Samstag, 22.02.2020

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Violine für den Frieden zwischen Russland und Deutschland

Projekt eines Geigenbauers und der Stadt Erlangen fördert Musik-Talent - 14.02.2020 06:00 Uhr

Der renommierte Geigenbaumeister Alfred Binner bei der Arbeit in seiner Werkstatt in Großenseebach. © Alexandra Seidelberger


"Auslöser war meine Affinität zum Osten und eine prägende Beobachtung: Immer wieder habe ich erlebt, wie viele talentierte Musiker es dort gibt. Doch oft fehlt ihnen das Geld, sich ein angemessenes Instrument zu kaufen", berichtet der Geigenbaumeister Alfred Binner über seine "Förderidee mit besonderen Saiten." Bereits seit einigen Jahren vermittelt er jungen Talenten Sponsoren, die bei ihm ein Instrument erwerben und dieses angehenden Geigen- und Cello-Virtuosen zur Verfügung stellen. Anlässlich des 75-jährigen Friedens zwischen Deutschland und Russland und der langjährigen Städtepartnerschaft zwischen Wladimir und Erlangen ist nun noch das Projekt "Friedensvioline" hinzugekommen.

Aber fangen wir von vorne an: Die Idee zur "Förderidee für besondere Saiten" entstand im Gespräch zwischen Alfred Binner und einem Freund. Dieser hatte sein Haus verkauft und überlegte, das Geld "sinnvoll" anzulegen, anstatt es auf das Konto einer Bank zu überweisen. Vielleicht wäre es dem Musikliebhaber sogar möglich, "in irgendeiner Weise einem jungen, noch mittellosen Menschen etwas Gutes zu tun"? Daraus entwickelte sich eine ungewöhnliche Art des Mäzenatentums, das sonst eigentlich eher aus der Verbindung zwischen Klassik-Stars und den Besitzern von historischen Instrumenten – beispielsweise Stradivaris – bekannt ist.

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Im Zeichen der Instrumente stand dieser Sonntag am "Tag der offenen Werkstatttür" in Bubenreuth. Ein buntes Programm lockte die Besucher in die Werkstätten. Im Keller des Rathauses konnten sich die Gäste auf die Spuren von Elvis und den Beatles begeben.


Bei Binner können nun Sponsoren ein Instrument aus seiner Werkstatt erwerben und dieses Talenten als kostenlose Leihgabe für einen längeren Zeitraum zur Verfügung stellen. Erklärtes Ziel: "Dieses Projekt trägt zur Steigerung der Entwicklung des spielerischen Potentials bei und steigert die Motivation ungeheuer." Eine Geige von Binner kostet um die 12 000 Euro. 14 gesponserte Geigen und Celli sind bereits im Umlauf.

Um die richtigen Musiker zu finden, sind Binners Kontakte in die internationale Musikwelt enorm wichtig. Immer wieder machen dann Professoren auf Talente aufmerksam. Ein Beispiel ist die bulgarische Cellistin Lilyana Kehayova. Diese erhielt durch eine Erlangerin, mit der sie inzwischen befreundet ist, ein Cello. Mittlerweile ist Kehayova eine renommierte Solistin und Professorin in Sofia. Dort hat sie den Alfred-Binner-Wettbewerb ins Leben gerufen, für den sich junge Talente bewerben können. Siegesprämien sind von Sponsoren zur Verfügung gestellte Instrumente. Binner stammt aus einer Bubenreuther Geigenbauer-Familie. Seinen Meistertitel erlangte er 1987.

Mit viel Fingerspitzengefühl arbeitet Binner an einem Instrument. © Foto: Alexandra Seidelberger


Seitdem hat er sich im In- und Ausland große Reputation erworben und mit Erfolg an Geigenbau-Wettbewerben (beispielsweise ist er Preisträger des Internationalen Geigenbau- und Klangwettbewerbs Jacobus Stainer) teilgenommen.

Hochwertige Materialien

Die Werkstatt von Alfred Binner befindet sich in Großenseebach. Hergestellt werden dort Instrumente aus hochwertigen Materialien. Binner: "Da ich die Werkstatt bereits in der dritten Generation führe, bin ich in der glücklichen Lage, auf Jahrzehnte alten bosnischen Ahorn und österreichische Fichte zurückgreifen zu können." So werden von ihm pro Jahr zehn bis zwölf Instrumente mit "verschiedenen Klangcharakteren" gebaut.

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Nun also das Projekt "Friedensvioline". Die Idee entstand im Rahmen der Konzerte des Gemeinnützigen Theater- und Konzert-Vereins Erlangen. Binner gehört zum GVE-Sponsorenkreis. Dabei kam es dann zur Begegnung mit der Erlanger Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, die den Kontakt zu Peter Steger herstellte. Steger betreut als Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Erlangen seit vielen Jahren die Kontakte in die russische Partnerstadt Wladimir. Binner: "Alle waren von der Idee einer Friedensgeige zu den bevorstehenden Feierlichkeiten rund um das 75-jährige Bestehen des Friedens begeistert."

Das deutsch-russische Projekt läuft seitdem auf Hochtouren. Demnächst sind Musiker bei einem Konzert in Erlangen zu Gast, die bei der Auswahl eines Talents, das in Zukunft mit einem Meisterstück aus der Werkstatt von Binner spielt, helfen werden. Auch ein Erlanger, der die Geige finanziert, wurde bereits gefunden. Im Mai wird dann Geigenbaumeister Binner zusammen mit dem Sponsor und einer Delegation nach Wladmir reisen, um die "Friedensvioline" zu überreichen. Denn: "Auch in Zukunft ist zur Friedenssicherung ein offenes Aufeinanderzugehen nötig, es braucht vertrauensstiftende Verbindungen." Die Geige aus Großenseebach soll dabei ein weiterer Baustein zur Versöhnungsarbeit sein, die seit 1983 zwischen Erlangen und Wladimir geleistet wird.

 

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