euro aufgeführt waren, fand man im Doppelhaushalt 2018/2019 keinen Cent mehr dafür. Auch im Nachtragshaushalt ist kein Euro für den 2. Bauabschnitt vermerkt.

"Nutzung im nächsten Jahrzehnt"

"Das Bauministerium hat mir Ende März auf Nachfrage mitgeteilt, dass man vorhabe, noch bis in 2. Quartal 2025 lediglich zu planen und erst danach die Bauzeit zu beginnen, die bis Ende 2029 laufen solle", sagt Matthias Fischbach, Erlanger FDP- Bundestagsabgeordneter. "Die Nutzung des Chemikums kann nach diesen Planungen also frühestens im nächsten Jahrzehnt beginnen."

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Das Wissenschaftsministerium teilt mit: "Sobald die Bauvorhaben in wenigen Jahren in die tatsächliche Umsetzung gehen, wird sich das Staatsministerium für eine Verankerung der erforderlichen Mittel im Staatshaushalt einsetzen." Eine belastbare Aufschlüsselung sei "zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht leistbar". Die Kosten und Zeiträume würden vielmehr "im üblichen Verfahren sukzessive ermittelt".

500.000 Euro für notdürftige Sanierung

Wo sich hingegen etwas getan hat, sind die alten Bestandsgebäude in der Regensburger Straße in Nürnberg sowie in der Kochstraße, der Bismarckstraße und der Egerlandstraße in Erlangen: Hier wurden, wie Dieter Maußner, leitender Baudirektor des staatlichen Bauamts bestätigt, Sanierungsmaßnahmen angestoßen, um die Übergangsnutzung über 2024 hinaus zu sichern. Verbaut wurden "gut 500 000 Euro", es handle sich im Wesentlichen "um die Optimierungen der raumseitigen Laborzuluftversorgung und die Nachrüstung von Strömungswächtern mit Alarmierungseinrichtungen".

Am Bauplatz an der Nikolaus-Fiebiger-Straße, auf den Joachim Herrmann im Mai 2018 stattdessen zeigte, als er das Versprechen "mit Hochdruck" gab, herrscht weiter Leere.

MARCEL STAUDT/CHRISTOPH BENESCH

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