Uni-Klinikum Erlangen

Was passiert mit verfallenem Corona-Impfstoff in der Forschung?

Sharon Chaffin
Sharon Chaffin

Redakteurin Erlanger Nachrichten

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1.2.2022, 18:00 Uhr
Bisweilen bleibt Corona-Impfstoff übrig und verfällt, dann bekommen ihn mitunter Einrichtungen für die Forschung (Symbolbild). 

© Christoph Schmidt Bisweilen bleibt Corona-Impfstoff übrig und verfällt, dann bekommen ihn mitunter Einrichtungen für die Forschung (Symbolbild). 

Das Coronavirus war und ist in vielerlei Hinsicht noch immer neu, die Forschung an Krankheit, Behandlung, Impfstoff und Medikamenten geht weiter. Eine große Rolle rund um Covid-19 spielt dabei seit Beginn an das Universitätsklinikum Erlangen (UKER) der Friedrich-Alexander-Universität (FAU). Bei ihren Studien greifen die Experten dabei unter anderem auch auf nicht verwendeten und übrig gebliebenen Corona-Impfstoff zurück, den sie im Fall eines Falles auch vom Erlanger Impfzentrum bekommen.

Natürlich werde in der Einrichtung, die für die Stadt und den Landkreis zuständig ist, alles getan, um die Vakzine vor einem Verfall zu retten, doch manchmal sei das nicht mehr möglich, heißt es aus der Pressestelle der Stadt Erlangen, die die Federführung über die Einrichtung hat. "Trotz Abgaben und Austausch mit Ärzten und anderen Impfzentren konnte und kann Verfall nicht vollständig vermieden werden, vor allem was den Impfstoff von Moderna anbelangt, der gerade überall in ausreichender Menge vorrätig ist", erklärte Sprecher Christofer Zwanzig auf Nachfrage. Diese verfallenen Seren gehen dann bisweilen an die FAU.

Was genau passiert mit den Fläschchen?

Doch was genau passiert dort mit den Fläschchen? "Wir nutzen diese für verschiedene Projekte", antwortet Prof. Klaus Überla, der Direktor des Virologischen Instituts am Uni-Klinikum und auch Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts ist. "Die mRNA-Impfstoffe können wir zum Beispiel in Zellkultur einsetzen", erklärt er, "um Zellen herzustellen, die das Spike-Protein des Sars-Cov-2 produzieren."

Weiter erläutert der Erlanger Experte: "Diese Zellen nutzen wir dann, um Antikörper nachzuweisen, die an das Spike-Protein binden. Wir arbeiten auch an der Optimierung von RNA-Lipid-Komplexen für die Verabreichung von Biologika, also biologisch hergestellte Arzneimittel. Da sind die mRNA-Impfstoffe eine gute Messlatte."

Man brauche nur "sehr wenige" Dosen der Impfstoffe, erläutert Überla. "Diese lagern wir bei minus 80 Grad Celsius und können sie dann für unsere Zellkulturexperimente langfristig nutzen. Dabei überprüfen wir natürlich, ob die Impfstoffe nach dem Auftauen in Zellkultur noch funktionieren."

Bis zum 20. Januar 2022 hatte das Institut 20 Moderna-Vials nach dem Verfalldatum erhalten und zirka 50 bereits aufgezogene Spritzen mit der Covid-19-Vakzine Janssen.

Die Einrichtung nutzt also verfallene Corona-Impfstoffe, um in Vorversuchen die Auswirkungen der Vernebelung des Impfstoffes im Labor zu untersuchen. In der klinischen Prüfung, sagt Überla, würden jedoch "ganz sicher" keine abgelaufenen Impfstoffe verwendet werden.

Denn klar ist: Bei den für die Forschung verwendeten Vakzinen handelt es sich um abgelaufene, betont der Professor. Doch wäre es nicht besser, jedes Vakzin würde auch verimpft werden? " Wir können doch keine abgelaufenen oder nicht sachgemäß gelagerten Impfstoffe verimpfen", antwortet Überla.

Um die Vergeudung von Impfstoffen zu vermeiden, sei es wichtig, dass jeder, der einen Impftermin hat und diesen nicht wahrnehmen kann, den Termin so schnell wie möglich absagt. "Und natürlich", fügt er hinzu, "ist es wichtig, dass sich jetzt möglichst viele gemäß der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission impfen lassen."

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