Samstag, 15.05.2021

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Vorrang für Radler von Kalchreuth nach Buchenbühl?

ADFC und VCD fordern zweijährigen Versuch auch für die Strecke nach Heroldsberg - 19.01.2021 18:30 Uhr

Gern nutzen Pendler aus dem Erlanger und Forchheimer Oberland die Straßen von Heroldsberg und Kalchreuth nach Buchenbühl, um den Staus auf der B 2 zu entgehen.

18.01.2021 © Scott Johnston


Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) unterstützt dies und geht noch einen Schritt weiter: Dieser Versuch sollte auch auf die Straße von Buchenbühl nach Kalchreuth ausgedehnt werden.

Die beiden Vereine argumentieren, dass Radfahren durch den Klimaschutz, die steigende Nachfrage nach Pedelecs und die weitere Zunahme von Staus beim Autoverkehr derzeit einen Boom erlebe. Vor diesem Hintergrund stiegen auch immer mehr Pendler vom Erlanger Oberland nach Nürnberg aufs Rad um.

Trotz einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 Stundenkilometer werde auf den beiden Straßen häufig zu schnell gefahren. Bei deren Breite von teilweise gerade mal 4,80 Metern könnten die Autofahrer beim Überholen eines Radfahrers den gesetzlich vorgeschriebenen Abstand von zwei Metern in der Praxis nicht einhalten.

Beliebter Schleichweg

An einigen Stellen herrsche ein deutliches Gefälle, sodass die Gefährdung dort besonders hoch sei. Vielen Arbeitnehmern dienten die Straßen gern als Schleichweg, um den Staus auf der B 2 zu entgehen. Dieses hohe Verkehrsaufkommen im Berufsverkehr erhöhe das Risiko für Radler zusätzlich.

Bei Fahrradstraßen beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 30 Stundenkilometer. Zudem haben Radler gegenüber Autofahrern Vorrang. Laut ADFC betrug der Anteil der Radfahrer auf der Straße von Nürnberg zur Hundsmühle in der Hauptverkehrszeit von 6 bis 18 Uhr bei einer im September von Heroldsbergern durchgeführten Verkehrszählung 21,75 Prozent. In der Spitzenzeit zwischen 13 und 14 Uhr seien es sogar etwa 35 Prozent gewesen.

"Es ist also durchaus realistisch, dass die Radler nach der Einrichtung von Fahrradstraßen die vorherrschende Verkehrsart sein werden, wie es von der Straßenverkehrsordnung hierfür verlangt wird", hebt Nicola A. Mögel, die stellvertretende Kreisvorsitzende des ADFC Nürnberg und Umgebung, hervor.

Großteil ist gemeindefrei

Verkehrsrechtliche Anordnungen für die Straßen können der Markt Heroldsberg, die Gemeinde Kalchreuth und die Stadt Nürnberg jeweils für den Teil erlassen, der sich auf ihrem Gebiet erstreckt. Der größte Abschnitt verläuft durch den Sebalder Reichswald und ist gemeindefrei. Für diesen Bereich ist das Landratsamt Erlangen-Höchstadt zuständig.

An das Landratsamt haben sich der ADFC und VCD bisher ebenso wenig gewandt wie an die betroffenen Gemeinden. Die Erlanger Nachrichten fragten daher wegen des Vorschlags bei der Kreisbehörde nach, welche die Initiative daraufhin von verschiedenen Fachstellen und der Polizei prüfen ließ.

Freuen können sich die Radfahrer auf jeden Fall über Verbesserungen in Uttenreuth.

Nach Einschätzung der Polizeiinspektion Erlangen-Land können die Werte der vom ADFC angeführten Verkehrszählung nicht als repräsentativ betrachtet werden. Erfahrungsgemäß liege ein Anteil der Radfahrer von 21,75 Prozent am Verkehrsaufkommen nur bei gutem Wetter und am Wochenende, vor allem am Sonntag, im Bereich des Möglichen.

Von Buchenbühl nach Kalchreuth waren innerhalb von elf Monaten zehn und nach Heroldsberg vier Unfälle zu verzeichnen, darunter sechs Wildunfälle. In keinem einzigen Fall kollidierten dabei ein Auto und ein Radfahrer.

Polizei favorisiert Trennung

Einer Umwandlung in Fahrradstraßen kann die Polizeiinspektion Erlangen-Land aufgrund dieser Gegebenheiten nicht zustimmen. Vielmehr sollte darauf hingewirkt werden, dass Fahrrad- und Pkw-Verkehr möglichst getrennt werden. Auch das Landratsamt hält die Initiative der beiden Vereine wegen der geschilderten Situation für wenig erfolgversprechend und betont, dass bei einer ganzheitlichen Abwägung eben auch die Erfordernisse des Kfz-Verkehrs angemessen zu berücksichtigen seien.

Der Heroldsberger Bürgermeister Jan König bedauert es, dass mittlerweile ein ideologischer Kampf geführt werde, um Autofahrern möglichst überall das Leben schwer zu machen. Nicht zuletzt wegen der Unzuverlässigkeit der Gräfenbergbahn sei es utopisch zu glauben, auf dem Land könnten die Bürger auf absehbare Zeit ohne Pkw zurechtkommen.

Eventuell an den Wochenenden

Die Strecke von der Hundsmühle nach Buchenbühl bilde für die Heroldsberger die einzige Ausweichroute, wenn es auf der B 2 Sperrungen oder längere Staus gebe. Auf der Strecke nach Buchenbühl im Sommer den Radlern an den Wochenenden Vorrang einzuräumen, sei freilich eine Prüfung wert, betont König. Für Pendler, die mit dem Rad beispielsweise zum Nürnberger Nordostpark fahren wollen, existiere jedoch bereits eine gute Verbindung über den Haidberg und am Wasserwerk vorbei.

Sein Kalchreuther Kollege Herbert Saft verweist darauf, dass in Zusammenarbeit mit dem Forst zudem ein weiterer Waldweg extra stabilisiert wurde, um mit dem Rad von der Wolfsfelder Wiese nach Nürnberg gelangen zu können. Die Straße nach Buchenbühl sei hingegen vor einigen Jahren saniert worden, um die Bundesstraße zu entlasten. Sollte die Umwandlung in eine Fahrradstraße tatsächlich spruchreif werden, müsste dann der Gemeinderat darüber beraten.

SCOTT JOHNSTON

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