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Vor 50 Jahren wurde Erlangen zur Hafenstadt

Der Hafen und ein neuer Streckenabschnitt des Europakanals wurden eingeweiht - 26.10.2020 13:00 Uhr

Mit Politprominenz und 180 Schulkindern an Bord befuhren drei Fahrgastschiffe, allen voran „Undine“, am 30. Oktober 1970 erstmals den neuen Streckenabschnitt Hausen-Erlangen-Frauenaurach.

25.10.2020 © Rudi Stümpel/Stadtarchiv Erlangen


Am 30. Oktober 1970 wurde nicht nur der ungefähr 16 Kilometer lange Streckenabschnitt Hausen-Erlangen-Frauenaurach des heute rund 3500 Kilometer langen Europakanals, sondern auch der in Büchenbach gelegene Hafen mit dem etwa fünf Hektar großen Hafengelände feierlich eingeweiht. Es schloss 450 Meter Umschlagufer zum Be-, Ent- und Verladen mit zwei Kränen, einen Parallelhafen, ein Stichbecken sowie 11.000 Quadratmeter Freilagerflächen und 1000 Quadratmeter gedeckte Lagerfläche, außerdem vier Silos mit ein.

Zusätzlich wurden noch Gewerbeflächen bereitgestellt, denn im damaligen Entwicklungsgebiet Büchenbach sollte ein neues industrielles Zentrum mit günstiger Anbindung zu Autobahnen, Bahnhof und innerstädtischem Verkehrsnetz entstehen. Die Prognosen waren gut: 500.000 Tonnen Umschlaggüter wurden schon für das erste Geschäftsjahr erwartet.

Zahlreiche Schaulustige

Hunderte von Zuschauer*innen säumten am Einweihungstag die Wege auf den Kanaldämmen und alle Brücken von der Erlanger Schleuse bis zum Hafen. Sie applaudierten und winkten dem über die Toppen geflaggten und mit Girlanden geschmückten Schiffskorso zu, der erstmals den neuen Streckenabschnitt befuhr. Begleitet wurden die drei Fahrgastschiffe "Moritz", "Spessart" und "Undine" mit den zahlreichen Ehrengästen und 180 Büchenbacher Schulkindern von vier schwer beladenen Frachtschiffen (darunter auch die "Stadt Erlangen") und privaten Motor-, Ruder- und Paddelbooten sowie von Booten der Wasserwacht, DLRG und der Erlanger Stadtpolizei.

Auf der Fahrt wurden drei Einweihungsbänder zerschnitten: vor der Erlanger Schleuse das schwarz-rot-goldene (für die Bundesrepublik Deutschland) vom früheren Bundesverkehrsminister Georg Leber gemeinsam mit einem Schleusenwärter sowie das weiß-blaue (für die neue Kanalstrecke im Freistaat Bayern) vom damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel und einer zwölfjährigen Schülerin. Nach Böllerschüssen und hohen Wasserfontänen der Erlanger Feuerwehren wurde schließlich kurz vor der Hafeneinfahrt das dritte Band in den rot-weißen Stadtfarben (für den neuen Erlanger Hafen) von einer neunjährigen Schülerin zerschnitten. Dazu erklang der "Alfons-Goppel-Marsch", gespielt von der Stadtkapelle Erlangen. 

Bedeutung des Kanals

Nach dem Anlegen der Schiffe begann der eigentliche Festakt. In den vielen Grußworten zur Einweihung wurde nicht nur die regionale Bedeutung von Kanal und Hafen für die Entwicklung von Industrie und Handel sowie für eine engere Verbindung zwischen Produktionszentren und wichtigen Absatzmärkten betont, sondern auch die Wichtigkeit des Kanals als "Wasserleitung" zwischen Donau, Altmühl und dem wasserarmen Franken. Immer wieder wurde auch darauf hingewiesen, dass der Europakanal nach seiner vollständigen Fertigstellung die begonnene wirtschaftliche, aber auch politische Zusammenarbeit zwischen West- und Osteuropa wesentlich verbessern würde. 

 

 

GISELA SPONSEL-TRYKOWSKI

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