Vom feigen Löwen und der krächzenden Hexe

14.9.2020, 18:41 Uhr
Geniale Schauspielerin und großartige Musiker: Elke Wollmann und das Bläserquartett präsentierten den amerikanischen Märchenklassiker „Der Zauberer von Oz“.

Geniale Schauspielerin und großartige Musiker: Elke Wollmann und das Bläserquartett präsentierten den amerikanischen Märchenklassiker „Der Zauberer von Oz“. © Foto: Harald Hofmann

Beim intelligenten Konzept mit Desinfektionsmittelspender gleich am Eingang, Einbahn-Verkehr und Maskentragen bis zum Platz zeigte sich der Verstand. Mut brauchte es, das Konzert für Kinder, ihre Eltern und Großeltern überhaupt stattfinden zu lassen und Herz, ja, das Herz, das steckte in der wundervollen musikalischen Darbietung des amerikanischen Märchenklassikers "Der Zauberer von Oz".

Norbert Nagel, Meister aller Klarinetten und Saxofone, fand im Kosmos der klassischen Musik eine Vielzahl von Melodien, die – von ihm liebevoll für Bläserquartett arrangiert, moduliert, angereichert, verkürzt, also "verzaubert" – passend die Situationen und Handelnden charakterisierten. Jörg Krämer (Querflöte), sein Sohn Valentin Krämer (Oboe), Kaspar Reh (Fagott) und eben Norbert Nagel (Klarinette) sind unbestreitbar "erste Sahne" in der Bläserwelt, so dass die leicht klingenden musikalischen Illustrationen, die aber technisch und vom Zusammenspiel sehr anspruchsvoll waren, von allerbesten Händen, Lippen und Zungen geschaffen wurden. Türklopfen, Windblasen, Blätter wehen, alles das konnten sie auch, sogar bellen, wie Dorothys kleiner schwarzer Hund . . .

Was für ein bunter, lebendiger Rahmen für die faszinierende Erzählerin Elke Wollmann: Wie wandlungsfähig ist ihre Stimme, wie fesselnd ihre Mimik, wie intensiv ihre Gestik. Nichts will man da versäumen, die Aufmerksamkeit saugt sich unwillkürlich an ihrem Vortrag fest. Resolut klingt da die unerschrockene Dorothy, krächzt die Hexe des Ostens, schleppend wünscht sich die Vogelscheuche Verstand in ihren Strohkopf, maschinell gefertigt klingt der Blechholzfäller, der gerne ein Herz hätte und der feige Löwe mit seinem Sprachfehler wäre gern ein bisschen mutiger. Unerreicht feine Komik liefert Elke Wollmann auch als sich in Wasser auflösende Hexe des Westens. Diese skurrilen Bilder waren förmlich als Denkblasen über den Köpfen der gebannt mit-erlebenden Kinder im Publikum zu erkennen. Alle im Saal gemeinsam zauberten, auf einem Bein stehend (und unter dem Motto "Wir schaffen das!"), das gute Ende dieses spannenden musikalischen Märchens herbei.

Stürmisch war dann der Applaus für die großartigen Musiker und die geniale Schauspielerin. Wie herrlich, dass es wieder Familienkonzerte gibt!

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