Versilberte Hingucker für Schneiderinnen

28.6.2013, 00:00 Uhr

© Yvonne Neckermann

Im Schaufenster des Ateliers in der Westlichen Stadtmauerstraße stehen seit einigen Wochen besondere Hingucker, die nicht nur großartig aussehen, sondern außerdem hoch dekoriert sind. Mit einem rot-blauen Seidenkleid und einem roten Lamm-Nappa Trenchcoat holte Olga Fritzler (25) in der Gesellen-Bewertung die Bronze-Medaille. Karen Modreis (20) Kombination aus schwarz-weißem Korsagenkleid und einer dazu passenden Jacke wurde in der Wertung der Lehrlinge sogar mit Silber ausgezeichnet. Mit einem Anzug aus Snake-Print-Hose und schwarzem Blazer machte Magdalena Groher (21) den sechsten Platz.

„Es ging darum, ein Outfit zu entwerfen und zu nähen“, erklärt Susanne Spitz, die seit 13 Jahren ihr Atelier in Erlangen betreibt und Kunden aus ganz Deutschland beliefert. Dazu gehören Künstler wie der Berliner Musiker Chris Corner alias IAMX oder die Mittelalterband Feuerschwanz aus der Region.

Bewertet wurden beim Innungswettbewerb die technische Verarbeitung, der Schnitt, die Idee und ob das Outfit zum Typ passt. Die Teilnehmerinnen schneiderten sich ihre Entwürfe nämlich auf den eigenen Leib und präsentierten sie selber auf dem Laufsteg. Gefragt waren also nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch eine große Portion Kreativität.

„Als unser Lieferant uns die rot-blaue Seide gebracht hat, habe ich mich sofort in den Stoff verliebt“, erinnert sich Olga. Eigentlich habe sie erst einen Wollmantel dazu entwerfen wollen. „Aber weil ich etwas Besonderes machen wollte und außerdem gerne mit Leder arbeite, habe ich mich dann für das Lamm-Nappa entschieden. Wenn man beides zusammen sieht, finde ich schon, dass das knallt“, sagt sie. Die Jury gab ihr die Bronze-Medaille.

Karen ist ebenfalls mit ihrem schwarz-weißen Zweiteiler sehr zufrieden. „Mir gefallen vor allem der Stehkragen und die markante Schulterpartie“, sagt die Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Auch bei der Jury kam das an: Bei ihrem allerersten Wettbewerb holte Karen gleich die Silbermedaille.

Beruf immer beliebter

Magdalena ist genauso glücklich über ihren sechsten Platz. „Ich habe meine Ausbildung erst Anfang des Jahres begonnen und wollte bei dem Wettbewerb gar nicht antreten“, erzählt sie. Schließlich seien die Konkurrentinnen alle im zweiten Lehrjahr gewesen. „Olga, Karen und Susanne haben mich aber überredet, mitzumachen.“

Bei dem Wettbewerb bekommen die Teilnehmerinnen kein direktes Feedback über die Punktevergabe. „Ich denke aber, dass die Jury besonders von der technisch guten Verarbeitung des Stoffs sowie von den vielen aufwändigen Details an den Kleidungsstücken beeindruckt war“, glaubt Susanne Spitz. Als Lehrling war die 35-Jährige selbst Bayerische Meisterin und als Gesellin sogar Deutsche Meisterin.

Der Beruf des Schneiders wird seit einigen Jahren wieder beliebter. Gerade junge Frauen entscheiden sich häufig für eine Lehre als Vorbereitung auf ein Designstudium. Das steht bei Karen und Magdalena allerdings nicht im Vordergrund. „Ich habe auch darüber nachgedacht, Modedesign zu studieren“, erinnert sich Magdalena: „Das beinhaltet mir aber zu viel Sitzen und zu viel Theorie.“ Auch Karen möchte keineswegs ins Design-Fach wechseln: „Mir machen die handwerklichen Arbeiten einfach mehr Spaß“, sagt sie.

„Das Design ist eigentlich eine Unterkategorie des Schneiderberufs“, erklärt Susanne Spitz. Ein Schneider müsse auch entwerfen können. „Ein Designer hingegen kann zwar seine Entwürfe zeichnen, sie aber nicht umsetzen.“

In den Beiträgen für den Wettbewerb der Landesinnung stecken bis zu 80 Stunden Arbeit. Wenn sie nicht mehr im Schaufenster ausgestellt werden, wandern die Stücke in die Kleiderschränke von Olga, Karen und Magdalena. Im nächsten Jahr wollen die drei Schneiderinnen beim Bundeswettbewerb antreten. Dann wird sich Susanne Spitz ebenfalls der Jury-Bewertung stellen, da bei den Deutschen Meisterschaften auch eine Kategorie für Schneidermeister angeboten wird.

Keine Kommentare