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Unternehmen in Neunkirchen "bis zum Anschlag verschuldet"

Belegschaft des Präzisionsfeder-Werks will Kündigung des Tarifvertrags dennoch nicht hinnehmen - 07.05.2021 06:00 Uhr

„So läuft es nicht“: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Präzisionsfeder-Werks gestern beim Warnstreik vor den Werkstoren.

06.05.2021 © Foto: Christoph Benesch


Als sich die Mitarbeiter des Neunkirchener Präzisionsfeder-Werks Schubert (NPW) gestern coronakonform auf dem Werkshof versammelten, um für einen neuen Tarifvertrag zu kämpfen, waren einige ihrer Pappschilder bereits durchnässt. Den ganzen Vormittag hatte es geregnet – trotzdem hatte es nur einzelne Kollegen gegeben, die sich nicht am ersten Warnstreik seit 2015 beteiligt hatten. "Die Maschinen stehen still", berichtete Maria Döring, Betriebsrätin des 51 Mitarbeiter starken Unternehmens in Neunkirchen.

Fünf Tage Streik

Im September 2020 war ihnen der erst vor sechs Jahren hart mit fünf Tagen Streik am Stück erkämpfte Haustarifvertrag gekündigt worden. Zwei ihnen wohl zustehende Urlaubsgeldszahlungen und eine Weihnachtsprämie versuchen die Beschäftigten gerade mit Hilfe der IG Metall auf dem Rechtsweg zu erkämpfen.

"Bis zum Anschlag verschuldet"

Thomas Schubert, der von seinem Vater einst das Neunkirchener Werk erbte und als CEO der größeren Schwester Germania in Berlin sitzt, kann den Arbeitskampf seiner Belegschaft "nicht nachvollziehen". Denn, so sagt er auf Nachfrage dieser Zeitung: "Grundlage, Sonderzahlungen zu leisten, ist, dass genug Geld dafür da ist. Fakt ist aber: Die NPW ist bis zum Anschlag verschuldet."

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Zwar seien ausreichend Aufträge vorhanden, auch durch Corona sei das Unternehmen nicht so hart getroffen worden wie andere Branchen – auch weil unter anderem die Medizintechnik beliefert wird. Doch, so Schubert, der Kompromiss von 2015 – ausgehandelt letztlich erst mit Hilfe des Firmengründers aus dem Ruhestand –, mit einer stufenweisen Aufstockung der Bonuszahlungen und eines Haustarifvertrags, der nun nach Wunsch der Beschäftigten in den allgemeingültigen Tarif der Metall- und Elektroindustrie münden soll, habe "die Konten sukzessive leer gesaugt". Daher habe Thomas Schubert nun diesen Haustarifvertrag auch gekündigt: "Die Zahlungen sind so einfach nicht mehr möglich."

Unverständnis und Unmut

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Das stößt in Neunkirchen auf Unverständnis und Unmut. "Bereits seit 2019 gab es keine Anpassungen mehr. Herr Schubert denkt, man könne unsere Gehälter einfrieren und am Ende des Jahres dann unter Umständen ein paar Boni verteilen. So läuft es aber nicht! Wir verlangen eine angemessene und verlässliche Vergütung. Ist die gegeben, arbeiten wir hochmotiviert, fleißig, mit Fachwissen und großer Erfahrung in einem Spezialbereich. Wenn nicht, sind wir bereit für notfalls harten Arbeitskampf", so Betriebsrätin Maria Döring.

Kein Platz am Verhandlungstisch

Für den sieht Thomas Schubert keine Grundlage. Ja, nicht einmal an den Verhandlungstisch möchte er sich setzen, er schickte seine Stellungnahme an die Mitarbeiter per E-Mail und ließ sie im Werk aufhängen. "Die Beschäftigten haben es selbst in der Hand: Wenn sie sich anstrengen, ein gutes halbes Jahr hinlegen – dann ist automatisch genug Geld da. Wenn sie aber die Arbeit weiter niederlegen, sorgen sie vielleicht für den Konkurs des Unternehmens und damit für den Verlust ihres Arbeitsplatzes", sagt Schubert. In Neunkirchen hofft man dagegen weiter auf eine Einigung – notfalls wie einst mit Hilfe des Gründers aus dem Ruhestand.

CHRISTOPH BENESCH

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